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{"id":393,"date":"2016-12-08T17:27:17","date_gmt":"2016-12-08T17:27:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/?page_id=393"},"modified":"2024-02-13T11:29:57","modified_gmt":"2024-02-13T11:29:57","slug":"kritik-zentralmatura-deutsch","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/?page_id=393","title":{"rendered":"Kritik Zentralmatura Deutsch"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\"><strong>Zehn Jahre schriftliche Reifepr\u00fcfung Deutsch nach den Formatierungsvorgaben der Zentralmatura Worauf Maturareife heute hinausl\u00e4uft: <\/strong><\/h1>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\"><strong>40.000 Texte von der Stange <\/strong><\/h1>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\"> (geschrieben im November 2023)<\/p>\n\n\n\n<p>.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\"><div class=\"wp-block-group__inner-container\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-layout-1 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\t\t<div class='wp-block-btn-button  align' id='btnButton-69d5c814-4' data-attributes='{&quot;cId&quot;:&quot;69d5c814-4&quot;,&quot;text&quot;:&quot;PDF-Verlinkung (Langfassung mit  Fu\\u00dfnoten)&quot;,&quot;url&quot;:&quot;http:\\\/\\\/www.wolfgang-muehlbacher.com\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/12\\\/Wolfgang-Mu\\u0308hlbacher-Nov.2023.pdf&quot;,&quot;target&quot;:&quot;_blank&quot;,&quot;size&quot;:&quot;small&quot;,&quot;alignment&quot;:&quot;left&quot;,&quot;typography&quot;:{&quot;fontSize&quot;:12,&quot;fontWeight&quot;:400,&quot;textDecoration&quot;:&quot;none&quot;,&quot;fontFamily&quot;:&quot;Cairo&quot;,&quot;fontCategory&quot;:&quot;sans-serif&quot;,&quot;fontVariant&quot;:400},&quot;colors&quot;:{&quot;color&quot;:&quot;#fff&quot;,&quot;bg&quot;:&quot;#fcb900&quot;,&quot;bgType&quot;:&quot;solid&quot;},&quot;hovColors&quot;:{&quot;color&quot;:&quot;#fff&quot;,&quot;bg&quot;:&quot;#0693e3&quot;},&quot;padding&quot;:{&quot;vertical&quot;:&quot;8px&quot;,&quot;horizontal&quot;:&quot;16px&quot;},&quot;align&quot;:&quot;&quot;,&quot;actionType&quot;:&quot;link&quot;,&quot;tooltip&quot;:&quot;&quot;,&quot;tooltipPos&quot;:&quot;top&quot;,&quot;attrs&quot;:{&quot;rel&quot;:&quot;noreferrer&quot;,&quot;referrerpolicy&quot;:&quot;no-referrer&quot;},&quot;hideOn&quot;:{&quot;desktop&quot;:false,&quot;tablet&quot;:false,&quot;mobile&quot;:false},&quot;isDownload&quot;:false,&quot;downloadFileName&quot;:&quot;&quot;,&quot;isUpIcon&quot;:false,&quot;icon&quot;:{&quot;class&quot;:&quot;fa fa-paper-plane&quot;},&quot;upIcon&quot;:{&quot;id&quot;:null,&quot;url&quot;:&quot;&quot;,&quot;alt&quot;:&quot;&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;},&quot;iconPos&quot;:&quot;left&quot;,&quot;type&quot;:&quot;flat&quot;,&quot;isFullWidth&quot;:false,&quot;popup&quot;:{&quot;type&quot;:&quot;image&quot;,&quot;content&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;width&quot;:&quot;&quot;},&quot;animationType&quot;:&quot;&quot;,&quot;animationDuration&quot;:0.4,&quot;addID&quot;:&quot;&quot;,&quot;addCSS&quot;:&quot;&quot;,&quot;border&quot;:{&quot;radius&quot;:&quot;5px&quot;},&quot;shadow&quot;:[]}' data-nonce='&quot;7327dbfec2&quot;'><\/div>\r\n\r\n\t\t<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center has-large-font-size\" style=\"font-style:normal;font-weight:700\"><strong>Kurzfassung des Langtextes<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Von Mai 2013 bis September 2023 sind bei der Zentralmatura Deutsch bei bisher 29 Maturaterminen in Dreierpaketen mit jeweils zwei Themen 160 Aufgabestellungen und fast 500 unterschiedlich oft auf diese verteilten Schreibauftr\u00e4gen bzw. Operatoren vorgelegt worden. Nach zehn Jahren aufmerksamer Begleitung der schriftlichen Reifepr\u00fcfung ist ein guter Zeitpunkt gekommen, die mit dem Paradigmenwechsel gemachten Versprechungen und daran gekn\u00fcpften Erwartungen einer kritischen \u00dcberpr\u00fcfung zu unterziehen. Die Langfassung meines Aufsatzes ist in der pdf-Verlinkung abrufbar. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die Quintessenz der acht Abschnitte habe ich auf die folgende Kurzform gebracht:<\/p>\n\n\n\n<ol>\n<li class=\"has-medium-font-size\">Viele Jahrzehnte gab es f\u00fcr die AHS und BHS unterschiedliche Aufgabenstellungen, die auf die jeweils anders gewichteten Bildungsziele, Lehrpl\u00e4ne und inhaltlichen Schwerpunktsetzungen dieser Schultypen Bedacht nahmen.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Seit der Einf\u00fchrung des neuen Maturamodus im Schuljahr 2014\/15 erhalten die Abiturienten und Abiturientinnen aller h\u00f6heren Schulen Themenpakete mit den gleichen Aufgabenstellungen.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Die Gleichschaltung der Themen f\u00fcr die AHS und BHS im Fach Deutsch wurde nicht, wie vielfach angenommen, vom Europ\u00e4ischen Parlaments bzw. den Europ\u00e4ischen Qualifikationsstandards (EQS) verf\u00fcgt.  Sie wurde vielmehr von der Gruppierung im Bildungsministerium bestimmt, die sich im Konzert der Bildungspolitiker in der Konzeptionsphase ab 2006 durchgesetzt hat. Weil man sich auf die EQS schlecht berufen konnte, hat man ein neues Argument ins Spiel gebracht. Danach w\u00fcrde man sich mit den gleichen Themen f\u00fcr alle auf das durch die Diversifizierung der Schultypen verloren gegangene allen h\u00f6heren Schulen angeblich Gemeinsame im Fach Deutsch beziehen.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Dabei sind der Maturamodus der BHS mit seiner &gt;Zwei-Texte-Pflicht&lt; und Teile des f\u00fcr die AHS fremden Textsortenkanons, insbesondere der der HAK, in das neue System \u00fcbernommen worden.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Nicht nur formal hat sich das neue Maturakonzept an das der BHS angepasst, sondern in den ersten Jahren auch inhaltlich. Im Mai 2013 und 2014 nahmen die Aufgabensteller auf die Ausbildungsschwerpunkte der berufsbildenden h\u00f6heren Schulen in einem Ma\u00dfe Bedacht, dass die Chancengleichheit gegen\u00fcber den Absolventen der AHS nicht gegeben war.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Angesichts der nicht geringen Kritik an dieser die BHS favorisierenden Vorgangsweise ruderte das Ministerium zur\u00fcck, will aber bei den Aufgabenstellungen nach wie vor auf die Besonderheiten der AHS und BHS R\u00fccksicht nehmen.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Gleiche Chancen f\u00fcr alle bedeutet f\u00fcr die Aufgabenstellungen der Folgejahre aber nichts anderes als: die Anforderungen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu reduzieren.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Das allgemeine Bildungsziel der AHS wie das selbst\u00e4ndige Denken und die kritische Reflexion kommt dann in den Aufgabenstellungen genauso zu kurz wie bei der BHS am Beispiel der Handelsakademie die kaufm\u00e4nnische Bildung zur Qualifikation in allen Wirtschaftszweigen und Verwaltung oder bei der HTL der Erwerb fachlicher Bildung zur Aus\u00fcbung eines h\u00f6heren Berufes.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Die Zentralmatura im Fach Deutsch mit f\u00fcr alle Schultypen gleichen Aufgabenstellungen ist also ein vom Europ\u00e4ischen Qualifikationsrahmen nicht gefordertes Reduktionsmodell auf dem Niveau des kleinsten gemeinsamen Nenners aller h\u00f6heren Schulen, tendenzielle Bevorzugung der berufsbildenden h\u00f6heren Schulen nicht ausgeschlossen.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Ein Reduktionsmodell ist die Zentralmatura weiter deshalb, weil sie den Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen das Gesch\u00e4ft des Gliederns weitgehend aus den H\u00e4nden nimmt und paternalistisch bestimmt, was angesichts einer Problemlage Ordnung ist.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Maturareife besteht jetzt darin, von fremden K\u00f6pfen Erarbeitetes zu identifizieren und in einer Paraphrase mit verschwimmenden Grenzen zum copy and paste an den vorgegebenen Stellen in die eigene Arbeit einzubauen. F\u00fcr die Entfaltung eigenst\u00e4ndig erarbeiteter L\u00f6sungen gibt es kaum Raum.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Es darf bezweifelt werden, ob mit diesem Maturamodus die vom Ministerium als Ziel angegebene \u201elangfristige und dauerhafte Qualit\u00e4tssteigerung und -sicherung an \u00d6sterreichs allgemein- und berufsbildenden h\u00f6heren Schulen\u201c und die wagemutig verk\u00fcndete \u201eerh\u00f6hte Studierf\u00e4higkeit\u201c bewirkt werden k\u00f6nnen.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Ich bef\u00fcrchte, dass diese Form einer Zentralmatura mit ihren R\u00fcckkoppelungseffekten auf eine lange Schullaufbahn in Wahrheit auf Schreib- und Denkformatierung, Abrichtung und Entm\u00fcndigung hinausl\u00e4uft.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Grundproblem 1: Die Deutsch-Texte bei der schriftlichen Reifepr\u00fcfung werden aus der Bearbeitung des f\u00fcr alle Schultypen der AHS und BHS gleichen Stoffes (den Textbeilagen) nach vorgegebenen Schnittmustern zusammengebaut.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Grundproblem 2: Mit all ihren Formatierungsvorgaben nimmt sich diese Form einer Zentralmatura die Produktionsphilosophie des Taylorismus zum Vorbild. Das Anfertigen von Texten wird in Analogie gesehen zur Vereinheitlichung von Arbeitsprozessen und der Steuerung bei der Produktion von Erzeugnissen (Typung) und Erzeugnisteilen (Normung) wie beim Zusammenbau eines Autos, der Herstellung von Kuckucksuhren oder anderer Massenwaren. In der Wirtschaft verbessern Standardisierungsma\u00dfnahmen die Effizienz des Arbeitseinsatzes und die Qualit\u00e4t der Produkte. Die \u00dcbertragbarkeit dieses Konzeptes auf mentale Prozesse, wie sie bei der Anfertigung von Maturaaufs\u00e4tzen zu leisten sind, ist aber grunds\u00e4tzlich zu hinterfragen und f\u00fchrt wie im Falle der nach den Vorgaben der Zentralmatura angefertigten Maturatexte tendenziell zu Produkten von der Stange.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Mit den schon bis in die Primarstufe hinunter sp\u00fcrbaren Auswirkungen der Schreibnormierung durch Operatoren hat das Ministerium, jedenfalls f\u00fcr den Textsortenkanon der Zentralmatura, auf \u201egenial\u201c einfache Weise auch die leidige Problematik der Schreibdidaktik an den h\u00f6heren Schulen gel\u00f6st, seit einem halben Jahrhundert ein Desiderat bei der Deutschlehrerausbildung.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Die \u201eZusammenfassung\u201c der Zentralmatura gibt vor eine Zusammenfassung zu sein. Sie weicht aber in dem, was beim Schreiben verlangt wird, von der klassischen Zusammenfassung, bei der es um das Komprimieren des Textinhaltes geht, so weit ab, dass man von einer Textsorte sui generis sprechen muss. Richtig lie\u00dfe sich dieses Schreiben daher als &gt;auftragsgem\u00e4\u00dfes Zusammenstellen von Informationen aus Textbeilagen&lt; bezeichnen.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Die Aufgabenstellungen beim Leserbrief leiden an einem Systemfehler, der mit der langen Vorlaufzeit zu tun hat, bis aus einem Aufgabenvorschlag aus der Lehrerschaft endlich eine vom Ministerium abgesegnete Themenstellung wird. Die Kandidaten und Kandidatinnen sollen mit ihren Leserbriefen auf einen Text aus den Medien reagieren, der bis zu sechs (!) Jahre zur\u00fcckliegen kann. Das ist eine Situation, in der weder ein B\u00fcrger\/eine B\u00fcrgerin auf einen nicht mehr aktuellen Anlass mit einem Leserbrief Bezug nehmen noch eine Redaktion einen so versp\u00e4teten Leserbrief ber\u00fccksichtigen wird.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Der Problemaufsatz hat im System der Zentralmatura seinen traditionellen Namen beibehalten und firmiert nach wie vor unter dem Etikett Er\u00f6rterung. Durch die verpflichtende Integration von Inhalten aus einer Textbeilage r\u00fcckt er jetzt aber grunds\u00e4tzlich in die N\u00e4he zur so genannten Texter\u00f6rterung. Die durch die Operatoren sich auseinandersetzen mit (synonym dazu: diskutieren) dabei verlangte dialektische Gedankenf\u00fchrung wird von den Aufgabenstellern in ihren \u201eL\u00f6sungs\u201c-Kommentaren trivialisiert. Sie verzichten auf die eigentlich verlangte Synthesenbildung und bieten regelm\u00e4\u00dfig nur die blo\u00dfe Gegen\u00fcberstellung von Pro- und Kontraargumenten und \u00e4hnlich bin\u00e4re Kategorien an. Es sollte dar\u00fcber nachgedacht werden, ob die verlange \u201eAuseinandersetzung\u201c mit vorgegebenen Inhalten bei einer Texter\u00f6rterung nicht in Wirklichkeit auf die Beurteilung ihrer argumentativen Qualit\u00e4t, allenfalls die Erg\u00e4nzung von Argumenten hinausl\u00e4uft.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Die Textinterpretation                                                                                                                                      (20.1.) ist die Textsorte, bei der den Kandidaten und Kandidatinnen keine brauchbaren Informationen zur Verf\u00fcgung gestellt werden, auf die sie zugreifen k\u00f6nnen, so wie das bei einer Er\u00f6rterung, einem Kommentar oder einer Meinungsrede \u00fcber Textbeilagen der Fall ist. Die dahinter erkennbare Einstellung &gt;Ein poetischer Text ist auch rein textimmanent \u201edeutbar\u201c, also ohne Ber\u00fccksichtigung der Kontextbez\u00fcge, ist eine Beschneidung seiner Bedeutungsdimensionen. Dieses Literaturverst\u00e4ndnis widerspricht den Lehrplanbestimmungen \u00fcber den (auch schriftlichen) Umgang mit Literatur sowohl an der AHS als auch an der BHS. Das Ministerium geht sogar so weit, solche Interpretationsaufgaben auch den Absolventen der Kurse f\u00fcr die Berufsreifepr\u00fcfung vorzulegen, die sich in einem Jahreskurs (!) auf die Zentralmatura vorbereiten, freilich nicht auf das Verfassen von Interpretationen, weil das in ihrem Lehrplan gar nicht vorgesehen ist.                            (20.2.) Der Umgang mit literarischen Texte, das Kappen der Mehrfachbez\u00fcge ihrer Poetizit\u00e4t, den das Ministerium derzeit zum Standard macht, ist eine Schande und vertr\u00e4gt sich nicht mit dem Anspruch \u00d6sterreichs eine Kulturnation zu sein. Er ist nicht mit dem Bild von sich vereinbar, das \u00d6sterreich in die Welt hinaustr\u00e4gt.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Die Analyseauftr\u00e4ge bei der Textinterpretation und Textanalyse sind viel zu allgemein formuliert, als dass ihnen G\u00fctekriterien f\u00fcr die Objektivit\u00e4t der Beurteilung entnommen werden k\u00f6nnten. Bei den Datenmengen, die zu ber\u00fccksichtigen sind, ist deren leserfreundliche Einbindung auf dieser Entwicklungsstufe kaum vorstellbar.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Die in der pdf-Verlinkung mit Beispielen dargestellte Handhabung der Operatoren benennen \/ wiedergeben, bewerten \/ beurteilen, sich auseinandersetzen mit \/ entwerfen lassen das Urteil zu, dass die Aufgabenstellungen nicht immer die Klarheit haben, die man im Vertrauen auf die vielfach ger\u00fchmte Pr\u00e4zision der Operatoren und deren Bezugsobjekte erwarten k\u00f6nnte \u2013 schlie\u00dflich ein wichtiges Motiv f\u00fcr die Konzeption der Zentralmatura.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Die Langfassung des Aufsatzes (pdf-Verlinkung, Kap. 7) enth\u00e4lt Vorschl\u00e4ge, wie bei der Er\u00f6rterung, beim Kommentar und der Meinungsrede mehr Eigenleistung bewirkt werden k\u00f6nnte.<\/li>\n\n\n\n<li class=\"has-medium-font-size\">Wenn beim Ministerium Daten zu den gew\u00e4hlten Themenpaketen und Textsorten in der AHS und BHS oder zu den Kriterien der Literaturauswahl nachgefragt werden, l\u00e4sst es sich dazu, abgesehen davon, dass das F\u00fchren von Statistiken einger\u00e4umt wird, keine Informationen entlocken. \u201eKommandos an die Truppe\u201c, lapidar und mit keiner Begr\u00fcndung versehen, wie das beim Streichen der Textsorten Empfehlung und Offener Brief geschehen ist, machen sich heutzutage gar nicht gut. Vielleicht schafft es das Ministerium, einen Ort der kritischen Kommunikation einzurichten, an dem ein breiterer Kreis t\u00e4tig sein kann als der von den item writern gebildete, die bisher im engsten Kontext kaum erfahren k\u00f6nnen, wie ihre Aufgabenstellungen von der Fachkollegenschaft beurteilt werden.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">                                                                                                                                                                       <\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Unbedarftheit und handwerkliches Unverm\u00f6gen<\/h1>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Aufgabenstellung Zentralmatura Deutsch 5. Mai 2022<\/h1>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Gedichtvergleich <\/h1>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Bertolt Brecht und Marie Luise Kaschnitz<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Vorbemerkung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Der folgende Aufsatz geht auch auf ein&nbsp; mit dem Salzburger Germanisten Karl M\u00fcller gef\u00fchrtes Gespr\u00e4ch \u00fcber zwei Texte zur\u00fcck, die bei der Mai-Matura 2022 verglichen werden sollten. Seinen Fachkenntnissen verdanke ich es, dass ich meine Gedanken nachsch\u00e4rfen und L\u00fccken in meiner Argumentation f\u00fcllen konnte. Einige seiner Erkenntnisse und Formulierungen habe ich mit seiner Erlaubnis \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Bei der Darstellung der Unzul\u00e4nglichkeiten dieser Aufgabenstellung verzichte ich auf die Ausarbeitung der Schreibaufgabe 1 (<em>Geben Sie die Inhalte der beiden Gedichte kurz wieder.<\/em>) und der Schreibaufgabe 2 (<em>Analysieren Sie die formale und sprachliche Gestaltung der Gedichte.<\/em>). Auf den&nbsp; Inhalt muss beim sprachlich mehrfach schr\u00e4g formulierten &nbsp;Schreibauftrag 3 im Rahmen des Vergleichs (<em>Deuten Sie die beiden Gedichte vergleichend im Hinblick auf die Beziehung zwischen Mensch und Natur<\/em>.) sowieso eingegangen werden, und zwar genauer als das beim ersten, der ihn \u201ekurz wiedergeben\u201c soll, geschehen kann. Und die Analyse der formalen Qualit\u00e4ten der beiden Texte, auf die, wenn es sinnvoll ist, &nbsp;ein paarmal hingewiesen werden wird, tr\u00e4gt zur Erarbeitung dessen, was in beiden Texte hinsichtlich der \u201eBeziehung zwischen Menschen und Natur\u201c zu vergleichen w\u00e4re, kaum etwas bei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Viele weitere Beispiele f\u00fcr den unprofessionellen Umgang mit auf die Literatur bezogenen Aufgabenstellungen k\u00f6nnen auf meiner Homepage [Anmerkungen zum System der SRDP \/ Vorschl\u00e4ge zu seiner Verbesserung&nbsp; 2022] und in der Online-Ausgabe meines Lehrwerkes Deutschmatura <em>jetzt<\/em> (H\u00f6lzel Verlag 2021 S. 169) nachgelesen werden. Es ist schwer auszumachen, welcher Mangel schwerer wiegt: die vielfach nachgewiesene Unf\u00e4higkeit&nbsp; zu verstehen, &nbsp;worum es in einem literarischen Text geht, oder das &nbsp;&nbsp;auf Trivialisierung hinauslaufende Verst\u00e4ndnis literarischer Texte, wonach &nbsp;diese auch unter Au\u00dferachtlassung ihrer Kontextbedingungen und Bedeutungsdimensionen bearbeiten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Zum Haupttermin des Schuljahres 2021\/2022 am 5. Mai 2022 sollten die folgenden zwei \u201eJahreszeiten\u201c-Gedichte im Hinblick auf die Beziehung zwischen Mensch und Natur&nbsp; verglichenwerden:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1335\" height=\"1029\" src=\"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/screenshot-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-640\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die Kommunikationssituation beim Text von Brecht stellt sich so dar: Eine nicht n\u00e4her identifizierbare Person, sie spricht \u00fcber das Personalpronomen <em>wir <\/em>f\u00fcr alle ihre Zeitgenossen, macht sich Gedanken \u00fcber die Beziehung und den Zugang von uns Menschen zur Natur.&nbsp; Dieser habe sich&nbsp; im Laufe der von der durch Stahlproduktion und Petrochemie vorangetriebenen und auf die Lebensf\u00fchrung von uns Menschen ausstrahlenden Industrialisierung grundlegend ver\u00e4ndert. \u201eLange\u201c vor dem Einsetzen dieser Prozesse (V 1; eine genauere Datierung gibt der Text zwar nicht her, aber mitgemeint d\u00fcrfte der sp\u00e4testens seit dem 19. Jahrhundert beschleunigte Prozess der Ver\u00e4nderung zwischen den Produktionsverh\u00e4ltnissen und Produktivkr\u00e4ften des Menschen sein) sei das \u201eFr\u00fchjahr\u201c von uns Menschen angesichts der Innovationsgewissheit und -dynamik der Naturvorg\u00e4nge noch gefeiert worden. Von dieser ehemals (auf verschiedenste Weise) \u201egefeierten Jahreszeit\u201c (V 11) w\u00fcrde man heute (1928 zur Zeit, als das Gedicht geschrieben worden ist) nur mehr in B\u00fcchern lesen k\u00f6nnen (V 10).&nbsp; Einen Abglanz des in fr\u00fcheren&nbsp; Zeiten (angeblich)&nbsp; unmittelbaren Naturerlebens \u201eFr\u00fchjahr\u201c (\u201eunaufhaltsam und heftig gr\u00fcnende B\u00e4ume [\u2026]Verl\u00e4ngerter Tage \/ Helleren Himmels \/ \u00c4nderung der Luft [\u2026] ber\u00fchmte [\u2026] Schw\u00e4rme der V\u00f6gel (V 4, 6-8) k\u00f6nne&nbsp; das \u201eVolk\u201c (V 16) nur mehr insofern erfahren, als es&nbsp; diesen herrlichen Fr\u00fchling \u201esitzend in Eisenbahnen\u201c (V 15)&nbsp; im Vor\u00fcberfliegen der Landschaft wahrnimmt. Entfremdung also angesichts solch technologischer und &#8211; wohl mitgemeint &#8211;&nbsp; industrieller Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse der \u201eNatur\u201c. Als Quintessenz dieser Ver\u00e4nderung in der Beziehung des Menschen zur Natur &nbsp;wird&nbsp; am Ende des Textes&nbsp; das Ersetzen des nicht mehr stattfindenden \u201eunmittelbaren\u201c Naturerlebnisses durch das blo\u00dfe Registrieren von Naturprozessen durch Messapparate herausgearbeitet (St\u00fcrme, die nur mehr unsere Antennen ber\u00fchren, V20f). Brechts Text fokussiert also &#8211; &nbsp;in leicht ironisierendem und zugleich leise melancholisch-wehm\u00fctigem Tonfall &#8211; die epochalen Folgen des Prozesses der ausbeuterischen Moderne auf die Wahrnehmung der Menschen (V 15, 22).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Festgehalten werden muss insbesondere Folgendes: F\u00fcr dieses \u201eWir\u201c, Bertolt Brecht wird Anteil an ihm haben, ist die Beziehung von uns Menschen zur Natur etwas, das in Abh\u00e4ngigkeit von Arbeits- und Wirtschaftsprozessen gedacht und kritisch, auch ein bisschen wehm\u00fctig (V 10: Noch lesen wir in&nbsp; B\u00fcchern; V 12f: die schon lange nicht mehr gesichteten ber\u00fchmten Schw\u00e4rme der V\u00f6gel) verfolgt wird. Brechts prosanahes Gedicht hat einen essayistischen Tenor: Denn die von Brecht gemachte Beobachtung \u00fcber den bedauerlichen Zustand der modernen Welt wird nicht in Form eines den herk\u00f6mmlichen lyrischen Verfahrensweisen entsprechenden Textgebildes mitgeteilt (keine Strophen und Reime; Assonanzen V 16 und&nbsp; insgesamt &nbsp;rhythmischer Fluss nicht ausgeschlossen), sondern in Form thesenhaft hingestellter Behauptungen. Da sind Auswirkungen auf eine neue, vielleicht sogar ironisierende Bedeutung des Jahreszeiten-Begriffes Fr\u00fchjahr (so im Titel) nicht ausgeschlossen, wenn damit eine erst anhebende Epoche des menschlichen Fortschritts konnotiert wird, n\u00e4mlich&nbsp; die einer prek\u00e4ren Moderne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wie die Beziehung von den Zeitgenossen, in deren Namen Brecht spricht, oder gar die des&nbsp; in den Z\u00fcgen in die Fabriken zur Arbeit anrollenden&nbsp; Volkes zur Natur tats\u00e4chlich &nbsp;aussieht, dazu gibt der Text allerdings nichts her. Das d\u00fcrfte aber auch nicht die Absicht des Autors gewesen sein. Brecht k\u00fcmmerte sich offensichtlich nicht um eine empirische, sozialgeschichtlich oder ethnologisch fundierte bzw. nachweisbare Beschreibung jenes angeblich unmittelbaren bzw. noch nicht entfremdeten,&nbsp; wom\u00f6glich sogar naturgegebenen Naturerlebens vor der in grauer Vorzeit einsetzenden Industrialisierung. Brecht r\u00fcckt anderes in den Mittelpunkt: Die jahreszeitlich Bedeutung des Fr\u00fchjahrs wird, so der Salzburger Germanist Karl M\u00fcller,&nbsp; \u00fcberlagert von einem anderen \u201eFr\u00fchjahr\u201c, n\u00e4mlich der anbrechenden \u201eEpoche der gef\u00fchls- und bewusstseinsm\u00e4\u00dfigen Natur- und Wahrnehmungsentfremdung im Zuge blinden Moderne- und Fortschrittwahns und Zivilisationsfetischismus\u201c. Insofern k\u00f6nne man Brechts Prosagedicht nicht nur als fr\u00fchen sprachkritischen poetischen Beitrag &#8211; Stichwort \u201eFr\u00fchjahr\u201c &#8211; lesen, sondern im Kontext seiner sich gerade im Verlaufe der 1920er Jahre formierenden materialistischen Gesellschaftsauffassung auch als ein Warngedicht vor den Folgen blinder, letztlich feindlicher Naturausbeutung. Seine Sensibilit\u00e4t f\u00fcr epochale Umbr\u00fcche zeige sich in den letzten vier Verszeilen (V. 19 \u2013 22), wenn er die weiterhin nicht sistierte und virulente Natur und die sich zur Vorherrschaft aufschwingende Zivilisation mit kritisch beobachtendem Blick zusammenf\u00fchrt und dabei das \u201eWir\u201c nicht aus seiner Verantwortung entl\u00e4sst: \u201eIn gro\u00dfer H\u00f6he freilich \/ Scheinen St\u00fcrme zu gehen: \/Sie ber\u00fchren nur mehr \/ Unsere Antennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Studenten und Studentinnen der Germanistik m\u00f6gen auf dem Level eines Proseminars unter fachkundiger Anleitung und dem Angebot der Sekund\u00e4rliteratur mit der Komplexit\u00e4t dieses Textes zurechtkommen, Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen mit dem Wissen \u00fcber Literaturgeschichte und Literaturtheorie einer Maturaklasse k\u00f6nnen das nicht. Die in der Info-Box&nbsp; zu Bertolt Brecht als \u201eHilfestellung\u201c gedachte Auskunft \u201edeutscher Schriftsteller\u201c (1898 \u2013 1956) ist schlichtweg erb\u00e4rmlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">\u201eDer Mensch\u201c, nach dessen Naturbeziehung im Gedicht von Kaschnitz gefragt wird, ist ein lyrisches Ich, das die \u201eErde\u201c (V 1, 9, 21) in seiner erinnerten Erscheinung im Monat \u201eJuni\u201c besingt. Anders als bei Bertolt Brecht 1928, bei dem das angeblich unmittelbare Naturerleben der Menschen bereits in die Vergangenheit ger\u00fcckt ist und das \u201eFr\u00fchjahr\u201c als \u201egefeierte Jahreszeit\u201c nur mehr als Bericht dar\u00fcber in B\u00fcchern aufscheint, kennt das lyrische Ich bei Kaschnitz eine solche Naturfeier noch selbst &#8211; im Zeichen der Sch\u00f6nheit. \u201eSch\u00f6n\u201c, so lautet das erste Wort dieses bis auf das Fehlen des Reimes formal traditionellen Gedichtes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Um eine Naturfeier handelt es sich bei Kaschnitz allerdings nicht in jenem platten Sinn, dass sich dieses lyrische Ich im Naturraum auf enthusiastische Weise verhalten w\u00fcrde (z. B. barfu\u00df \u00fcber eine Wiese tanzen, sinnentrunken an Blumen riechen, starke Allverbundenheitsgef\u00fchle erleben, wie es etwa die traditionelle Bukolik seit der Antike zeigt). Stattdessen ist &#8211; in allen Strophen und in fast allen Verszeilen &#8211; von einer einzigartigen und starken Erinnerung an ein \u00fcberw\u00e4ltigendes Sch\u00f6nheitserlebnis die Rede, das &#8211; mit R\u00fcckgriff auf die Bildbest\u00e4nde der Rhetorik &#8211; &nbsp;gekonnt nachgestaltet wird. Also ein Lobpreis der Sch\u00f6nheit dieses Planeten im Kleinen und Gro\u00dfen, zu dem Kaschnitz, wie sich das offenbar f\u00fcr ihr Selbstverst\u00e4ndnis als Lyrikerin geh\u00f6rt, alles aufbietet, was an Sch\u00f6nem nur zu haben ist,&nbsp; dabei&nbsp; die irdischen Bez\u00fcge transzendiert&nbsp; und sich auch der Magie&nbsp; der kosmischen Bez\u00fcge \u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">W\u00e4hrend bei Brecht das Fr\u00fchjahr als gefeierte Jahreszeit nur mehr als Bericht dar\u00fcber&nbsp; in B\u00fcchern aufscheint, ist das angeblich seiner&nbsp; Generation verloren gegangene unmittelbare Naturerleben von Marie Luise Kaschnitz, die ihr Gedicht zwischen 1932 und 1937 in&nbsp; Ostpreu\u00dfen geschrieben&nbsp; hat, also etwas sp\u00e4ter als Brecht,&nbsp; bestens bezeugt. Laut einer von Ute Andresen in ihr&nbsp; Buch&nbsp;&gt;Versteh mich nicht so schnell, Gedichte lesen mit Kindern&lt;&nbsp; (1992) aufgenommenen&nbsp; Selbstaussage von Kaschnitz war die Autorin in ihren Jahren in K\u00f6nigsberg \u201evon der Natur bis zur Besessenheit anger\u00fchrt worden [\u2026]\u201c (zitiert nach: Robert Gernhardt,&nbsp;aus&nbsp;Marcel Reich-Ranicki (Hrsg.):&nbsp;Frankfurter Anthologie<em>.<\/em>&nbsp;Sechzehnter Band, Insel Verlag, 1993).&nbsp; Naturerlebnisse dieser Intensit\u00e4t m\u00fcssen wohl der kreative Kontext f\u00fcr das Jahreszeiten-Gedicht <em>Juni<\/em> gewesen sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Dem Gedicht selbst l\u00e4sst sich allenfalls entnehmen, dass sie jenem Erlebnis, das sie j\u00fcngst gehabt hat (V 1), Ausdruck verliehen hat. Das, was sie dabei ausdr\u00fcckt, ist die in sprachlich-literarische Form gebrachte Erinnerung daran. Von Interesse ist auch, dass die Autorin in ihrem Gedicht auf den Reim verzichtet, obwohl gerade der Reim traditionell als klanglicher Sch\u00f6nheitsschmuck eines poetischen Gebildes galt, vielleicht aus dem Gesp\u00fcr heraus, dass sie diesen Zusatz f\u00fcr ihren Sch\u00f6nheitshymnus gar nicht braucht. Eine Aussage \u00fcber DIE Beziehung des Menschen zur Natur l\u00e4sst der Text \u00fcberhaupt nicht zu, au\u00dfer dass das Gedicht die vergegenw\u00e4rtigte einzigartige Sch\u00f6nheits-Faszination <em>eines<\/em> Menschen mitteilt und dies in zahlreichen Bildern, die das Sch\u00f6ne der Erde imaginieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die Aufgabensteller verkennen also den thematischen Schwerpunkt beider Texte. Wie weit sie davon entfernt sind, kann man an ihren Kommentaren zu den beiden Gedichten nachlesen, die auf der Homepage des Ministeriums (<a href=\"http:\/\/www.srdp.at\">www.srdp.at<\/a>)&nbsp; eingesehen werden k\u00f6nnen. Da die mit der Beurteilung der Maturaarbeiten&nbsp; beauftragten Lehrer und Lehrerinnen an den Schulen die Texte von Brecht und Kaschnitz (genauso wie die Maturanten und Maturantinnen) am Tag der Matura zum ersten Mal zu Gesicht bekommen, sind sie f\u00fcr die Kollegenschaft eine willkommene erste Orientierung f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Texte und der Aufgabenstellung. Da wiegt es dann um so schwerer, wenn die Kommentare &nbsp;bei allen drei Schreibauftr\u00e4gen eine falsche Spur legen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Gem\u00e4\u00df der Konzeption der Zentralmatura Deutsch stellt das Ministerium den Maturanten und Maturantinnen relativ ausf\u00fchrliche Texte (sogenannte Textbeilagen) zur Verf\u00fcgung, auf die sie sich beziehen, deren Inhalt sie aufgreifen und mit dem sie sich auseinandersetzen m\u00fcssen, damit auf diese Weise Leserbriefe, Er\u00f6rterungen, Kommentare und sogenannte Meinungsreden entstehen. Viel zu oft besteht die Leistung der Kandidaten und Kandidatinnen dann in nichts anderem als im geschickten Paraphrasieren von bereits vorgegebenen Inhalten. Auf eine solche Hilfestellung m\u00fcssen die Kandidaten und Kandidatinnen verzichten, die sich eines literarischen Textes annehmen. Denn der ihnen vorgelegte Kurzprosatext, das Gedicht oder die Dramenszene ist f\u00fcr das Schreiben der Interpretation schon die ganze Textbeilage. In der sogenannten Info-Box gibt es freilich noch l\u00e4cherlich knappe und triviale Ausk\u00fcnfte \u00fcber die Lebensdaten des Autors, der Autorin und deren Nationalit\u00e4t, und allenfalls werden Erkl\u00e4rungen zu Begriffen im literarischen Text angeboten, von denen angenommen wird, dass sie au\u00dferhalb des Erfahrungshorizonts der Sch\u00fclerschaft liegen. &nbsp;Informationen aus der Sekund\u00e4rliteratur oder vergleichbaren Quellen, die den Zugang zu einer Interpretation erleichtern, vergleichbar den zur Verarbeitung angebotenen Textbeilagen aus den Medien, wie das &nbsp;f\u00fcr das Abfassen von Leserbriefen, Er\u00f6rterungen, Kommentaren und sogenannten Meinungsreden selbstverst\u00e4ndlich ist: Fehlanzeige. Dahinter steht das Dogma, dass eine Interpretation auf Maturaniveau auch dann &#8211; sinnvoll, wie man glaubt &#8211;&nbsp; erarbeitet werden kann, wenn die Befassung mit dem literarischen Text ohne den Bezug auf&nbsp; seine Entstehungsbedingungen (des Autors, der Epoche usw.), also ohne literaturgeschichtliches und literaturtheoretisches Wissen angegangen wird. Dass auf diese Weise die Dimensionen literarischer Texte unzul\u00e4ssig verk\u00fcrzt und der Umgang und die Auseinandersetzung mit Literatur trivialisiert werden, ficht die diesem Glaubenssatz verpflichteten Didaktiker, die eine solche Konzeption der Textinterpretation zu verantworten haben, nicht an. Sie sind der Auffassung, dass sie durch die Zurverf\u00fcgungstellung der&nbsp; Operatoren (den nur minimalistisch definierten Schreibauftr\u00e4gen, die sinnvoll zu handhaben erst&nbsp; der Kollegenschaft an der Basis \u00fcberlassen worden ist) und den Formatierungsvorgaben, die bewirken, dass jeder Text von Bregenz bis Wien zur Konfektionsware von der Strange wird, schon alles geleistet haben. Konsequent ist es&nbsp; dann auch, wenn die Auswahl von literarischen Texten, zu denen &nbsp;eine Textinterpretation geschrieben werden soll, von dem Grundsatz bestimmt ist, die Sch\u00fcler:innen nach M\u00f6glichkeit mit Texten zu konfrontieren, die sie in ihrem Deutschunterricht noch nie gesehen haben. Das Handwerkszeug f\u00fcr eine solche triviale Form der &nbsp;Interpretation hat man ihnen beigebracht, Literaturgeschichte und Literaturtheorie muss nicht zur Matura mitgebracht werden, daher ist auch keine Hilfestellung von Informationen aus der Sekund\u00e4rliteratur oder \u00e4hnlichen Quellen erforderlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Was Brecht betrifft, so stellt sich die Sachlage folgenderma\u00dfen dar. Ohne eine solche Hilfestellung, was, wie gesagt, die Aufgabensteller (die sogenannten item writer ) grunds\u00e4tzlich ausschlie\u00dfen, stellt sein dichter Text eine enorme interpretative Herausforderung dar f\u00fcr jeden und jede, die zum ersten Mal mit ihm konfrontiert wird und noch nie etwas mit ihm zu tun hatte, was ja fatalerweise zur Ideologie der schriftlichen Zentralmatura geh\u00f6rt, und Maturanten und Maturantinnen in ihrer Pr\u00fcfungssituation \u00fcberfordert. Wie sollen sie&nbsp; ohne Informationen \u00fcber einige produktions- und publikationsrelevante Kontexte auf eine tragf\u00e4hige Interpretationsspur kommen? Die Bearbeitung dieses Gedichtes muss flach bleiben, wenn man zum Beispiel nichts dar\u00fcber wei\u00df,&nbsp; dass in der von den item writern zitierten Ausgabe der Brecht-Gedichte nur zwei Seiten weiter das Gedicht <em>700 Intellektuelle beten einen \u00d6ltank an<\/em> abgedruckt ist. Dieser Text wurde zum ersten Mal in der Satire-Zeitschrift Simplicissimus abgedruckt, der f\u00fchrenden Satire-Zeitschrift der 20er Jahre, und geh\u00f6rt inzwischen zum Kanon der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. In ihm gei\u00dfelt Brecht die quasi-religi\u00f6se Inbrunst, mit der die Technik des kapitalistischen Aufschwungs der 20er Jahre in der <em>Neuen Sachlichkeit<\/em> verteidigt wird (so Jan Knopf im Brecht-Handbuch Lyrik, Prosa, Schriften, S. 69); so dass Brechts Text <em>\u00dcber das Fr\u00fchjahr<\/em> (1928) gleichsam als Vorl\u00e4ufer gelesen werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Analoges gilt f\u00fcr das Gedicht von Marie Luise Kaschnitz. Auch hier ist die Fragestellung, die den Maturanten\/innen zugemutet wird &nbsp;&#8211; \u201eim Hinblick auf die Beziehung zwischen (sic!) Mensch und Natur\u201c &#8211; &nbsp;mehr als fragw\u00fcrdig. Auch bei Kaschnitz geht es nicht vorab um diese Dimension, sondern um die sprachlich-literarische Vermittlung der erinnernden Vergegenw\u00e4rtigung eines sch\u00f6nheitstrunkenen, aus jeglicher Kontinuit\u00e4t der Erfahrung herausgenommenen Augenblickerlebnisses. Die Fragestellung schrammt erneut an dem sogenannten Analyseobjekt poetischer Text vorbei. Es geht eben nicht pauschal um die \u201eBeziehung zwischen Mensch und Natur\u201c [wohl besser: \u201eBeziehung des Menschen zur Natur\u201c], sondern offensichtlich um ein Menschenwesen der europ\u00e4ischen Welt am Meer, das anonym bleibt und in diesem Fall wohl ganz eng mit der Erfahrungswelt der Autorin selbst verquickt ist, das sich motiviert f\u00fchlt, diese Erfahrung &#8211; ganz in der Tradition der literarischen Beschw\u00f6rungen von Natursch\u00f6nheit seit der Antike als Gegensatz zur Prosa des Alltags &#8211; mitzuteilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Zusammengefasst stellt sich somit die Frage, was da im Bildungsministerium im Rahmen der so ger\u00fchmten Evaluierungsschleifen, welche die handwerkliche Qualit\u00e4t der Aufgabenstellungen garantieren sollen, eigentlich geleistet wird. Den inhaltlichen Kern und den thematischen Schwerpunkt literarischer Texte zu verstehen, w\u00e4re wohl das Mindeste, was man von Germanisten, die es an die Spitze einer Abteilung im Ministerium gebracht haben, erwarten darf.<\/p>\n\n\n<h2>\u00a0<\/h2>\n<h1>Anmerkungen zum System der SRDP\u00a0<\/h1>\n<h1>Vorschl\u00e4ge zu seiner Verbesserung<\/h1>\n<hr \/>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"> geschrieben 2021 (Kurzfassung <em>ide<\/em> 2022, Heft 1,S.122f.)<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Im Mai 2013 haben zum ersten Mal AHS-Abschlussklassen auf freiwilliger Basis an der &nbsp;Zentralmatura teilgenommen, seit dem Schuljahr 2014\/15 schreiben alle AHS-Sch\u00fcler:innen, ein Jahr sp\u00e4ter (2015\/16) auch die der BHS und seit Mai 2017 auch die Teilnehmer:innen der Kurse f\u00fcr die Berufsreifepr\u00fcfung und Lehre mit Matura &nbsp;die schriftliche Reifepr\u00fcfung nach dem System der standardisierten Zentralmatura Deutsch. In diesen Jahren sind &nbsp;von den Aufgabenstellern\/innen auf die anf\u00e4nglich neun, 2017\/18 auf sieben reduzierten Textsorten verschieden verteilt, insgesamt 132 Aufgabenstellungen (Stand 13. 1. 2022) formuliert und von der Lehrerschaft beurteilt worden. Zu einigen Aspekten der Standardisierung sind immer wieder einmal kritische Anmerkungen gemacht worden, die auch von den Medien aufgegriffen worden sind. Auf jeden Fall haben sich seither &nbsp;&nbsp;viele Erfahrungen angesammelt, anhand derer man die Qualit\u00e4t des Systems der SRDP in der derzeitigen Form diskutieren sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Meine Stellungnahme, die auf den Erfahrungen im Umgang mit den Reifepr\u00fcfungen vor und nach der Einf\u00fchrung der SRDP beruhen und zu einem Lehrbuch im H\u00f6lzel Verlag (Deutschmatura <em>jetzt<\/em> 2021; print und online) gef\u00fchrt haben, geht erstens davon aus, dass das Ministerium derzeit am System der vielfachen Formatierungen und der verpflichtenden Bearbeitung von Textbeilagen festhalten wird, auch an einem Verst\u00e4ndnis von Literatur, das die schriftliche Auseinandersetzung mit ihr trivialisiert, indem es den poetischen Text mit seinen&nbsp;&nbsp;&nbsp; vielfachen Bedeutungsdimensionen ohne jeden Kontextbezug bearbeiten l\u00e4sst. Sie geht zweitens aber auch davon aus, dass sich an diesem System manches verbessern l\u00e4sst und verbessert werden muss, wenn die Konzeptoren der SRDP ihren eigenen Anspr\u00fcchen gerecht werden wollen.<strong> <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"> A Anmerkungen zu den Textsorten  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"> B Anmerkungen zur Handhabung der Operatoren im Kontext der Schreibauftr\u00e4ge <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"> C Anmerkungen zur Themenauswahl; Folgen der Formatierungen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"> D Vorschl\u00e4ge, wie eine reformierte SRDP zu mehr Selbstt\u00e4tigkeit f\u00fchren k\u00f6nnte<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>A Anmerkungen zu den Textsorten <\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Textsorte \u201eZusammenfassung\u201c <\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>1.1. Definition<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Das Ministerium definiert die \u201eZusammenfassung\u201c als eine Textsorte, die auf die <em>Komprimierung einer (oder mehrerer) Textbeilage\/n <\/em>[\u2026] gerichtet ist. Ihr Zweck wird in der <em>Wiedergabe von relevanten Informationen und der logisch-sachlichen Struktur<\/em>* <em>unter vorgegebenen Gesichtspunkten** <\/em>gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">*Die logisch-sachliche Struktur einer Textbeilage kann (muss aber nicht) nach dem Muster der klassischen Zusammenfassung ber\u00fccksichtigt werden. Die \u201cWiedergabe\u201c von Ordnungsgesichtspunkten sollte freilich nicht die Qualit\u00e4t einer Textanalyse annehmen, sondern sich&nbsp; auf das Allernotwendigste f\u00fcr einen \u00dcberblick beschr\u00e4nken. Bei den Aufgabenstellungen der SRDP musste noch bei keiner einzigen Matura (Stand 13. 1. 2022) die logisch-sachliche Struktur <em>wiedergegeben<\/em> werden. Diese Aufgabe darf man getrost der Textanalyse \u00fcberlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">** Was in der Definition des Ministeriums mit dem Satzteil <em>unter vorgegebenen Gesichtspunkten <\/em>verstanden werden soll, ist unklar. <\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>zu 1.1.&nbsp; Anmerkungen:<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">1.1.1. Diese Textsortenbestimmung\nverlangt etwas, was beides zusammen nicht erreicht werden kann. Das\nKomprimieren einer Textbeilage und das Wiedergeben relevanter Informationen\nschlie\u00dfen einander aus. Die Wiedergabe ist\ndas Gegenteil einer Verdichtung (siehe 1.2.2.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">1.1.2. Bei den Aufgabenstellungen im Rahmen der SRDP\nrichtet sich das Erkenntnisinteresse der Aufgabensteller nicht auf die gesamte\nBreite des Inhaltes der Textbeilage, sondern auf Aspekte, die sie selbst f\u00fcr\nrelevant halten.&nbsp; Eine \u201eZusammenfassung\u201c,\ndie \u00fcber die Befolgung der Schreibauftr\u00e4ge der SRDP entsteht, kann daher keine\nVerdichtung (kein Komprimieren) der gesamten Textbeilage sein. F\u00fcr die Sch\u00fcler:innen\nbedeutet das: Sie m\u00fcssen andere inhaltliche Aspekte der Textbeilage als die von\nden Schreibauftr\u00e4gen erfassten bei Seite lassen (k\u00f6nnen).<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>1.2. Bei den Schreibauftr\u00e4gen der SRDP zur \u201eZusammenfassung\u201c werden regelm\u00e4\u00dfig die Operatoren <\/strong><em><strong>beschreiben<\/strong><\/em><strong> und <\/strong><em><strong>wiedergeben <\/strong><\/em><strong>eingesetzt.<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">1.2.1.&nbsp; Bei der&nbsp; Schreibhandlung <em>beschreiben <\/em>geht es darum, dass &nbsp;sich &nbsp;Leser:innen der \u201eZusammenfassung\u201c ein Bild von einem Objekt machen k\u00f6nnen. Beschreibungen sind mit anderen Worten nichts anderes als verbale Ersatzmittel f\u00fcr Bilder, Filme und Vorf\u00fchrungen. Wenn die Beschreibung den Gegenstand identifizierbar machen soll, wird das sicher nicht \u00fcber ein Komprimieren erreicht. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">1.2.2. Das\nGleiche gilt f\u00fcr den Operator <em>wiedergeben.<\/em> Das Wesentliche dieser\nSchreibhandlung besteht in der inhaltlich\nunver\u00e4nderten, sprachlich kenntlich gemachten \u00dcbertragung bestimmter Informationen\naus der Textbeilage in den &nbsp;neuen\nZusammenhang der \u201eZusammenfassung\u201c. Eine solche Wiedergabe&nbsp; ist das Gegenteil einer Verdichtung.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>1.3. Die \u201eZusammenfassung\u201c der SRDP ist eine Textsorte sui generis.<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">In der Realit\u00e4t der\nAufgabenstellungen mutiert die als Zusammenfassung bezeichnete Textsorte der SRDP\ndemnach zu einer Textsorte sui generis. Die so entstandene neue Textsorte\nk\u00f6nnte die Bezeichnung &gt;<strong>Auftragsgem\u00e4\u00dfe Zusammenstellung von Informationen\naus Textbeilagen<\/strong>&lt; erhalten. Der Einleitungsteil dieser Textsorte sui\ngeneris muss allerdings nach wie vor wie eine traditionelle Zusammenfassung\ngestaltet werden, also auf den Titel, den&nbsp;\nAutor\/die Autorin, das Medium und auch den Kern des Textes Bezug nehmen.\nZu diesem&nbsp; geh\u00f6ren oft mehrere\ninhaltliche Aspekte einer Thematik, die angetippt werden m\u00fcssen, wenn der\nAnspruch der \u00fcberblicksweisen Orientierung \u00fcber den Inhalt eines Textes\neingel\u00f6st werden soll.&nbsp;&nbsp;&nbsp; Im Hauptteil\nder \u201eZusammenfassung\u201c bzw. der <strong>auftragsgem\u00e4\u00dfen Zusammenstellung von\nInformationen <\/strong>bleiben sie dann unber\u00fccksichtigt, weil die Schreibauftr\u00e4ge\neben andere inhaltliche Aspekte favorisieren.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>1.4. Streichen der \u201eZusammenfassung\u201c aus dem Kanon?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Im Hinblick darauf, dass bei allen\nTextsorten als Basis f\u00fcr die weitere Bearbeitung der Schreibauftr\u00e4ge ebenfalls\ndie Operatoren <em>beschreiben<\/em> und <em>wiedergeben <\/em>(von etwas in der\nTextbeilage) eingesetzt werden, womit die mit der \u201eZusammenfassung\u201c\nvergleichbare&nbsp; auftragsgem\u00e4\u00dfe\nZusammenstellung von Informationen verlangt wird, muss die Frage gestellt\nwerden, ob man die Sonderstellung der \u201eZusammenfassung\u201c als eigene Textsorte\nrechtfertigen kann.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>1.5. Operator <\/strong><em><strong>erschlie\u00dfen<\/strong><\/em><strong> hat bei keiner Zusammenfassung etwas verloren.<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Neunmal bei bisher 21 \u201eZusammenfassungen\u201c (Stand 13. 1. 2022) ist als\n3. Operator der Schreibauftrag <em>erschlie\u00dfen\n<\/em>erteilt worden. Der Festlegung des Ministeriums zufolge geht es dabei darum<em>, etwas nicht explizit Formuliertes aus\neinem Text zu ermitteln und darzulegen. <\/em>Das bedeutet, dass das, was da erschlossen wird, dem Maturanten\/der\nMaturantin zugerechnet werden muss und nicht dem Autor des Textes, der \u201ezusammengefasst\u201c\nwird. Dieses <em>Erschlie\u00dfen<\/em> widerspricht daher dem, was das Ministerium\nf\u00fcr seine Muster-Zusammenfassung festgelegt hat: eben keine eigenen\n\u00dcberlegungen und Schlussfolgerungen. M\u00f6glicherweise nimmt das Ministerium, weil sich diese\nSchieflage herumgesprochen hat, davon Abstand und verzichtet auf den Operator <em>erschlie\u00dfen<\/em> bei der \u201eZusammenfassung\u201c. Darauf weisen die letzten Auftr\u00e4ge bei den\n\u201eZusammenfassungen\u201c hin, welche diesen Operator &nbsp;nicht mehr eingesetzt haben. Eine Klarstellung\nseitens des Ministeriums w\u00e4re gut.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>1.6. F\u00fcr das Gesamtverst\u00e4ndnis erforderliches Bildmaterial mitgeben<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wenn Maturanten und Maturantinnen bei einer Aufgabenstellung die Besonderheiten der &nbsp;Fotografie von Simon Norfolk und seine Intentionen <em>wiedergeben<\/em> sollen (Termin 7. 5. 2019), m\u00fcsste ihnen, damit sie sich eine gute Vorstellung von den von ihm fotografierten Kriegslandschaften machen k\u00f6nnen, speziell von der &nbsp;vor den Toren Bagdads,&nbsp; auch ein Bild dazu &nbsp;vorgelegt werden &nbsp;und nicht nur die blo\u00dfe Textinformation, was auf diesem Bild zu sehen ist. Ein solches Bild in der Textbeilage ist ihnen nicht zur Verf\u00fcgung gestellt worden. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>2. Textsorte Leserbrief<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><\/h3>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>2.1. Systemfehler<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die Aufgabenstellungen beim Leserbrief leiden an einem Systemfehler, der mit der langen Vorlaufzeit zu tun hat, bis aus einem Aufgabenvorschlag aus der Lehrerschaft wirklich eine vom Ministerium abgesegnete Themenstellung wird (oft mehr als zwei Jahre).&nbsp; Die Kandidaten und Kandidatinnen sollen bei den bisher 19 zu schreibenden Leserbriefen (Stand 13. 1. 2022) auf einen Text aus den Medien reagieren, der, gleich ob in der Printausgabe oder im Netz, zeitlich sogar bis zu drei Jahre, beim Maturatermin 17. 9.&nbsp; 2020 sage und schreibe sechs (!) Jahre zur\u00fcckliegt. Das ist eine Situation, in der weder ein B\u00fcrger\/eine B\u00fcrgerin auf einen nicht mehr aktuellen Anlass mit einem Leserbrief Bezug nimmt noch eine Redaktion einen Leserbrief, wenn sie einen solchen erhalten w\u00fcrde, ber\u00fccksichtigen wird. In der derzeitigen Form der Aufgabenstellung m\u00fcsste ein Leserbriefschreiber\/eine Leserbriefschreiberin im Einleitungsteil auf diese Besonderheit aufmerksam machen und die versp\u00e4tete Stellungnahme mit dem Hinweis begr\u00fcnden, dass die im Medium berichtete Thematik immer noch oder schon wieder eine aktuelle ist, die eine Bezugnahme auch nach Jahren rechtfertigt. Das Gleiche gilt f\u00fcr die Leserreaktion auf einen Online-Artikel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Bez\u00fcglich der Online-Ausgaben von\nTextbeilagen, zu denen ein \u201cLeserbrief\u201c geschrieben werden soll, m\u00fcssten die\nAufgabensteller folgende Umst\u00e4nde ber\u00fccksichtigen: Die Zeitungen bieten\nheutzutage Zusatzinformationen zur Printausgabe online an, die sie dort aus\nPlatzgr\u00fcnden nicht unterbringen k\u00f6nnen. Auch darauf reagieren Leser und\nLeserinnen, allerdings nicht mit den f\u00fcr einen traditionellen Leserbrief\n\u00fcblichen und bei der Matura zu ber\u00fccksichtigenden Formalit\u00e4ten (Kurzform: <em>Ich\nnehme Bezug auf den Artikel vom \u2026 von X, zu dem ich wie folgt Stellung nehme. \u2026<\/em>),\nsondern mit einem Text, der unter Namensnennung des Lesers ohne jede Einleitung\nvon der Zeitung dann an den Online-Artikel angeh\u00e4ngt ins Netz gestellt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Voraussetzung f\u00fcr den Abdruck\neines Leserbriefes in der Printausgabe und daf\u00fcr, dass das Medium eine\nStellungnahme eines Lesers zu einem Online-Zusatzangebot ins Netz stellt, ist demnach\ndie relativ rasche, das hei\u00dft in einem sinnvollen zeitlichen Abstand\nvorgetragene Reaktion des Mediennutzers. Texte, die nach zwei, drei, ja sogar\nsechs Jahren nach ihrer Publikation im Medium publiziert worden sind, haben\nkeine Chance auf ihre Ver\u00f6ffentlichung. Die Aktualit\u00e4t eines Inhaltes, auf den\nBezug genommen wird, ist in der Welt der Medien nur von kurzer Dauer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wie unter diesen Umst\u00e4nden das\nSystem der Aufgabenstellung (traditioneller Leserbrief f\u00fcr die Printversion\noder kommentierender Anhang an einen online publizierten Artikel) ver\u00e4ndert\nwerden muss, damit die Schreibsituation den realen Verh\u00e4ltnissen (Beziehung\nMedium zu seinen Nutzern) entspricht,&nbsp;\nm\u00fcssen die herausfinden, die sich diese Textsorte f\u00fcr die Zentralmatura\nausgedacht haben.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong> 2.2. Nur beim Leserbrief: Bezug zur Textbeilage folgt der \u201eNatur der Sache\u201c<\/strong> <\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Abgesehen von der schwer &nbsp;l\u00f6sbaren Problematik der zu langen Vorlaufzeit ist der Leserbrief die einzige Textsorte, bei der das Eingehen beim ersten Operator auf eine Textbeilage aus den Medien aus der Natur der Sache folgt und nicht wie bei den anderen argumentativen Textsorten eine ziemlich befremdliche Angelegenheit darstellt. Bei der Er\u00f6rterung, dem Kommentar und der Meinungsrede bedarf die Bezugnahme auf die Textbeilage unmittelbar nach dem Einleitungsteil einer speziellen Erkl\u00e4rung, damit f\u00fcr einen Leser \u00fcberhaupt verst\u00e4ndlich wird, warum der Maturant\/die Maturantin das jetzt tut. Ich gehe davon aus, dass Sch\u00fcler\/Sch\u00fclerinnen der Oberstufe einer besonderen didaktischen Unterweisung bed\u00fcrfen (und eine solche Hilfe auch bekommen), wie unter diesen Umst\u00e4nden ein sinnvoller Zusammenhang&nbsp; hergestellt werden kann. Dieser kann ja wohl nicht darin bestehen anzuf\u00fchren, dass er\/sie die Bezugnahme auf die Textbeilage&nbsp; eben auftragsgem\u00e4\u00df so zu erledigen hat.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong> 2.3. Scheinbare Wahlfreiheit bei der Aufgabenstellung vermeiden <\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Im \u00dcbrigen geben die Aufgabensteller:innen den Maturanten\/innen das, was sie in der Auseinandersetzung mit der Textbeilage zu behandeln haben, nat\u00fcrlich vor. Er\/sie ist also fremdbestimmt. Die item writer scheuen aber nicht davor zur\u00fcck, den Maturanten\/die Maturantin in den Glauben zu versetzen, er\/sie k\u00f6nne den Akzent seines\/ihres Leserbriefs selbst bestimmen, also setzen, wie sie wollen. Beim Termin 5. 5. 2014 (Heimatkunde f\u00fcr Kinder in der Fremde) r\u00e4umen sie ihm\/ihr scheinbar diese Freiheit ein, wenn sie beim ersten Operator verlangen <em>Benennen Sie in wenigen S\u00e4tzen die f\u00fcr Sie relevanten Sachverhalte, auf die Sie sich in Ihrem Leserbrief beziehen m\u00f6chten<\/em>, dann aber etwas <em>untersuchen<\/em> (2. Operator) und <em>bewerten<\/em> (3. Operator) lassen, was sich mit seinem\/ihrem Bearbeitungsansatz nicht unbedingt decken muss (vgl. dazu Deutschmatura <em>jetzt<\/em> Seite 43\/2: letzter Link und dort Musterl\u00f6sung Seite 1; gut gel\u00f6st ist das beim Leserbrief-Beispiel zum Termin 18. 9. 2019, weil die einger\u00e4umte Wahlfreiheit f\u00fcr eine Stellungnahme nicht in Konflikt ger\u00e4t mit den beiden anderen Schreibauftr\u00e4gen). <\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>3. Textsorte Kommentar<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong> <\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>3.1. Kommentar nur mehr in kurzer Form (230 \u2013 270) beauftragen? <\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wenn bei bisher 25 Kommentaren (Stand 13. 1. 2022)&nbsp;&nbsp; immerhin zehn in der mittellangen Form (405 \u2013 495 W\u00f6rter; alle anderen 230 \u2013 270) und bei bisher 20 Er\u00f6rterungen (Stand 13. 1. 2022) vier in der mittellangen (16 in der Langform von 540 \u2013 660) aufgegeben werden, muss der Hinweis erlaubt sein, dass sich der Kommentar in der mittellangen Form&nbsp; trotz des f\u00fcr ihn charakteristischen&nbsp; Operators <em>bewerten<\/em> kaum mehr von der mittellangen Er\u00f6rterung &nbsp;unterscheiden wird. Dazu passt die anl\u00e4sslich des Wegfalls der Textsorten Empfehlung und Offener Brief an die Lehrerschaft ergangene Mitteilung des Ministeriums (BMB\/-Newsletter&nbsp; zur SRDP\/BRP vom 26. 9. 2017; Gr\u00fcnde f\u00fcr den Wegfall wurden keine genannt), dass f\u00fcr die Ein\u00fcbung &nbsp;von Textsorten die Kompetenzen, die f\u00fcr die Realisierung einer bestimmten Schreibhandlung erforderlich sind, grundlegender seien als die Textsortenkompetenz. So gesehen spielt es wirklich keine Rolle mehr, welches Textsortenetikett einer Schreibaufgabe vorangestellt wird. Besonders schr\u00e4gt mutet es trotzdem an, wenn bei&nbsp; einem Kommentar in der Kurzversion der Operator <em>sich auseinandersetzen mit<\/em> (19. 9. 2016) eingesetzt wird. Im \u00dcbrigen l\u00e4sst sich die vom Ideal-Kommentar verlangte rhetorische Zurichtung bei der Kurzform leichter bewerkstelligen.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>3.2. Kein <\/strong><em><strong>ich<\/strong><\/em><strong> beim Kommentar?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Geradezu abenteuerlich und f\u00fcr die psychohygienische Entwicklung der jungen Staatsb\u00fcrger:innen deprimierend mutet es an, wenn das Ministerium in paternalistischer Verstiegenheit den Maturanten und Maturantinnen verbietet, beim Kommentar das Personalpronomen <em>ich<\/em> einzusetzen. Genaueres dazu Deutschmatura <em>jetz<\/em>t S. 168.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>3.3. F\u00fcr das Gesamtverst\u00e4ndnis erforderliches Bildmaterial mitgeben<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Eine vergleichbare Problematik wie bei einer Zusammenfassung liegt vor, wenn bei einem Kommentar nicht vorhandenes Bildmaterial (die Privatsph\u00e4re und die Menschenw\u00fcrde verletzende Bilder von Unfalltoten in Printmedien), \u00fcber das in der Textbeilage nur gesprochen wird, als&nbsp; Basis f\u00fcr eine Stellungnahme ausreichen muss (Maturaaufgabenstellung 19. 9. 2016 Themenklammer: Journalistische Verantwortung; Thema: <em>Was d\u00fcrfen Bilder zeigen?<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>4. Textsorte Er\u00f6rterung<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><\/h3>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><\/h3>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.1. Dialektik des Operators <\/strong><em><strong>sich auseinandersetzen mit<\/strong><\/em><strong> aufgeben?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">4.1.1. Seit der Standardisierung und dem Einsatz der Operatoren aus den drei Anforderungsbereichen ist die Dialektik-Variante bei der Er\u00f6rterung praktisch aus den Aufgabenstellungen verschwunden (Stand 13. 1. 2022: 20 Er\u00f6rterungen). Dadurch entsteht eine Diskrepanz der immerhin noch auf Dialektik ausgerichteten Definition der Schreibhandlung <em>sich auseinandersetzen mit\/diskutieren<\/em>, die den Kern der Er\u00f6rterung darstellt, und der Praxis. In den Kommentaren der item writer wird auf die Synthese in dem Schreibabschnitt, in dem die Auseinandersetzung stattfindet, &nbsp;verzichtet, und nur mehr das blo\u00dfe Gegen\u00fcberstellen von positiven und negativen Aspekten sowie \u00e4hnlichen Kategorien verlangt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">4.1.2. Auch die nach der Auseinandersetzung im 2. Schreibabschnitt in den 3. Schreibabschnitt verschobene und mit dem Operator <em>Stellung nehmen<\/em> beauftragte Schreibhandlung kann keine solche Synthese sein, wenn damit ein neuer thematischer Schwerpunkt ins Spiel kommt (Matura vom 18. 9. 2019: K\u00fcnstliche Intelligenz), oder wenn er laut Schreibauftrag sogar dialektisch abzuhandeln w\u00e4re, was seiner Definition nach gar nicht sein d\u00fcrfte (Matura vom 18. 9. 2019: K\u00fcnstliche Intelligenz; Matura vom 3. 5. 2017: Internet im Unterricht). Diese Verschiebungen &nbsp;sind im Lehrwerk &gt;Deutschmatura <em>jetzt&lt; <\/em>(H\u00f6lzel Verlag auf Seite 133 in einer Tabelle zusammengestellt. Zur\u00fcckzuf\u00fchren sind sie&nbsp; auf die Positionen und Argumente aus Textbeilagen, die in die Er\u00f6rterung&nbsp; eingearbeitet werden m\u00fcssen. In der Realit\u00e4t der SRDP r\u00fcckt diese Form der Er\u00f6rterung ziemlich nahe an eine Texter\u00f6rterung heran. Dies umso mehr, je weniger Raum den Maturanten\/innen f\u00fcr die Entfaltung von eigenst\u00e4ndigem Argumentieren geboten wird. Die N\u00e4he zu einer Texter\u00f6rterung erkennt man auch daran, dass der verlangte Operator <em>sich auseinandersetzen mit<\/em> bzw. <em>diskutieren<\/em> auf ein <em>Beurteilen<\/em> der Argumentation\/en in einer Textbeilage hinausl\u00e4uft (Beispiele: Termin 3. 5. 2017 <em>Internet im Klassenzimmer, <\/em>Link auf S 58\/1 Deutschmatura <em>jetzt<\/em>; bzw. Termin 20. 5. 2021 Verzicht auf News? Musterl\u00f6sung in &gt;Deutschmatura <em>jetzt<\/em>&lt; S. 116\/59). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">4.1.3. Es stellt sich die Frage, ob die\nAufgabensteller\/innen bewusst von dem klaren System der dialektischen\nArgumentation Abstand nehmen, weil sich die Er\u00f6rterung damit zweifellos\nleichter bew\u00e4ltigen l\u00e4sst, oder ob sich das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Dialektik beim\nArgumentieren in der jungen Generation der Germanisten und Germanistinnen\naufzul\u00f6sen beginnt. F\u00fcr den Schreibunterricht an den Schulen sollte rasch\ngekl\u00e4rt werden, ob die jetzt erleichterte Form der Er\u00f6rterung als Standard\ngelten kann.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.2. Operator <\/strong><em><strong>diskutiern<\/strong><\/em><strong> nicht mehr verwenden <\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Der zum Operator sich auseinandersetzen mit synonym verwendete Operator diskutieren verst\u00f6\u00dft gegen die Regeln der Verwendung dieses Verbums und sollte gestrichen werden.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.3. Mehr Selbstt\u00e4tigkeit erm\u00f6glichen<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Auf die Problematik, dass Maturanten und Maturantinnen bei Auseinandersetzungen mit Textbeilagen die Argumente f\u00fcr die eine, aber auch die gegenteilige&nbsp; Position zur Verf\u00fcgung gestellt bekommen, wenig Raum vorfinden, eigene \u00dcberlegungen anzustellen, wird in einem separaten Abschnitt eingegangen. Dort werden auch die Textsorten Kommentar und Meinungsrede miterfasst, denn auch bei diesen sollte, jedenfalls wenn es um Argumentieren geht,&nbsp; genauso wie bei der Er\u00f6rterung Maturareife nicht darin bestehen, bereits vorhandenes Gedankengut nur zu paraphrasieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><\/h3>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>5. Textsorte Meinungsrede <\/strong><\/h5>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><\/h3>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><\/h3>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>5.1. Problematik des Begriffs<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Der Begriff Meinungsrede, der nur im Zusammenhang mit der SRDP existiert, sollte reflektiert werden. Das Bestimmungswort <em>Meinung<\/em> im Kompositum ist kein besonders gl\u00fcckliches. Mit diesem Ausdruck &nbsp;wird eine&nbsp; \u00c4u\u00dferung verbunden, der die erforderliche Qualit\u00e4t beim diskursiven Kommunizieren noch abgeht. Aus diesem Grund ist das Verbum <em>meinen<\/em> auch nicht in den Operatorenkatalog aufgenommen worden. Seinen mit ihm ungen\u00fcgend ausgef\u00fcllten Platz nehmen richtigerweise Operatoren wie <em>beurteilen, bewerten, sich auseinandersetzen mit <\/em>oder <em>Stellung nehmen <\/em>ein. Es gen\u00fcgt eben nicht, etwas nur richtig, gut oder schlecht zu finden, man muss schon die M\u00fche auf sich nehmen, seine Position mit nachvollziehbaren Argumenten abzusichern. Daher ist der Begriff <em>Meinungs<\/em>rede, bei der genau diese Absicherung einer blo\u00dfen Meinung im Mittelpunkt steht, nicht besonders gl\u00fccklich gew\u00e4hlt.&nbsp; Er ist bisher auch nicht ins \u00d6sterreichische W\u00f6rterbuch aufgenommen worden (43. Aufl. 2018), auch nicht ins Universalw\u00f6rterbuch der deutschen Sprache der Duden-Redaktion (9. Aufl.). Warum also kann man bei dieser Textsorte nicht beim einfachen Etikett <em>Rede<\/em> bleiben? Die Ausstattung mit rhetorischen Figuren wird ja ohnehin auch bei der Meinungsrede, verlangt. <\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>5.2. \u00dcberzeugen als Ziel der \u201eMeinungsrede\u201c?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Laut Bildungsministerium hat ein Redner\/eine Rednerin auch die Absicht, sein\/ihr Publikum von seiner\/ihrer Meinung zu \u00fcberzeugen. Es gibt bisher freilich keinen Schreibauftrag mit diesem Operator, &nbsp;der etwa so lautet:&nbsp; <em>\u00dcberzeugen Sie Ihr Publikum von der Richtigkeit Ihrer Stellungnahme<\/em>.Und das ist auch gut so. Mit dem \u00dcberzeugen ist das so eine Sache. Nur das <em>Stellungnehmen <\/em>hat der Schreiber\/die Schreiberin selbst in der Hand. Man muss nichts anderes tun als Position&nbsp; beziehen und diese begr\u00fcnden. Tut man dies (in mehreren S\u00e4tzen), dann hat man erfolgreich Stellung genommen. \u201eErfolgreich\u201c hei\u00dft in diesem Fall: Es ist eine Schreibhandlung vorgenommen worden, die von jedem als Stellungnahme identifiziert wird. Was mit einer Stellungnahme bewirkt wird, hat ihr Autor\/ihre Autorin aber nicht in der Hand, auch nicht dann, wenn die zur St\u00fctzung der Position beigebrachten Argumente richtig sind. Die Wirkung der Stellungnahme kann darin bestehen, dass das Publikum (alle, ein paar?) von der Seriosit\u00e4t und&nbsp; Glaubw\u00fcrdigkeit der Argumentation \u00fcberzeugt ist. Man kann als Redner mit dem Motiv sein Publikum zu \u00fcberzeugen zwar anpeilen, hat das Erreichen dieses Ziels aber nie in der Hand. Au\u00dferdem ist es fraglich, ob sich ein Redner\/eine Rednerin dieses Ziel \u00fcberhaupt setzt. Oft gen\u00fcgt es ihm\/ihr, seine\/ihre Position einfach nur vorzutragen. Es ist also gut, dass das \u00dcberzeugen in der Realit\u00e4t der Aufgabenstellungen bei der SRDP als ein m\u00f6gliches Schreibmotiv ausgeklammert bleibt. Als Operator w\u00fcrde es sowieso nicht taugen. <\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>5.3. Situationsvorgaben<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Eine Meinungsrede im Rahmen der SRDP schreiben und halten Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr ein und vor einem physisch realen Publikum, etwa vor Juroren bei einem Redewettbewerb oder Schulveranstaltungen vor Eltern, Lehrkr\u00e4ften, Mitsch\u00fclern und Mitsch\u00fclerinnen, Jugendvertretern der politischen Parteien oder Politikern.&nbsp; Nach dem Gehei\u00df der Situationsvorgaben m\u00fcssen sie aber so tun, als w\u00fcrden sie vor einem solchen Publikum als Redner auftreten. In der Oberstufe haben sie zwar gelernt,&nbsp; dass eine Rede dann offene Ohren findet, wenn sie einen individuellen Zugang zu einer Thematik hat und die Pers\u00f6nlichkeit des Redners\/der Rednerin sp\u00fcrbar wird, wozu auch geh\u00f6rt, dass sie ihre Unterlagen, mit denen sie sich vorbereiten, selbst bestimmen. Aber&nbsp;&nbsp;&nbsp; jetzt bei der schriftlichen Matura&nbsp; m\u00fcssen sie diesen Zugang vergessen, sich in das Korsett der vielen Formatierungsvorgaben einpassen und sich von der Vorstellung nicht st\u00f6ren lassen, dass jetzt alle, die diese Textsorte gew\u00e4hlt haben, nach demselben Schema schreiben und sich auf dieselben Unterlagen (Textbeilagen) st\u00fctzen werden.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">In der Realit\u00e4t, also vor einem\nphysisch anwesenden Publikum, macht es der individuelle Zuschnitt einer Rede\ndem Publikum m\u00f6glich, bei der Sache zu bleiben und mehrere Reden zum selben Thema\nhintereinander aufmerksam zu verfolgen. In der Realit\u00e4t kann man daher keinem\nPublikum der Welt Reden zumuten, die nach demselben Schema verfasst sind und\nbei deren Schriftfassung auf dieselbe Textbeilage eingegangen wird. Bei den vor\neiner fiktiven Zuh\u00f6rerschaft gehaltenen Reden im Rahmen der SRDP sind es nicht\nwirkliche Juroren, Eltern, Mitsch\u00fcler, Politiker usw., denen solche Reden\nzugemutet werden, sondern nur die Lehrkr\u00e4fte, die all diese gleichgeschalteten\nReden bis zur Fadesse begutachten m\u00fcssen. Zu hoffen ist, dass die Maturanten\nund Maturantinnen im realen Leben, wenn sie wieder einmal als Redner ein\nPublikum vor sich haben,&nbsp; den\nFormatierungsunfug schnell&nbsp; vergessen und&nbsp;&nbsp; wieder ihrer individuellen Gestaltungskraft\nvertrauen. <\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong> 5.4. Meinungsrede und Bezugnahme auf eine Textbeilage am Beginn einer Rede <\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Speziell bei der Meinungsrede bedarf die Bezugnahme auf die Textbeilage einer Erkl\u00e4rung, damit f\u00fcr das Publikum \u00fcberhaupt verst\u00e4ndlich wird, warum der Maturant\/die Maturantin jetzt darauf zu sprechen kommt. Nach der Begr\u00fc\u00dfung im ersten Operator die Textbeilage so ins Spiel zu bringen, dass damit ein&nbsp; sinnvoller Gesamtzusammenhang hergestellt wird, dazu bed\u00fcrfen Sch\u00fcler\/Sch\u00fclerinnen der Oberstufe einer besonderen didaktische Unterweisung.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><\/h5>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>6.  Textsorte Textinterpretation <\/strong><\/h5>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><\/h5>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><\/h5>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>6.1. Textauswahl und Infobox<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Schaut man sich die Texte genauer an, die bei bisher 24 schriftlichen Reifepr\u00fcfungen (Stand 13. 1. 2022) vorgelegt worden sind, stellt man fest, dass schwerpunktm\u00e4\u00dfig&nbsp; Texte von Autoren und Autorinnen aus dem 20. Jahrhundert und der Gegenwart vorgelegt werden und dabei mit wenigen Ausnahmen solche, von denen (vermutlich) angenommen wird, dass sie im Unterricht nicht schon behandelt worden sind (siehe dazu die Zusammenstellung aller Interpretationsaufgaben in &gt;Deutschmatura <em>jetzt<\/em>&lt; S. 9f).&nbsp; Die vermutlich mit der &nbsp;Beurteilungsgerechtigkeit im Zusammenhang stehende \u00dcberlegung: Niemand soll einen Vorteil haben, weil er\/sie zuf\u00e4llig in den Text schon eingearbeitet ist. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Am weitesten in die Literaturgeschichte zur\u00fcck reichen die\nKalendergeschichte von Johann Peter Hebel (1811: Termin 11. 1. 2017),\nein Textvergleich (Gedicht Eichendorff <em>Sehnsucht<\/em> 1834 \u2013 Kurztext\nKafka <em>Der Aufbruch<\/em> 1922: Termin 6. 5. 2013; [Kritik an der Aufgabenstellung\n&gt;Deutschmatura jetzt&lt; Link S. 149: S 3]; Termin 17. 9. 2020: Gedichtvergleich\nEichendorff <em>Einem Paten<\/em>[kind]zu seinem ersten Geburtstage[1854] und Wolf Biermann <em>Willkommenslied f\u00fcr <\/em>Marie [1982] und\nein weiterer Gedichtvergleich von zwei expressionistischen Gedichten (Alfred\nWolfenstein: \u201eSt\u00e4dter\u201c und Georg Heym: <em>Die Stadt<\/em>; Termin 9. 5. 2016). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die Angaben in den Infoboxen sind so angelegt, dass sie grunds\u00e4tzlich\nkeine f\u00fcr die Interpretation bedeutsamen Angaben zu den Kontextbez\u00fcgen\nenthalten. Zu den Gedichten von Wolfenstein und Heym beispielsweise werden nur\ndie Informationen &gt;expressionistische Dichter&lt; und&nbsp; die Zeit der Publikation angeboten (1911 bzw.\n1914). Entweder geht das Ministerium davon aus, dass Maturanten und\nMaturantinnen \u00fcber die Verfahrensweise der Lyrikproduktion in dieser\nEpoche&nbsp; Bescheid wissen, ein Muss solche\nKontextbez\u00fcge in die Interpretation einzubeziehen gibt es freilich nicht (siehe\ndie Zusammenstellung der Bewertungskriterien zur Textinterpretation auf der\nHomepage des Ministeriums unter der Rubrik &gt;Funktionen und Kontextbezug&lt;:\n3. Aufz\u00e4hlungspunkt). Oder, was wahrscheinlicher ist: Das Ministerium h\u00e4lt die\nBer\u00fccksichtigung von Kontextbez\u00fcgen f\u00fcr eine zu vernachl\u00e4ssigende Flei\u00dfaufgabe\nund f\u00fcr gar nicht notwendig. Dann kann man zwar immer noch eine Infobox\naufstellen, muss sie aber nur mit trivialen Informationen f\u00fcllen. Einige Beispiele\nf\u00fcr ausgeblendete Zusammenh\u00e4nge (von denen es \u00fcberaus viele g\u00e4be):<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">*Ausblenden des politischen Bezugs zur Entstehungszeit des Textes: Ohne Informationen zu Kontextbez\u00fcgen kommt die Info-Box zum Text von Manfred Hausmann <em>Die Schnecke<\/em> aus (Termin 5. 5. 2014). Der Text mit seiner Rechtfertigung von Nazi-Ideologemen) soll\/kann&nbsp; also ausschlie\u00dflich immanent interpretiert werden. Entweder sind die f\u00fcr die&nbsp; Auswahl dieses Textes verantwortlichen Germanisten so naiv, dass sie die Ungeheuerlichkeit des Gehalts nicht begreifen und gar nicht auf die Idee kommen, Informationen zu diesem Autor, die es schon lang gibt, einzuholen und sie in der Info-Box zur Verf\u00fcgung zu stellen, oder sie blenden diese&nbsp; bewusst weg, weil sie meinen, dass&nbsp; man den ganzen Text&nbsp; auch vor der Folie der christlichen Erbs\u00fcndenlehre lesen kann und er dadurch (angeblich) eine \u00fcberzeitliche Bedeutung erh\u00e4lt (so jedenfalls im Kommentar f\u00fcr die Kollegen und Kolleginnen). Beide M\u00f6glichkeiten sind gleich besch\u00e4mend und fallen letztlich in die Verantwortung des BIFIE zur\u00fcck (culpa in eligendo). Es ist schon bemerkenswert, dass die Aufgabensteller:innen in ihrem Kommentar auf die Literatur der Nachkriegsjahre in Deutschland und die N\u00fcrnberger Kriegsverbrecherprozesse (in der Zeit, als Hausmanns Text publiziert wird) mit keinem einzigen Wort eingehen. Das w\u00e4re im \u00dcbrigen ein wirklich passender Zusammenhang f\u00fcr die Themenklammer &gt;Verantwortung und Umgang mit Leben&lt;, also den Bezug von Texten zu ihrem politischen Kontext.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">*Ausblenden des sozialhistorischen Kontextes: Beim Termin 7. 5. 2019 bzw. der Interpretation zum Text <em>Der Eisschrank<\/em> von Alfred D\u00f6blin (geschrieben um 1930) enth\u00e4lt die Info-Box keine Informationen \u00fcber die Wirtschaftskrise in diesen Jahren und die Lebensmittelknappheit und damit keinen wichtigen Interpretationshinweis (siehe Musterl\u00f6sung Deutschmatura <em>jetzt<\/em> S. 91ff).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">*Ausblenden des biografischen Bezugs &nbsp;des Textes (Geburtstag des Autors): Bei der Interpretation des Textes von Werner Kofler <em>Im Verbrauchermarkt <\/em>(20. 5. 2021) fanden es die Aufgabensteller nicht wichtig (oder sie haben das \u00fcbersehen), das Geburtsdatum des Autors in die Infobox aufzunehmen. H\u00e4tten sie das getan, h\u00e4tten die Maturanten und Maturantinnen entdecken k\u00f6nnen, dass sich Kofler mit diesem Datum einen Gag erlaubt hat, indem er seine Geschichte an einem bestimmten Tag in einem bestimmten Monat, n\u00e4mlich&nbsp; seinem Geburtstag, beginnen l\u00e4sst (vgl. dazu Deutschmatura <em>jetzt<\/em> S. 116\/40 und 116\/48).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">*Wenn in die Infobox dann doch einmal Erl\u00e4uterungen zu Zeitbez\u00fcgen aufgenommen werden (Mascha Kal\u00e9ko <em>Zeitgem\u00e4\u00dfe Morgenandacht<\/em>; Maturatermin 3. 5. 2017; Musterl\u00f6sung Deutschmatura jetzt S. 98\/1), sollten diese nicht teilweise falsch und den Maturanten und Maturantinnen eine bestimmte Sicht der Dinge nahelegen (Kurier 8. 5. 2017 unter Berufung auf Gerhard Ruiss, IG Autoren).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">In diesem Zusammenhang w\u00e4re auch die Frage zu kl\u00e4ren, ob\nder Fachbeirat, das sind Vertreter und Vertreterinnen&nbsp; der Germanistik, Linguistik und Fachdidaktik,\nbei der Auswahl der Texte bzw. der Festlegung auf sie \u00fcberhaupt eine Funktion\nhat. Dieser ist erst eingesetzt worden nach der Entgleisung mit dem Text von\nManfred Hausmann <em>Die Schnecke<\/em> (Termin 5. 5. 2014) mit seiner Anh\u00e4ufung\nvon den Nationalsozialismus rechtfertigenden Ideologemen, der\nunbegreiflicherweise alle Kontrollschranken passieren hat k\u00f6nnen. Ob dieser\nBeirat zum Beispiel hinsichtlich der Frage der Qualit\u00e4t der ausgew\u00e4hlten Texte und\nihrer Geeignetheit f\u00fcr die Maturanten und Maturantinnen mehr als eine\nAlibi-Funktion hat, sollte rasch gekl\u00e4rt werden. Darf man erfahren, wie dieser\nzu den inhaltslosen Info-Boxen steht? Warum erf\u00e4hrt man nichts \u00fcber das Gremium\nim Ministerium, das &nbsp;letztlich\nentscheidet, welcher literarische Text zur Matura kommt? Warum nichts \u00fcber die\nvielfach ger\u00fchmten Filter-Kriterien (und deren Anwender), die daf\u00fcr sorgen\nsollen, &nbsp;dass zur Reifepr\u00fcfung handwerklich\ngut gemachte Aufgabenstellungen vorgelegt werden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Was fehlt, ist eine \u00f6sterreichweit gef\u00fchrte Diskussion\n(Lehrerschaft der AHS und BHS; Germanistik-Lehrkanzeln, Fachdidaktiker an den\nHochschulen und im Ministerium) dar\u00fcber, was Maturanten und Maturantinnen an\nliteraturgeschichtlichem Kontextwissen und Fachsprachekompetenz f\u00fcr die\nTextinterpretation mitbringen m\u00fcssen. Das von oben paternalistisch verf\u00fcgte Dogma\n&gt;Ein poetischer Text ist auch ohne Kontextbez\u00fcge \u201edeutbar\u201c, ist eine Beschneidung\nseiner Bedeutungsdimensionen. Das allerdings ist eine Einstellung, die den\nLehrplanbestimmungen \u00fcber den (auch schriftlichen) Umgang mit Literatur\nwiderspricht und die sich die Fachschaft der Germanisten nicht gefallen lassen\nsollte. Wie soll der auf seri\u00f6sen Umgang mit literarischen Texten, das hei\u00dft\nauf mehrere Grade der Poetizit\u00e4t ausgerichtete Literatur(geschichts)unterricht\naufrechterhalten werden k\u00f6nnen, wenn die nicht geringe Gefahr besteht, dass ein\nsolcher eindimensionaler Umgang mit poetischen Texten eine Signalwirkung f\u00fcr\ndie Didaktik des Literaturunterrichts an der Oberstufe entfaltet?<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>6.2. Definition der Textsorte<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">6.2.1. F\u00fcr das Ministerium ist eine <a>Textinterpretation <\/a>&#8211; pointiert formuliert &#8211;&nbsp; eine Textanalyse mit anschlie\u00dfender Deutung. Das legt&nbsp; die von ihm selbst vorgenommene Abgrenzung nahe, wonach die Textinterpretation \u201egewisserma\u00dfen dort (interpretativ) fort[setzt], wo die Textanalyse endet. Die Interpretation basiert also auf einer Analyse [und] orientiert sich an [ihren] Ergebnissen [\u2026].\u201c (Textsortenkatalog Stand Sept. 2020).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Eine solche Festlegung\nist problematisch, weil sie suggeriert, dass&nbsp;\ndie \u201eDeutung\u201c eines poetischen Textes so vor sich geht, dass sie auf den\nAnalyseergebnissen &nbsp;aufbaut statt auf\neiner prozesshaft entwickelten Interpretationshypothese und deren \u00dcberpr\u00fcfung. Solche\nAnalysen k\u00f6nnen, wie die Sch\u00fcrfarbeiten der Aufgabensteller in ihren Kommentaren\nzeigen, ungeheuer viel Material zu Tage f\u00f6rdern. Sinnvoll ist die Zusammenstellung\nformaler Qualit\u00e4ten&nbsp; allerdings nur dann,\nwenn sich die Analysearbeit an der so genannten <a>Interpretationshypothese\n<\/a>orientiert. Diese muss erst einmal aufgestellt werden, also vorliegen,&nbsp; bevor im Hinblick auf sie ans Analysieren\ngeschritten wird. Verlangt wird mit anderen Worten keine vollumf\u00e4ngliche\nTextanalyse von allem und jedem, sondern eine von der Interpretationshypothese\ngeleitete, also eingeschr\u00e4nkte,&nbsp;\nZusammenstellung von&nbsp;&nbsp;\nAnalyseelementen, welche die \u201eDeutung\u201c&nbsp;\nmehr oder weniger gut unterst\u00fctzen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wenn auf diese Weise der Umfang der zu <em>bestimmenden<\/em>\nformalen Qualit\u00e4ten eingeschr\u00e4nkt wird, f\u00fchrt eine solche Analyse auch zu\nkeiner Materialschlacht, der Maturanten und Maturantinnen nicht gewachsen sein\nk\u00f6nnen.&nbsp; Wenn eine Analyse zu keiner\nzusammenhanglosen und die Lesbarkeit schwer beeintr\u00e4chtigende Stoffhuberei\nausarten soll,&nbsp; muss sie also im Hinblick\nauf eine bereits vorhandene&nbsp;\nInterpretationshypothese vorgenommen werden, die selbstverst\u00e4ndlich in\neinem Prozess entwickelt&nbsp; und\ngegebenenfalls nachgesch\u00e4rft werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wenn eine\nTextinterpretation nicht in einer \u201eDeutung\u201c besteht, die auf einer Textanalyse\naufbaut, bleibt die Frage immer noch offen, worin das Charakteristische&nbsp; beim Interpretieren eines poetischen Textes\nbesteht.&nbsp; N\u00e4heres kann aus der im selben\nDokument auf der Homepage vorgelegten Definition des Begriffs\nTextinterpretation gewonnen werden.&nbsp; Das\nMinisterium sieht das Hauptgesch\u00e4ft des Interpretierens mit Recht im Erschlie\u00dfen\ndes Textes in seiner ganz eigenen poetischen Gestalt (Inhalt und Form), so dass\ndas Thema eines Gedichtes, einer Erz\u00e4hlung usw., weil\ndiese nicht schon explizit formuliert vorliegt, eben erst ermittelt und dargelegt werden muss. F\u00fcr diese\nErmittlungsarbeit ben\u00f6tigt man spezielle Werkzeuge, die jeder Interpret\/jede\nInterpretin mitbringen muss: zum Beispiel die F\u00e4higkeit zu beurteilen, inwiefern\ndie Inhaltssegmente von der so genannten Normallage abweichen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Am Beispiel der Interpretation zu Alfred D\u00f6blins Text <em>Der\nEisschrank<\/em> best\u00fcnde das f\u00fcr die Interpretation wichtige Beurteilen und\nEntwickeln einer Interpretationshypothese darin zu erkennen, dass man als Mann\nseiner Frau zum Geburtstag \u201enormalerweise\u201c etwas schenkt, was ihr Freude\nbereitet, was der Mann im Text von D\u00f6blin&nbsp;\naber nicht tut, weil der geschenkte Eisschrank f\u00fcr die Frau in Zeiten\nder Lebensmittelknappheit kein Geschenk ist, wohl aber&nbsp; f\u00fcr ihn selbst, der gro\u00dfes Interesse an\ndiesem \u201ePr\u00e4cisionsfabrikat\u201c hat (siehe Deutschmatura <em>jetzt<\/em> S. 97f). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Das &nbsp;<em>Erschlie\u00dfen\n<\/em>(im \u00dcbrigen ein Operator im\nOperatorenkatalog) &nbsp;akzentuiert\ndie Notwendigkeit dieser Arbeit, l\u00e4sst aber die Form, in der ihr Ergebnis\nformuliert werden muss,&nbsp; offen. Man darf\ndavon ausgehen, dass dazu eine Art \u00dcbersetzung der mit poetischen\nGestaltungsmitteln eingekleideten Inhalte in pragmatische Begriffs- und\nFachsprache erforderlich ist. Die Interpretation eines poetischen Textes\nist demnach eine besonders qualifizierte Form des Umgangs mit literarischen Texten,\neine nachvollziehbare (auch schriftliche) Kommunikation&nbsp; \u00fcber das, was darin thematisiert worden ist. Der\nInterpretationsauftrag verlangt zusammengefasst das Erschlie\u00dfen des in einem\npoetischen Text gestalteten Themas in pragmatischer Begriffssprache unter\nBer\u00fccksichtigung der dabei eingesetzten Gestaltungsmittel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">6.2.2. Das Ministerium\nf\u00fchrt bei der Darstellung seiner Ideal-Textinterpretation unter der Rubrik\n&gt;Gliederung und Struktur&lt; eine Interpretationshypothese an, die im\nHauptteil von den Maturanten und Maturantinnen entwickelt (a) oder, wenn vorgegeben\n(b), \u00fcberpr\u00fcft werden soll. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">ad a) Bei vielen\nTextinterpretationen wird das Entwickeln einer Interpretationshypothese durch\nals Hilfestellung gedachte Hinweise, wo beim \u201eDeuten\u201c auszugehen ist oder\nworauf der Akzent dabei zu legen ist, nicht eben erleichtert (Zusammenstellung\n&gt;Deutschmatura <em>jetz<\/em>t&lt; Link zum Operator <em>deuten<\/em> S 149).\nBesonders schr\u00e4g sind solche Hinweise, die zeigen, dass die Aufgabensteller den\nfiktionalen Text nicht verstanden haben (Beispiele &gt;Deutschmatura <em>jetzt<\/em>&lt;\nLink S. 149f)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">ad b) Bei den bisher 24\nMaturaterminen ist bisher (Stand 13. 1. 2022) keine Interpretationshypothese\nvorgegeben worden, die zu \u00fcberpr\u00fcfen gewesen w\u00e4re. &nbsp;Eine solche Aufgabenstellung w\u00e4re f\u00fcr\nh\u00f6hersemestrige Germanistikstudenten gewiss reizvoll, bei einer Deutschmatura\naber didaktisch fragw\u00fcrdig (siehe dazu auch&nbsp;\ndie Anmerkungen zum Deutungsauftrag Matura vom 17. 9. 2020, unten S. 17,\nZ. 10).<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>6.3. Beurteilung, Diskussion und Begr\u00fcndung der Aktualit\u00e4t eines Textes<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Diskutiert werden sollte weiter, ob es am Ende einer Textinterpretation angebracht ist, die Maturanten und Maturantinnen \u00fcber einen 4. Schreibauftrag auch noch die Aktualit\u00e4t des Textes&nbsp; <em>beurteilen,<\/em> <em>diskutieren<\/em> oder <em>begr\u00fcnden<\/em> zu lassen. Bef\u00fcrchtet man, dass sie ohne diese Zusatzaufgabe die verlangte W\u00f6rterzahl nicht erreichen? Jedenfalls zeugen solche Auftr\u00e4ge von der Unbedarftheit der Aufgabensteller im Umgang mit dem Konzept der Aktualit\u00e4t, das hei\u00dft: mit den vielfachen Aspekten, die ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen, damit Sinnvolles \u00fcber&nbsp; die Bedeutung eines Textes f\u00fcr die Gegenwart (= Aktualit\u00e4t) ausgesagt werden kann. Was da alles ins Spiel kommen muss, kann im Kapitel &gt;Schwierige W\u00f6rter&lt; auf Seite 115 (Deutschmatura <em>jetzt<\/em>) nachgelesen werden. Besonders schlimm sind solche Auftr\u00e4ge bez\u00fcglich der Bestimmung der Aktualit\u00e4t eines Textes, wenn sie sich&nbsp; auf etwas beziehen, was im Text nicht thematisiert wird (17. 9. 2015 Heinrich B\u00f6ll: <em>Der Lacher<\/em>; siehe Musterl\u00f6sung &gt;DeutschMatura <em>jetzt<\/em>&gt;; S. 98\/1), den Fokus auf eine inhaltliche Nebens\u00e4chlichkeit lenken (3. 5. 2017 Mascha Kal\u00e9ko: <em>Zeitgem\u00e4\u00dfe Morgenbetrachtung<\/em>; siehe Musterl\u00f6sung &gt;DeutschMatura <em>jetzt<\/em>&gt; S. 116 Link zur Musterl\u00f6sung zu&nbsp; Kal\u00e9ko S. 2) oder gar <em>begr\u00fcndet<\/em> bekommen wollen, warum ein Text heute noch aktuell ist (20. 5. 2021 Werner Kofler: Im <em>Verbrauchermarkt<\/em>;siehe &gt;Deutschmatura <em>jetzt<\/em>&lt; Seite 116\/48), also die Aktualit\u00e4t sogar als gegeben hinstellen.Im Einleitungsteil sind knapp gehaltene Aussagen \u00fcber die Aktualit\u00e4t eines poetischen Textes durchaus angebracht, genauso wie am Ende der Textinterpretation; in beiden F\u00e4llen auch ohne dass die Maturanten:innen durch einen eigenen Operator dazu verpflichtet werden. Auf diese sinnvolle M\u00f6glichkeit Bez\u00fcge zur Gegenwart des Rezipienten herzustellen wird die Sch\u00fclerschaft von den Lehrkr\u00e4ften im Literaturunterricht immer schon hingewiesen.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>6.4. Anmerkungen zu den Operatoren <\/strong><em><strong>erschlie\u00dfen<\/strong><\/em><strong> und <\/strong><em><strong>bestimmen<\/strong><\/em><strong>, die bei der Textinterpretation bisher nicht eingesetzt worden sind, aber eingesetzt werden sollten<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">6.4.1 Es ist \u00fcberlegenswert, ob im Hinblick auf den Kern des Interpretationsgesch\u00e4ftes, n\u00e4mlich das Erschlie\u00dfen des gestalteten Themas der altv\u00e4terlich anmutende Operator <em>deuten <\/em>mit dem bereits vorhandenen Operator <em>erschlie\u00dfen<\/em> ausgetauscht werden sollte (siehe 6.2.1). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">6.4.2. Bemerkenswerterweise sind die Analyse- und Untersuchungsauftr\u00e4ge entgegen der Zielsetzung der Standardisierung alles andere als pr\u00e4zise. Es gen\u00fcgt jedenfalls nicht, einfach nur die Analyse der formalen oder sprachlichen Gestaltung zu beauftragen. Reihenweise geht es da ganz lapidar um die Untersuchung der Sprache der Figuren, die Analyse der sprachlichen Besonderheiten, die sprachliche Gestaltung des Textes, die Analyse der Wortwahl, die rhetorischen Mittel usw. Damit kann meiner Meinung nach der Anspruch der Zentralmatura hinsichtlich der Klarheit der Aufgabenstellung und der Objektivit\u00e4t der Beurteilung nicht eingel\u00f6st werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Mit dem bisher ungen\u00fctzten Operator <em>bestimmen<\/em> und der Angabe einer Zahl lie\u00dfe sich der Umfang der Analyseelemente einschr\u00e4nken, womit f\u00fcr mehr&nbsp; Beurteilungsgerechtigkeit gesorgt w\u00e4re, die derzeit nicht gegeben ist, weil angesichts der oben angef\u00fchrten allgemein gehaltenen Auftr\u00e4ge die Lehrkr\u00e4fte an jeder Schule ihrem Gutachten andere Standards zu Grunde legen. Ein Analyseauftrag k\u00f6nnte beispielsweise so lauten: &gt;<em>Bestimmen Sie im Hinblick auf Ihre Interpretationshypothese zwei der eingesetzten rhetorischen Figuren auf der Wortebene, <\/em>zwei<em>&nbsp; auf der&nbsp; Satzebene und eine auf der Gedankenebene.&lt; <\/em>Was geh\u00f6rt&nbsp;&nbsp; beispielsweise bei der Kl\u00e4rung der Besonderheiten auf der Satzebene zu einer&nbsp; Analyse dazu, die auf dem Niveau der AHS und BHS Standard sein darf? Was muss alles und in welcher Reihenfolge bestimmt werden? Ohne Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit und Detailfragen sind es mindestens die Begriffe <em>Hauptsatz, Nebensatz, Hauptsatzreihe, Satzgef\u00fcge, Verbalstil, Nominalstil, Ellipsen, Wortstellung<\/em>, deren Besonderheiten darzustellen w\u00e4ren. Es versteht sich von selbst, dass \u00fcber den Umfang und die Tiefe der Analysearbeit diskutiert werden muss. Voraussetzung f\u00fcr die Praktikabilit\u00e4t einer solchen Formel ist die&nbsp; Herstellung&nbsp; eines Einverst\u00e4ndnisses der Fachschaften \u00fcber das Klassifikationssystem, die \u00dcber- und Unterordnung der Analysebegriffe.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>7. Textsorte Textanalyse<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Laut Ministerium wird keine Statistik dar\u00fcber gef\u00fchrt, welche Textsorten (bzw. Aufgabenstellungen) von den Maturanten und Maturantinnen in welcher Intensit\u00e4t gew\u00e4hlt werden; auch keine, anhand derer man erkennen k\u00f6nnte, ob und welche Auswahlunterschiede und Auswahlschwerpunkte es bei AHS, BHS und den Erwachsenenbildungsanstalten&nbsp; (Berufsreifepr\u00fcfung; Lehre mit Matura) gibt. Da die Deutsch-Lehrkr\u00e4fte (der AHS und BHS) nach Abgabe der schriftlichen Arbeiten dem Ministerium \u00fcber eine Excel-Datei neben der Schulkennzahl unter anderem melden m\u00fcssen, welche Aufgabenpakete von ihren Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen gew\u00e4hlt worden sind, w\u00e4re die Erstellung einer solchen Statistik m\u00f6glich. Interessant w\u00e4re eine solche insbesondere im Hinblick auf die Verteilung der Textsorten Textinterpretation und Textanalyse bei AHS und BHS. Zurzeit dienen die dort eingetragenen Daten nur dazu, die Medien mit Informationen \u00fcber die Ergebnisse der schriftlichen Arbeiten zu versorgen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Da die Daten&nbsp; grunds\u00e4tzlich\nzur Verf\u00fcgung stehen und abrufbar sind, w\u00e4re im Hinblick auf die Textanalyse\nf\u00fcr den Fall, dass Maturanten und Maturantinnen bei den bisher 8 von 24\nTerminen (Stand 13. 1. 2022) mit dieser Textsorte im Paket nur minimal Gebrauch\ngemacht haben, zu diskutieren, ob diese Textsorte nicht wie die Textsorten\nEmpfehlung und Offener Brief aus dem Kanon genommen werden sollte. Die\nKompetenz formale Qualit\u00e4ten eines Textes zu analysieren, ist eine\nVoraussetzung&nbsp; f\u00fcr das Schreiben einer\nTextinterpretation, bei&nbsp;&nbsp; allen anderen\nTextsorten wird sie nicht ben\u00f6tigt. Warum also diese Kompetenzen bei einer auf\ndie Analyse von pragmatischen Texten gerichteten Textuntersuchung noch einmal\nbem\u00fchen? Im \u00dcbrigen gilt f\u00fcr diese dieselbe Kritik wie schon bei der Analysearbeit&nbsp; der Textinterpretation. Die Arbeitsauftr\u00e4ge\nsind viel zu allgemein formuliert, als dass ihnen die Objektivit\u00e4t der\nBeurteilung garantierende G\u00fctekriterien entnommen werden k\u00f6nnten (siehe\noben&nbsp; 6.4.2.). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Auf jeden Fall muss die Textanalyse (und auch&nbsp; die Textinterpretation) aus dem Kanon der\nauch&nbsp; den Absolventen der Kurse an den\nErwachsenenbildungsanstalten (und der Lehre mit Matura) vorgelegten Textsorten\ngestrichen werden.&nbsp; Der Lehrplan f\u00fcr\ndiese Einrichtungen sieht das Schreiben beider Textsorten n\u00e4mlich nicht vor\n(Zitat der einschl\u00e4gigen Bestimmungen siehe Link auf S. 170 &gt;Deutschmatura <em>jetzt<\/em>&lt;).\nZurzeit ist es so, dass den Absolventen dieser Bildungseinrichtungen statt der\nWahl aus drei Aufgabenpaketen, wie das f\u00fcr die Kandidaten und Kandidatinnen der\nAHS- und BHS vorgesehen ist, nur mehr ein Paket zur Verf\u00fcgung steht, wenn in\neinem Paket eine Textinterpretation und in einem zweiten Paket &nbsp;eine Textanalyse aufgegeben wird. Mit einer\nsolchen Festlegung auf ein Paket waren die Kandidaten&nbsp; und Kandidatinnen der\nErwachsenenbildungsanstalten (und der Lehre Matura) immerhin schon bei acht\nMaturaterminen&nbsp;&nbsp;&nbsp; konfrontiert\n(20.5.2021; 6.5.2020; 18.9.2019; 3. 5. 2018; 20.9.2017; 11.1.2017; 9.5.2016;\n12.1.2015). Wenn sich das Ministerium nicht ein Verfahren wegen einer den\nGleichheitsgrundsatz verletzenden Vorgangsweise bei der schriftlichen\nReifepr\u00fcfung an den Erwachsenenbildungsanstalten und der Kurse Lehre mit Matura\neinhandeln will, sollte hier rasch gehandelt werden.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>B Anmerkungen zur Handhabung der Operatoren im Kontext der Schreibauftr\u00e4ge<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Es ist immer wieder verbl\u00fcffend festzustellen muss, wie sorglos und sprachlich schief die Aufgabensteller mit den Operatoren umgehen. Hier einige Beispiele:<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>1. Da sollen Sachverhalte und Aussagen <\/strong><em><strong>benannt<\/strong><\/em><strong> statt&nbsp; <\/strong><em><strong>beschrieben<\/strong><\/em><strong> bzw. <\/strong><em><strong>wiedergegeben<\/strong><\/em><strong> werden (Leserbrief 5. 5. 2014 bzw. Er\u00f6rterung 11. 1. 2016).<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die Formen des Mobbings (12. 1. 2015), die durch Facebook bewirkten Ver\u00e4nderungen auf dem Nachrichtenmarkt (3. 5. 2017) oder die Besonderheiten der Fotografien von Simon Norfolk (7. 5. 2019) sollen <em>wiedergegeben <\/em>werden. Das Problem besteht darin, dass nur Aussagen \u00fcber diese Bezugsobjekte <em>wiedergegeben<\/em> werden k\u00f6nnen (und die Maturanten\/innen haben es immer mit solchen zu tun!) und nicht die Bezugsobjekte selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Richtig und verst\u00e4ndlich m\u00fcsste so formuliert werden. Beschreiben Sie die Formen des Mobbings \/ die durch Facebook bewirkten Ver\u00e4nderungen auf dem Nachrichtenmarkt \/ die Besonderheiten der Fotografien von Simon Norfolk, wie sie in der Textbeilage dargestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>2. Anmerkungen&nbsp; zum Einsatz der Operatoren <\/strong><em><strong>beschreiben<\/strong><\/em><strong>, <\/strong><em><strong>wiedergeben<\/strong><\/em><strong> und <\/strong><em><strong>zusammenfassen <\/strong><\/em><strong>im Zusammenhang mit der Textinterpretation und den Bezugsobjekten Handlung und Inhalt <\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Angesichts der folgenden Zusammenstellung sollte an der daf\u00fcr verantwortlichen Stelle im Ministerium nachgedacht werden, ob der Einsatz dieser drei Operatoren in diesen Koppelungen zur gew\u00fcnschten Klarheit der Aufgabenstellung f\u00fchrt und nicht eher zur Verwirrung der Kollegenschaft beitr\u00e4gt, die solche Unterscheidungen zu didaktisieren hat <\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Synopse der Operatoren zu Handlung und Inhalt <\/h5>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">bei Schreibaufgaben der Textsorte Textinterpretation<strong>  <\/strong><\/h5>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"839\" height=\"383\" src=\"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/test-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-471\" style=\"width:515px;height:234px\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Eine besondere Herausforderung\nf\u00fcr den Didaktiker\/die Didakterin stellt sich, wenn die Handlung (oder auch der\n&nbsp;Inhalt) eines poetischen Textes <em>wiedergegeben<\/em>\nwerden soll. Das Problem besteht darin, dass diese Formulierung durch den\nSprachgebrauch zwar eingeb\u00fcrgert ist und auch beibehalten werden soll, aber\nnicht das ausdr\u00fcckt, was bei der Erf\u00fcllung des Auftrags geleistet werden\nmuss. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Handlung in einem poetischen Text\nist nicht etwas, was vom Autor \/ der Autorin in einen Text &#8211; wie ein Kabel in\neinen Bauk\u00f6rper &#8211;&nbsp; hineingelegt worden\nist, so dass man es einfach nur freilegen braucht und herausziehen kann.\nHandlung ist vielmehr eine dem \u00dcberblick&nbsp;\ndienende Linie, die von demjenigen gezogen wird, der die \u201eHandlung\u201c <em>wiedergeben<\/em>\nsoll. Dabei orientiert er sich an den Vorgaben des poetischen Textes und\n\u00fcbertr\u00e4gt das poetische Geschehen in die pragmatische Kategorie Handlung. Das\ndabei erzeugte Ergebnis ist die Handlung. Sie ist&nbsp; trotz der inhaltlichen Deckung mit dem\nOriginal etwas Neues und etwas anderes, als dass man dazu sagen k\u00f6nnte &gt;Es\nwird einfach wiedergegeben&lt; im Sinne von:&nbsp;&nbsp;\nSo steht es auch schon im poetischen Text. Das, was da \u201ewiedergegeben\u201c\nwird, die Handlung, ist etwas, was zwecks \u00dcberblick f\u00fcr andere und\/oder&nbsp; zwecks eigener Weiterverarbeitung wie eine\nLeitung au\u00dfen an den poetischen Text angelegt und generiert (erzeugt) wird.\nGleiches gilt f\u00fcr die Wiedergabe des Inhalts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die Definition der Operatoren <em>wiedergeben,\nbeschreiben<\/em> und <em>zusammenfassen<\/em> legen eine unterschiedliche\nHerangehensweise nahe, so dass es leicht zu Verwirrungen bei Sch\u00fclern und\nSch\u00fclerinnen, aber auch in der Lehrerschaft kommen kann. Angesichts der Synopsis\nder eingesetzten Operatoren &nbsp;sollte&nbsp; das Ministerium bei Aufgabenstellungen im\nZusammenhang mit der Textinterpretation einen einheitlichen Umgang der\nOperatoren festlegen. Die Erarbeitung der Handlung oder des Inhalts ist&nbsp; schon schwierig genug.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>3.<\/strong> Die Schreibauftr\u00e4ge mit den Operatoren <em>analysieren<\/em> und <em>untersuchen <\/em>leiden, wie oben schon dargestellt (6.4.2.), daran, dass sie allesamt nicht klarmachen, was konkret\/im Detail zu erarbeiten ist, mit der Folge, dass mit solchen Aufgabenstellungen die Objektivit\u00e4t und Vergleichbarkeit der Beurteilung nicht garantiert werden kann. \u00dcber den Operator <em>bestimmen <\/em>lie\u00dfe sich die Analysearbeit genauer fassen (siehe oben 6.4.2.). In der Beurteilungsrealit\u00e4t sind es die Lehrkr\u00e4fte, die sich mit den Maturanten\/innen sinnvollerweise rechtzeitig dar\u00fcber absprechen sollten, was verlangt wird und was nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>4. <\/strong>Der Operator <em>erschlie\u00dfen<\/em> sollte, wie oben &nbsp;(1.5.) dargestellt, bei einer \u201eZusammenfassung\u201c nicht mehr eingesetzt werden. Bei einer Textinterpretation k\u00f6nnte er den altv\u00e4terlich und geheimnisvoll klingenden Operator <em>deuten<\/em> ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>5. <\/strong>Bei den Operatoren <em>beurteilen<\/em> und <em>bewerten<\/em> m\u00fcssen die item writer bei ihren Kommentaren in Zukunft der unterschiedlichen Schwerpunktsetzung dieser beiden Operatoren gerecht werden und beim Operator <em>beurteilen <\/em>als Kriterien f\u00fcr die Begr\u00fcndung die Sachlogik ins Spiel bringen&nbsp; und beim Operator <em>bewerten<\/em> die Bezugnahme auf einen selbst gew\u00e4hlten oder gesellschaftlich akzeptierten Wert (siehe dazu Deutschmatura <em>jetzt<\/em> S 130f). Zurzeit sehen die mit den beiden Operatoren verbundenen Schreibhandlungen bzw. Begr\u00fcndungen in den Kommentaren gleich aus; mit Auswirkungen auch auf den Schreibunterricht an den Schulen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>6. <\/strong>Ministerium und Aufgabensteller sollten sich dar\u00fcber rasch darauf einigen, wie sie den Operator <em>sich auseinandersetzen mit<\/em> handhaben wollen: seine ihm innewohnende Dialektik beibehalten oder fallen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>7. <\/strong>Ministerium und Aufgabensteller sollten sich weiter dar\u00fcber rasch darauf einigen, wie sie den Operator <em>Stellung nehmen<\/em> handhaben wollen und sich fragen, ob die damit verbundene Schreibhandlung entgegen der Definition des Operators wirklich auch noch dialektisch abgehandelt werden soll (wie zum Termin 18. 9. 2019; Operator 3: <em>Nehmen Sie dazu Stellung, ob die Erforschung K\u00fcnstlicher Intelligenz durch Gesetze oder andere Ma\u00dfnahmen begrenzt werden sollte<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>8. <\/strong>Der Operator <em>diskutieren <\/em>sollte gestrichen werden, weil er gegen die Regeln seiner Verwendung verst\u00f6\u00dft. Ein mit dem Schreiben einer Er\u00f6rterung besch\u00e4ftigter Maturant kann sich mit&nbsp; einer bestimmten Position in einer Textbeilage <em>auseinandersetzen<\/em>, Pro- und Kontraargumente zusammenstellen, abw\u00e4gen und eine Synthese&nbsp; formulieren. \u201eDiskutieren\u201c kann er das alles (mit sich selbst?) jedenfalls nicht. Allenfalls kann er den Verlauf einer Diskussion wiedergeben oder das Ergebnis zusammenfassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>9. <\/strong>Mehr Achtsamkeit sollte auf die&nbsp; verwirrende Koppelung der Operatoren Forderungen \/ Vorschl\u00e4ge <em>entwerfen<\/em> gelegt werden. Die Maturabeispiele \u00fcber den Link auf S. 137 (Deutschmatura <em>jetzt<\/em>) f\u00fchren jedenfalls zu&nbsp; am\u00fcsanten Fragen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>10.<\/strong> Schiefer Einsatz des Operators <em>deuten<\/em>; besser und richtig stattdessen: charakterisieren<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Beim Termin 17. 9. 2020 waren zwei Gedichte zu vergleichen, eines von Eichendorff Einem Paten[kind] zu seinem ersten Geburtstage (1854) und eines von Wolf Biermann Willkommenslied f\u00fcr Marie (1982). Beim 3. Schreibauftrag mussten die Maturanten und Maturantinnen vergleichend die Sicht auf die Welt, die in den beiden Texten zum Ausdruck kommt, deuten. Anmerkungen zu diesem&nbsp; Auftrag:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die Aufgabensteller lassen bei diesem Auftrag Maturanten\/innen nicht selbst entdecken, dass sich in beiden Gedichten (neben anderem) auch eine je verschiedene Weltsicht ausdr\u00fcckt, sondern geben diese (richtige) Erkenntnis vor. Dass sich in den beiden Gedichten eine Weltsicht ausdr\u00fcckt, ist aber bereits eine Interpretation. Das hat zur Folge, dass diese zwei Weltsichten nicht mehr <em>gedeutet<\/em> werden, sondern aus dem poetischen Kontext <em>erschlossen<\/em>, das hei\u00dft: das je Besondere an ihnen <em>charakterisiert<\/em> und dann miteinander verglichen werden k\u00f6nnen. Die item writer glauben, weil sie Gefangene des Operatorensystems sind, unbedingt den Operator <em>deuten<\/em> aus dem dritten Anforderungsbereich einsetzen zu m\u00fcssen, so dass sich eben ein Schreibauftrag ergibt, der&nbsp; sprachlich befremdet. Es w\u00e4re so einfach gewesen, einfach so zu formulieren:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">Charakterisieren* Sie beide Weltsichten und  <br>vergleichen sie diese miteinander. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Den Operator charakterisieren (zum ersten Mal\nausdr\u00fccklich eingesetzt beim Maturatermin 23. 9. 2021) haben die Konzeptoren\nder SRDP dem 2. Anforderungsbereich &nbsp;&gt;Reorganisation und Transfer&lt; zugeordnet.\nIm Hinblick auf die oben angef\u00fchrte Aufgabenstellung ist das Charakterisieren\nder Weltsicht &nbsp;als eine auf die\nLiteratur bezogene Aufgabenstellung allerdings mehr als eine Reorganisation\nbereits vorhandener Informationen aus einem poetischen Text, sondern verlangt\neine kreative Leistung, die \u00fcber den Transfer von &nbsp;Passagen aus dem Original hinausgeht. Das\nje Spezifische der beiden Weltsichten muss auf den besonderen Begriff\ngebracht und mit Textbelegen begr\u00fcndet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">*Der Begriff charakterisieren hat gegen\u00fcber dem\nVerb <em>untersuchen<\/em> den Vorteil, dass in ihm das Ziel&nbsp; und das Ergebnis der Untersuchung mitgemeint\nist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Zusammengefasst lassen diese Beispiele den Schluss zu, dass\ndie Aufgabenstellungen nicht immer die Klarheit haben, die man im Vertrauen auf\ndie&nbsp; vielfach ger\u00fchmten Pr\u00e4zision&nbsp; der Operatoren und deren Bezugsobjekte\nerwarten k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>C Anmerkungen zur Themenauswahl; Folgen der Formatierungen <\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die Themen (zu denen dann Leserbriefe, Kommentare, Er\u00f6rterungen und &nbsp;Meinungsreden geschrieben werden) orientieren sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig an den Trends und Ph\u00e4nomenen des modernen Lebens: Berufsbilder, Familiensituation, Fragen der Gesundheit und Ern\u00e4hrung, des Konsums und seiner Ausw\u00fcchse, Umgang mit den Medien, Freizeitverhalten, Tourismus usw. Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen, die diese Entwicklungen in der Oberstufe aus Eigeninitiative verfolgen, haben sicher einen Vorteil genauso wie die, welche in den verschiedenen Unterrichtsgegenst\u00e4nden damit zu tun bekommen. Trotzdem werden viele von ihnen bei der Matura auf Aufgabenstellungen mit Themen sto\u00dfen, von denen sie in keinem Unterrichtsgegenstand &#8211; und auch nicht im Deutsch-Unterricht &#8211; je etwas geh\u00f6rt haben; zum Beispiel von Dark Tourismus oder der Problematik, auf die&nbsp; einzugehen ist, wenn in Medien die Privatsph\u00e4re verletzende Bilder von Unfalltoten gezeigt werden, von Nudging, Urban Gardening, Roboter Journalismus usw. Wenn sie davon bei der Matura zum ersten Mal lesen, sollen sie zu etwas Stellung nehmen, wovon sie keine Erfahrung haben. Beim Termin 6. 5. 2013 glaubten die item writer allen Ernstes, dass Maturanten\/innen&nbsp; in der Lage sind, nachdem sie zwei Grafiken studiert und sich damit das erforderliche \u201eFachwissens\u201c angeeignet haben, einer Gemeinde, die sich f\u00fcr eine bestimmte Energieversorgungstechnologie entscheiden muss (Erdgaskraftwerk, Wasserkraftwerk, F\u00f6rderung fl\u00e4chendeckender Versorgung durch Solaranlagen oder F\u00f6rderung mehrerer Biogas-Blockkraftwerke)&nbsp; <em>empfehlen<\/em> zu k\u00f6nnen, welche es sein soll. Auch wenn &nbsp;die&nbsp; Textsorte Empfehlung inzwischen (ohne Angabe von Gr\u00fcnden) aus dem Textsortenkanon gestrichen worden ist, vertreten die Konzeptoren der SRDP speziell bei Er\u00f6rterungen und Kommentaren die Auffassung, dass Maturanten und Maturantinnen in der Lage sein m\u00fcssen, auch unter diesen Umst\u00e4nden etwas Maturareifes zu produzieren, eine Textbeilage, an die man sich kr\u00e4ftig anlehnen kann, &nbsp;steht ihnen ja zur Verf\u00fcgung. Von der Notwendigkeit dazu ein eigenes Gliederungs- und Ordnungssystem zu entwickeln hat man sie durch die Vorgabe der Operatorenabfolge ohnehin befreit. Muss man da nicht bef\u00fcrchten, dass diese in der Oberstufe nicht mehr erlernte, aber im Studium und Arbeitsleben sehr wohl ben\u00f6tigte Fertigkeit verk\u00fcmmern wird?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Dass die schriftlichen Arbeiten nach dem System der SRDP mit seinen\nvielfachen Formatierungen oft in nichts anderem bestehen k\u00f6nnen als in der\nParaphrasierung und geschickten Verarbeitung vorgegebenen Gedankengutes (mit\nverschwimmenden Grenzen zum copy and paste), scheint im Ministerium niemand zu\nst\u00f6ren. Kann so die \u201cdauerhafte\u201c Qualit\u00e4tssteigerung und -sicherung an\n\u00d6sterreichs allgemein- und berufsbildenden h\u00f6heren Schulen bewirkt werden? Die\nF\u00e4higkeit zu allem und jedem Stellung nehmen zu k\u00f6nnen, wird laut den\nBekundungen des BIFIE auf seiner Homepage sogar mit einer besseren Vorbereitung\nauf das Berufsleben in Verbindung gebracht.&nbsp;\nL\u00e4uft diese Form der Zentralmatura mit ihren R\u00fcckkoppelungseffekten auf\neine lange Schullaufbahn&nbsp; wirklich auf\ndie beschworene \u201cerh\u00f6hte Studierf\u00e4higkeit\u201c hinaus und nicht auf Schreib- und\nDenkformatierung, Abrichtung und Entm\u00fcndigung? K\u00f6nnen die Prinzipien des\nTaylorismus,&nbsp; zwecks Optimierung der\nEffektivit\u00e4t, Qualit\u00e4tsverbesserung und -Kontrolle&nbsp; bei der Warenproduktion erfolgreich\neingesetzt,&nbsp; wirklich auch auf die\nSteuerung so komplexer mentaler Prozesse wie das Schreiben von Texten\n\u00fcbertragen werden? K\u00f6nnen durch die vielfachen Formatierungen wirklich die G\u00fcte\ndes Schreibprodukts und die Objektivit\u00e4t der Beurteilung&nbsp; garantiert werden? Diese Fragen sind endlich\nbreit zu diskutieren. <\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>D Vorschl\u00e4ge, wie eine reformierte SRDP zu mehr Selbstt\u00e4tigkeit f\u00fchren k\u00f6nnte<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>1<\/strong> <strong>Bei der Textinterpretation sollten die Maturanten und&nbsp; Maturantinnen die Interpretationshypothese ohne die als Hilfestellung gedachten Hinweise formulieren (d\u00fcrfen).<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>2 Durch Operatoren Bez\u00fcge zur eigenen Lebenswirklichkeit herstellen lassen.<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Im \u00dcbrigen sollte der Literaturunterricht sich nicht darin&nbsp; ersch\u00f6pfen, die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen zu bef\u00e4higen, das Thema eines poetischen Textes&nbsp; erfassen und seine formalen Qualit\u00e4ten darstellen zu k\u00f6nnen. Seit Jahren schon wird die Literatur (und die Kunst ganz allgemein) als ein gleich bedeutsamer Zugang zur Wirklichkeit wie die Wissenschaft begriffen. Seit Jahrzehnten schon wird der Literaturunterricht auch geleitet von der Erkenntnis, dass in poetischen Texten vorgef\u00fchrtes&nbsp; Verhalten als Probehandeln literarischer Figuren&nbsp; verstanden werden darf, an dem sich die Rezipienten reiben und Ma\u00df nehmen k\u00f6nnen f\u00fcr ihr eigenes Leben. Erst dann, wenn Bez\u00fcge hergestellt werden zwischen dem poetischen Text und der Lebenswirklichkeit seiner Rezipient:innen, kann Literatur ihre Bedeutung entfalten. Ich gehe davon aus, dass der Literaturunterricht in der Schule&nbsp; den Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen Mut gemacht hat, sich bei der Auseinandersetzung mit Texten selbst ins Spiel zu bringen und sich nicht mit blo\u00dfen Inhaltsangaben&nbsp; und der Zusammenstellung rhetorischer Figuren und sonstiger formaler Kunstst\u00fccke zufrieden zu geben. Daher stimmt es mich traurig erkennen zu m\u00fcssen, dass die Aufgabenstellungen bei der SRDP genau darauf hinauslaufen. Dabei l\u00e4ge die Bezugnahme zur Lebenswirklichkeit der jungen Rezipienten und Rezipientinnen bei vielen Texten, die vorgelegt worden sind, mehr als nahe; beispielsweise: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">*Bei der d\u00fcsteren Vater-Sohn-Geschichte von Carolina Schutti <em>Eulen fliegen lautlos<\/em> (Matura vom 13. 1. 2021) interessiert die Beziehung der beiden ausschlie\u00dflich unter der Perspektive von Auftr\u00e4gen, die Formales <em>analysieren<\/em> und <em>untersuchen <\/em>zu lassen. Einen Platz, der dem Maturanten\/der Maturantin einger\u00e4umt wird, <em>Vergleiche anzustellen<\/em> mit eigenen Erfahrungen, das Verhalten der Eltern zu <em>beurteilen,<\/em> den kleinen Jakob zu bedauern usw. gibt es nicht. Wie leicht lie\u00dfe sich dazu der folgende Arbeitsauftrag formulieren: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">Beurteilen Sie das Verhalten der Eltern gegen\u00fcber ihrem Sohn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">*Auch bei den Schreibauftr\u00e4gen zur Interpretation des Textes von Robert Musil <em>Der Riese Aogag<\/em> (Termin vom 18. 9. 2019; Musterl\u00f6sung Deutschmatura <em>jetzt<\/em> Link auf S. 98\/1) lie\u00dfe sich ein Auftrag formulieren, der die Bedeutung des Textes f\u00fcr die Lebenswirklichkeit von heute aufwachsenden Jugendlichen ins Spiel bringen k\u00f6nnte, z. B. so: <em>Beurteilen Sie die Art und Weise, wie der junge Mann eine Beziehung zu&nbsp; Frauen herstellen m\u00f6chte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">*Beim Termin 17. 9. 2020 waren zwei Gedichte zu vergleichen, eines von Eichendorff <em>Einem Paten zu seinem ersten Geburtstage <\/em>(1854) und eines von Wolf Biermann: <em>Willkommenslied f\u00fcr Marie<\/em> (1982). Beim 3. Schreibauftrag sollen die Maturanten vergleichend die Sicht auf die Welt, die in den beiden Texten zum Ausdruck kommt<em>, deuten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Es w\u00e4re ein\nEinfaches, auch hier die Lebenswirklichkeit der Generation der Sch\u00fcler und\nSch\u00fclerinnen der Geburtsjahrg\u00e4nge 2002 ins Spiel zu bringen, beispielsweise\ndurch folgenden Schreibauftrag:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><em>Nehmen\nSie zu der Weltsicht in&nbsp; beiden Gedichten\naus heutiger Sicht Stellung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>3. Platz f\u00fcr mehr Selbstt\u00e4tigkeit durch reduzierte Analyse <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Platz f\u00fcr solche Schreibhandlungen, die den Rezipienten die Bedeutung der Literatur f\u00fcr das eigene Leben erkennen lassen k\u00f6nnen, gibt es im System des Korridors dann, wenn die Analyse und Untersuchungsauftr\u00e4ge auf ein vern\u00fcnftiges Ma\u00df reduziert werden. \u00dcber drei (!) Seiten formaler Qualit\u00e4ten f\u00f6rdern die Aufgabensteller beispielsweise bei dem oben angef\u00fchrten Gedichtvergleich&nbsp; (Eichendorff \u2013 Biermann) in ihrem Kommentar zu Tage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>4. Mehr Selbstt\u00e4tigkeit durch den Operator <\/strong><em><strong>gegen\u00fcberstellen<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Bei den argumentativen Textsorten Leserbrief (sofern er \u00fcberhaupt beibehalten werden kann), der Er\u00f6rterung, dem Kommentar und der Meinungsrede sollten solche Textbeilagen vorgelegt werden, die nicht schon das komplette R\u00fcstzeug f\u00fcr eine Auseinandersetzung mitliefern. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die Textbeilage zur Meinungsrede am 13. 1. 2021 <em>Was die Natur besser kann als das Fitnesscenter<\/em>, in der die Argumente f\u00fcr eine Bewegung in der Natur dargestellt werdenund wo im 2. Operator aufgetragen wird, diesen die Vorteile von k\u00f6rperlicher Bet\u00e4tigung im Fitnesscenter <em>gegen\u00fcberzustellen<\/em> (Operator hier zum ersten Mal seit 2013 eingesetzt) k\u00f6nnte daf\u00fcr ein Vorbild sein. Denn hier m\u00fcssen die Argumente selbstt\u00e4tig, ohne R\u00fcckgriff auf bereits vorhandenes Gedankengut entwickelt werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Ein vergleichbarer Schuss Selbstt\u00e4tigkeit wurde bei der Er\u00f6rterung (Termin 20. 1. 2021) zum Thema <em>Verzicht auf News<\/em>? verlangt bzw. erm\u00f6glicht, weil der Maturant\/die Maturantin beim 2. Operator die Argumente des Autors der Textbeilage, der sich auf den Verzicht festgelegt hat, <em>diskutieren<\/em>, das hei\u00dft auch eine Gegenposition dazu generieren musste, die nicht schon vorgegeben ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>5. Lange Textbeilagen durch andere Kurzinformationen ersetzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Diskussion, ob nicht (bei einigen Aufgabenstellungen?) die langen Textbeilagen, aus denen oft L\u00f6sungen einfach \u00fcbernommen werden k\u00f6nnen, &nbsp;durch Informationen aus Statistiken, Schaubildern und sonstigen zitierf\u00e4higen Kurz-Informationen, die in die Maturaarbeit eingearbeitet werden m\u00fcssen,&nbsp; ersetzt werden k\u00f6nnten \u2013 nach dem Muster: <em>Erarbeiten Sie dazu (Thema\/Themenfrage)&nbsp; eine Stellungnahme und ber\u00fccksichtigen Sie dabei \u2026 Informationen\/Daten aus den beigelegten Materialien<\/em>. Aufgabe der item writer w\u00e4re es, den Umfang der einzuarbeitenden Informationen\/Daten zu bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<\/p>\n<hr>\n<h1>KRITIK ZENTRALMATURA DEUTSCH&nbsp;<\/h1>\n<h1>ANALYSE ZU DEN AUFGABENSTELLUNGEN 2013,2014<\/h1>\n<\/p>\n<p>(abgedruckt in der Zeitschrift Aautoren Solidarit\u00e4t 2014, Heft 2-3, S. 21ff)<\/p>\n<p>Diese Form der Deutsch-Zentralmatura \u00fcbertr\u00e4gt die Prinzipien der Prozesssteuerung von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arbeitsablauf\">Arbeitsabl\u00e4ufen<\/a> (Taylorismus) auf das Schreiben von Texten. Das l\u00e4uft auf die Gleichschaltung des Denkens hinaus und f\u00fchrt zur Entm\u00fcndigung unserer Sch\u00fcler.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a><br \/>Die Bildungsminsterin hat in ihrer Stellungahme vom 15. Mai dieses Jahres im Zusammenhang mit der Generalprobe f\u00fcr die Zentralmatura, \u201cgravierende Fehler\u201c eingestanden. \u201eDie gilt es jetzt zu analysieren und im n\u00e4chsten Jahr zu minimieren oder noch besser gar nicht passieren zu lassen.\u201c Das BIFIE, das in letzter Zeit aus den Schlagzeilen nicht mehr herausgekommen ist, soll vor weiterem Schaden und Imageverlust bewahrt werden. Dazu l\u00f6st man den Vertrag mit den beiden BIFIE-Direktoren, ruft eine Expertengruppe ins Leben, die binnen einem Monat eine St\u00e4rken- und Schw\u00e4chen-Analyse erarbeiten soll. Diese bezieht sich vermutlich in erster Linie auf die Struktur des Bildungsinstituts mit seinen 180 Besch\u00e4ftigten. Von einer Redimensionierung ist die Rede und von \u00dcberlegungen, wie die Verteilung der Kompetenzen neu gewichtet werden sollen. Die Zentralmatura selbst wird nicht in Frage gestellt.<\/p>\n<p>Das Fass zum \u00dcberlaufen gebracht hat der bei der schriftlichen Deutsch-Reifepr\u00fcfung zur Interpretation vorgelegte Prosatetext \u201cDie Schnecke\u201c, der 1947 von Manfred Hausmann publiziert worden ist. Mittlerweile haben die Medien und in ihnen namhafte Germanisten des Landes ihre Best\u00fcrzung zum Ausdruck gebracht, wie es m\u00f6glich sein kann, dass dieser Text mit seiner Entlastungsfunktion f\u00fcr die T\u00e4ter des NS-Terrors die viel ger\u00fchmten Testfilter im BIFIE passieren hat k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> In den Blogs der Printmedien kann man nachlesen, dass diese Best\u00fcrzung jetzt den Kreis der Fachleute verlassen und der \u00c4rger der an bildungspolitischen Fragen interessierten \u00d6ffentlichkeit eine kritische Masse erreicht hat, die es m\u00f6glich macht, die Aufmerksamkeit einmal auch auf den Wahn- und Unsinn aller anderen Aufgabenstellungen zu lenken.<\/p>\n<p>Im Folgenden werden an etlichen Beispielen der schriftlichen Reifepr\u00fcfungen Mai 2013 und 2014 zwar auch die handwerklichen und fachdidaktischen Fehler bei nichtliterarischen Aufgabenstellungen dargestellt, die auf die abenteuerliche Inkompetenz der in der obersten Testungsschleife im BIFIE werkenden Experten zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, aber in erster Linie werden der Blick auf den Modus der Textproduktion gerichtet sein, dem die Kandidaten beim Schreiben ausgesetzt sind, und in der dahinter stehenden Erziehungsphilosophie der Taylorismus ausgemacht werden, weil nach seinem Vorbild das Prinzip der Prozesssteuerung von Arbeitsabl\u00e4ufen auf das Schreiben von Texten \u00fcbertragen wird. Diese l\u00e4uft auf nichts Geringeres hinaus als auf die Gleichschaltung des Denkens und die Entm\u00fcndigung der Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen.<\/p>\n<\/p>\n<h4>Zum Aufgabensetting der Zentralmatura<\/h4>\n<\/p>\n<p>Bisher wurden die schriftliche und die m\u00fcndliche Matura an den AHS, BHS nach Pr\u00fcfungsordnungen abgehalten, welche ausdr\u00fccklich die unterschiedlichen Anforderungen ber\u00fccksichtigt haben, die von den Schulgesetzen diesen Schultypen zugeordnet werden. Ablesbar sind diese Anforderungen an den unterschiedlichen Bildungszielbestimmungen, den unterschiedlichen Lehrpl\u00e4nen und Stundentafeln. Die Aufgabenstellungen bei der Matura korrespondierten folglich mit dem unterschiedlichen Bildungs- und Ausbildungsweg der Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>Die Zentralmatura leitet nun einen Paradigmenwechsel ein. Trotz der nach wie vor aufrecht bleibenden unterschiedlichen Bildungszielbestimmungen und unterschiedlichen Lehrpl\u00e4ne erhalten nun alle Sch\u00fcler, gleich aus welchem Schultyp sie kommen, dieselben drei Aufgabenpakete mit je zwei Schreibaufgaben (eine Neuerung f\u00fcr die AHS<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a>, wobei sie sich f\u00fcr eines entscheiden m\u00fcssen. Die bisher von den Lehrkr\u00e4ften der Maturaklassen nach den Gesichtspunkten dieser Bestimmungen formulierten und von der Schulaufsicht abgesegneten inhaltlich breit streuenden Maturathemen werden also zusammengestrichen auf sechs Themen (pro Matura). Neu ist weiter, dass sich das BIFIE auf neun Textsorten festgelegt hat, deren Beherrschung bei der Matura verlangt wird und die es hinsichtlich der nachzuweisenden Gestaltungskriterien pr\u00e4zise definiert hat. Diese Textsorten sind bisher schon an der AHS und BHS unterrichtet worden, ihrer Ausrichtung gem\u00e4\u00df allerdings mit unterschiedlicher Akzentuierung. In den Lehrpl\u00e4nen werden diese, sofern sie \u00fcberhaupt erw\u00e4hnt werden, nur dem Namen nach angef\u00fchrt und es blieb bisher dem Geschick, dem Fortbildungswillen der Kollegenschaft und den Schreibvorschl\u00e4gen in den Schulb\u00fcchern \u00fcberlassen, wie diese umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Wenn die Kandidaten die schriftliche Reifepr\u00fcfung aus Deutsch nach dem neuen Modus bestehen wollen, m\u00fcssen sie also das Schreiben von neun verschiedenen Textsorten beherrschen (Interpretation, Textanalyse, Zusammenfassung, offener Brief, Leserbrief, Kommentar, Empfehlung, Er\u00f6rterung Meinungsrede). Diese Textsorten werden \u00fcber die drei Themenpakete so verteilt, dass auf jeden Fall in einem Paket immer zwei verschiedene Textsorten zum Schreiben aufgegeben werden. Damit klar ist, wie eine solche Textsorte jeweils aussehen soll, hat das Bildungsinstitut die Strukturelemente und Gestaltungskriterien daf\u00fcr festgelegt. Festgelegt hat das Bildungsinstitut auch die Bedeutung der so genannten Operatoren. Das sind auf drei Anforderungsbereiche verteilte 21Typen sprachlichen Handelns, mit denen im so genannten Aufgabensetting Sch\u00fcler mit Hilfe von Verben zu einer bestimmten Schreibhandlung aufgefordert werden (erl\u00e4utere, begr\u00fcnde, stelle dar, beschreibe, untersuche, bewerte usw.). Die Sch\u00fcler erfahren demnach, welche zwei Textsorten sie schreiben m\u00fcssen und \u00fcber die drei bis vier Arbeitsauftr\u00e4ge mit jeweils einem bestimmten Operator, was sie dabei Schritt f\u00fcr Schritt tun m\u00fcssen. Nach den Vorgaben des Bildungsinstituts m\u00fcssen die Aufgaben so gestaltet werden, dass die Operatoren aus allen drei Anforderungsbereichen kommen und in der Reihenfolge: Reproduktion (1), Reorganisation und Transfer (2) und Reflexion und Probleml\u00f6sen (3) die Arbeitsschritte festlegen. Die item writer halten sich an die dem Prinzip des Taylorismus verpflichteten Vorgaben der Zerlegung komplexer mentaler Vorg\u00e4nge und \u00fcbersehen dabei in ihrem Furor, dass sich die idealtypischen Anforderungsbereiche und die dabei vorgeschriebenen Schreibhandlungen (Operatoren) in der Realit\u00e4t des Schreibvollzuges nur auf Kosten des Schreibflusses voneinander isolieren lassen. Das f\u00fchrt beispielsweise bei der Matura 2014 im 3. Paket und der 2. Aufgabe, wo eine gesellschaftliche und mediale Entwicklung erst beschrieben (1. Auftrag) und dann an Hand von Schl\u00fcsselbegriffen untersucht werden muss (2. Auftrag), zu l\u00e4hmenden Wiederholungen, die aber, obwohl es um dieselbe Thematik geht, brav durch eine Leerzeile voneinander getrennt werden.<\/p>\n<p>Genau nach diesem Muster m\u00fcssen jetzt alle die Texte gebaut werden, die zur schriftlichen Reifepr\u00fcfung kommen k\u00f6nnen und die eine ganze Oberstufe lang einge\u00fcbt werden. Und weil zum ersten Anforderungsbereich Reproduktion z. B die Operatoren <em>beschreiben, wiedergeben <\/em>und<em> zusammenfassen<\/em> geh\u00f6ren und solche Schreibhandlungen ohne die Vorlage von Textbeilagen nicht aufgegeben werden k\u00f6nnen, sind bei jeder Aufgabe Texte dabei, auf die in dieser Weise eingegangen werden muss. Die Pr\u00fcfungsordnungen f\u00fcr die AHS und BHS schreiben das nicht vor, aber das Bildungsinstitut legt, ohne daf\u00fcr legitimiert zu sein, diese Vorgangsweise fest. Es beginnt folglich jeder Maturatext in \u00d6sterreich, gleich um welche Textsorte es sich dabei handelt, damit, dass auf den (und die) vorgelegten Text\/e eingegangen wird. Das kann im Falle eines Leserbriefes oder eines Kommentars, in denen etwas zu lesen ist, was zu einer Stellungnahme anregt, sinnvoll und angemessen sein, bei einer Rede mit dem Thema \u201cSehnsucht nach der Heimat\u201c (3. Paket 2. Aufgabe Mai 2014) oder einer Empfehlung, ob digitale Plattformen im Unterricht eingesetzt werden sollen oder nicht (2. Paket 1. Aufgabe Mai 2014), ist es das nicht. Hier bieten sich andere, die Pers\u00f6nlichkeit des Sch\u00fclers ber\u00fccksichtigende Texter\u00f6ffnungen an. Der Inhalt der vorgelegten Beilagentexte (mit einem maximalen Umfang von 2000 W\u00f6rtern pro Aufgabenpaket; auch das ohne Deckung in den Pr\u00fcfungsordnungen) bestimmt aber auch die weiteren Arbeitsschritte, in denen die Schreibarbeit auf den n\u00e4chst h\u00f6heren Anforderungsbereich gehoben wird.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Mit dieser Standardisierung (Themenpakete f\u00fcr alle,&nbsp;&nbsp; Definition der Textsorten und Operatoren, also Schreibanweisungen in drei Anforderungsbereichen) glaubt man, die \u201ch\u00f6chstm\u00f6gliche Transparenz und Vergleichbarkeit der Pr\u00fcfungsanforderungen, Objektivit\u00e4t, Vergleichbarkeit und somit Fairness der Beurteilungsverfahren\u201c gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen. Was damit aber in Wirklichkeit erreicht wird, ist nichts anderes als Gleichschaltung und Verhinderung von Selbst\u00e4ndigkeit.<\/p>\n<\/p>\n<h4>Der so genannte situative Kontext<\/h4>\n<\/p>\n<p>Unter den Schreibdidaktikern gibt es heute einen Konsens dar\u00fcber, dass die Art und Weise, was und wie geschrieben wird, vom (selbst gew\u00e4hlten oder fremd bestimmten) Zweck des Schreibens abh\u00e4ngt und mit dem Adressaten zu tun hat, an den der Text gerichtet ist. Ein Schreibakt erh\u00e4lt seine Konturen demnach erst durch den so genannten situativen Kontext, in dem er steht. Davon gehen auch die Aufgabenschreiber (englisch: item writer) der Zentralmatura Deutsch aus. Sehen wir uns also solche Kontexte an, mit denen es die Maturanten im Mai 2013 und 2014 bei der Generalprobe f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr (2015 startet die Zentralmatura f\u00fcr die AHS) zu tun bekommen haben.<\/p>\n<p>Bei einer Aufgabe (Mai 2013, 1. Paket 1. Aufgabe) finden sich unsere Maturanten zum Beispiel beim Weltjugendkongress in London wieder. Dort m\u00fcssen sie in einem Workshop als Delegierte \u00d6sterreichs eine Rede (in deutscher Sprache!) schreiben. Damit b\u00fcrdet man ihnen eine sie ehrende, aber unrealistische Rolle auf. Das hat nichts mit der Schulrealit\u00e4t und der zu erwartenden Reife eines Maturanten zu tun, aber viel mit einem Institut (BIFIE), das vor den Augen der OECD und der \u00f6sterreichischen \u00d6ffentlichkeit seine F\u00e4higkeiten zur Erf\u00fcllung der derzeit angesagten Bildungsstandards demonstrieren m\u00f6chte. Es ist nicht klar, was ein Sch\u00fcler in dieser Rolle und Situation an Kompetenzen f\u00fcr seine Reife nachweisen soll, was er nicht ohne diese Vorgaben zeigen kann.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Die item writer sind nicht einmal in der Lage, die Folgen der von ihnen entworfenen Situationsangaben mitzudenken. Im Mai 2013 (1. Paket 2. Aufgabe) lie\u00dfen sie die Kandidaten einen offenen Brief an die Sch\u00fclerzeitung der Schule schreiben und legten ihnen dabei auch eine Karikatur vor, auf die laut Arbeitsauftrag einzugehen war. Dabei haben sie &#8211; wohl auf Grund der Tradition, dass die Aufgabensteller bisher auch die Empf\u00e4nger der Maturatexte sind &#8211;&nbsp;&nbsp; vergessen, dass die Sch\u00fclerzeitung, die sie selbst als Adressat eingesetzt haben, diese Karikatur nicht zur Verf\u00fcgung hat und sich nicht schlecht wundern d\u00fcrfte, wenn ein Sch\u00fcler auf die Karikatur eingeht.<\/p>\n<p>In einer anderen Aufgabe (Mai 2013, 2. Paket 1. Aufgabe) wird dem Sch\u00fcler aufgetragen, einen Artikel f\u00fcr die Gemeindezeitung zu schreiben, in dem er, der etwa Achtzehnj\u00e4hrige, nachdem er sich in zwei Schaubilder eingelesen hat, dem Gemeinderat (seiner Wohnsitzgemeinde) eines von vier m\u00f6glichen neuen Energieversorgungssystemen empfiehlt.<\/p>\n<p>Die Beteiligung junger Menschen am \u00f6ffentlichen Leben einer Gemeinde ist sicher etwas Erfreuliches. Wenn sie dies aber in Form einer Empfehlung tun, die auf nichts anderem beruht als auf der F\u00e4higkeit zwei Schaubilder richtig zu lesen, wenn da nicht mehr ins Spiel kommt, was in einem solchen Alter schwer vorstellbar ist, wird der Gemeinderat, wenn er menschenfreundlich vorgeht, darauf hinweisen, dass er die beiden Grafiken auch schon ausgewertet, aber noch keinen \u00dcberblick dar\u00fcber hat, was noch alles f\u00fcr eine endg\u00fcltige Entscheidung f\u00fcr ein System ber\u00fccksichtigt werden muss. Dazu braucht es noch das Erfahrungswissen der B\u00fcrger der eigenen Gemeinde, die vielleicht in Gruppen bereits kleine Eigenversorgungssysteme aufgebaut haben, das der B\u00fcrger anderer Gemeinden, aus anderen Bundesl\u00e4ndern, die nach Jahren der F\u00f6rderung den Gemeinden die F\u00f6rderungsmittel f\u00fcr alternative dezentrale Energieversorgungssysteme gek\u00fcrzt haben, so dass die Betreiber nicht mehr wettbewerbsf\u00e4hig sind usw. Die Einkleidung dieser Aufgabe als \u201cEmpfehlung f\u00fcr den Gemeinderat\u201c ist ein sch\u00f6ner Aufputz, mit dem man der \u00d6ffentlichkeit weismachen will, dass \u00f6sterreichische Sch\u00fcler mit Maturaniveau in der Lage sind, mit der Analyse von Schaubildern das Gemeindeleben mit zu gestalten. Auf einen solchen situativen Kontext, bei dem es aber in Wahrheit nichts zu ber\u00fccksichtigen gibt, was \u00fcber die Auswertung von zwei Grafiken hinausgeht, der blo\u00dfe Fassade ist, sollten die item writer verzichten.<\/p>\n<p>Und in wieder einer anderen Aufgabe (Mai 2013, 3. Paket 2. Aufgabe) soll der Sch\u00fcler aus der Sicht eines Reiseunternehmens auf einen Bericht reagieren, der durch (angeblich) suggestive Formulierungen die ganze Branche in ein schlechtes Licht gesetzt hat. Mit einem Kommentar soll er sich in angemessener Form verteidigen. Kaum ein Sch\u00fcler aber verf\u00fcgt \u00fcber eigene Erfahrungen als Mitarbeiter in einem Reiseb\u00fcro, vielleicht ein paar aus einer Handelsakademie (laut Lehrplan: freiwilliges Praktikum vor dem Abschlussjahr), so dass grunds\u00e4tzlich &#8211; wie schon bei der Delegiertenrede in London &#8211; die Fragw\u00fcrdigkeit der Rollensimulation festzuhalten ist. Noch fragw\u00fcrdiger ist der Verteidigungsauftrag, dem nachzukommen vielleicht dem Geist der education entrepreneur (Erziehung im Geist des Unternehmertums: didaktischer Grundsatz an den Handelsakademien) entspricht, nicht aber einem reifen Maturanten, der zuerst einmal nach den n\u00e4heren Umst\u00e4nden der berichteten Vorg\u00e4nge fragt, bevor er zu einem Verteidigungsschlag ausholt.<\/p>\n<p>Solche Schnitzer sind bei der Matura im heurigen Mai nicht mehr gemacht worden, daf\u00fcr wieder andere. So soll der Kandidat als Mitglied des Schulgemeinschaftsausschusses ohne Absprache mit den anderen Mitgliedern der Sch\u00fclervertretung dem SGA eine Empfehlung dar\u00fcber abgeben, ob Smartphones und digitale Foren im Unterricht genutzt werden sollen (Twitter-Unterricht; 2. Paket, 1. Aufgabe). Damit dr\u00e4ngt man ihn in eine autokratische Rolle hinein, die ihm die Sch\u00fcler\u00f6ffentlichkeit nie durchgehen lassen w\u00fcrde. Der Schnitzer lie\u00dfe sich leicht ausb\u00fcgeln, wenn man dem Sch\u00fclervertreter auftr\u00fcge, seine Empfehlung an die anderen Mitglieder des Sch\u00fclergremiums zu richten, die noch nicht in die Materie eingearbeitet sind.<\/p>\n<p>Das sind ein paar Beispiele f\u00fcr die Zumutungen, mit denen sich unsere Maturanten bei der schriftlichen Reifepr\u00fcfung &#8211; und das nur bezogen auf den situativen Rahmen &#8211; konfrontiert sehen. Das Problem dabei ist nicht der situative Kontext als solcher, sondern die Frage, wie dieser Rahmen bei der Matura als dem \u00dcbergang zu einer neuen Wirklichkeit zu gestalten w\u00e4re. Erstens sollte auf das Situationselement \u201c\u00dcbernahme einer Rolle\u201c, in der der Kandidat nicht er selber sein darf, sondern den Schreibakt aus der Perspektive einer anderen Person vornehmen muss, verzichtet werden. Die daf\u00fcr erforderliche Erfahrung ist nur in Ausnahmef\u00e4llen vorhanden. Das gilt f\u00fcr die au\u00dferschulische Welt genau so wie f\u00fcr die Lebenswelt der Schule. In den Deutschlehrpl\u00e4nen ist von einer auszubildenden Simulationskompetenz, wie sie das Bildungsinstitut einfordert, auch nichts zu lesen. Und zweitens sollten nur solche Situationselemente (ohne Rolle!) vorgegeben werden, die innerhalb des Erfahrungshorizonts von Maturanten liegen. Dar\u00fcber hinaus sollte dem Kandidaten bei einer Aufgabe nicht vorgeschrieben werden, welche Meinung er zu vertreten hat, und sei es auch nur in einer bestimmten Rolle. Reife und Selbst\u00e4ndigkeit zeigen sich darin, dass er selbst zu einem Urteil ohne die Anleitung durch andere kommt.<\/p>\n<\/p>\n<h4>Arbeitsauftr\u00e4ge ersetzen die bisher von den Sch\u00fclern selbst zu erstellende Gliederung<\/h4>\n<\/p>\n<p>Die Maturanten sehen sich bei der neuen Zentralmatura nicht nur mit solchen schr\u00e4gen situativen Kontexten konfrontiert, sondern erhalten beim Schreiben \u00fcber die oben angef\u00fchrten Arbeitsauftr\u00e4ge bzw. Operatoren auch noch relativ detaillierte Vorgaben zu inhaltlichen und formalen Bausteinen (Struktur-Komponenten), aus welchen sie ihre Texte zusammensetzen m\u00fcssen. Das bedeutet aber, dass Sch\u00fcler, die zur Matura antreten, nicht mehr, wie das bisher der Fall war, die \u00dcber- und Unterordnung einer zu behandelnden Thematik und die Verzweigungen einer Aufgabenstellung selber erfassen und eine Gliederung entwerfen m\u00fcssen, die sie selbst zu verantworten haben und in die sie ihre \u00dcberlegungen einzuordnen haben. Das wollen die derzeit ma\u00dfgebenden Bildungstechnokraten auch nicht, vielmehr w\u00fcnschen sie sich Texte, die von Bregenz bis Wien an allen Schulstandorten nach demselben Muster angefertigt werden, und das geht eben nicht, wenn jeder Sch\u00fcler mit einer selbst entworfenen Gliederung daherkommt. Unter anderem mit dieser Gleichschaltung glaubt man die die h\u00f6chstm\u00f6gliche Transparenz und Vergleichbarkeit der Pr\u00fcfungsanforderungen und die Objektivit\u00e4t, Vergleichbarkeit und Fairness der Beurteilungsverfahren gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen (so die Diktion des BIFIE); insofern braucht man gar nicht mehr der Frage nachgehen, ob die im Bildungsinstitut Verantwortlichen unseren Sch\u00fclern diese Selbst\u00e4ndigkeit etwa gar nicht mehr zutrauen. Meine Vermutung geht allerdings in diese Richtung. Die item writer trauen ihnen beispielsweise beim Schreiben eines so genannten offenen Briefes an die Sch\u00fclerzeitung der Schule (1. Paket, 2. Aufgabe Mai 2013) n\u00e4mlich nicht einmal die Eigenst\u00e4ndigkeit einer Briefer\u00f6ffnung zu, wenn sie den Sch\u00fclern als ersten Schritt dabei auftragen, ihren Text mit der Darstellung der Ausgangslage zu beginnen, andererseits vergessen, den Kandidaten darauf aufmerksam zu machen, dass er am Ende seines offenen Briefes erstens auf die Briefer\u00f6ffnung zur\u00fcckkommen muss und zweitens gem\u00e4\u00df der Textsortendefinition noch einen Appell zu formulieren hat.<\/p>\n<p>Mit der Vorgabe der nacheinander abzuarbeitenden Arbeitsschritte und damit der Gleichschaltung der mentalen Operationen nehmen die item writer den Sch\u00fclern jedenfalls das Gliederungsgesch\u00e4ft aus den H\u00e4nden und tragen nun selbst die Verantwortung f\u00fcr den (von Fachleuten erwarteten) sinnvollen Zusammenhang der einzelnen Bauteile, aus denen sich im Hinblick auf die (hoffentlich vorhandene) \u00fcbergeordnete Themenstellung ein gro\u00dfes Ganzes ergeben soll. Bei der Reihung der Gliederungsbausteine zur Delegiertenrede im Londoner Workshop (Mai 2013, 1. Paket 1. Aufgabe) oder bei der Meinungsrede \u201cSehnsucht nach der Heimat\u201c im Mai 2014 (3. Paket 2. Aufgabe) wird man eine solche Koh\u00e4renz freilich vergeblich suchen.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Vielleicht \u00fcberlegen sich die Didaktiker im BIFIE (und auch das Ministerium, auf welche alle M\u00e4ngelr\u00fcgen zur\u00fcckfallen), was damit angerichtet wird, wenn Aufs\u00e4tze jetzt jahrelang so geschrieben werden, wie man sich das im BIFIE als ideal (zur \u00dcberpr\u00fcfung) vorstellt: als die durch Abs\u00e4tze getrennte Aneinanderreihung einzeln und nacheinander zu erf\u00fcllender Arbeitsauftr\u00e4ge, von denen man im besten Fall annehmen darf, dass sie das BIFIE im Wissen \u00fcber das \u00dcber- und Unterordnungssystem (immer bezogen auch auf die Textsorte) von der thematischen Klammer \u00fcber den Thementitel bis zu den Teilaufgaben in einen Sinn stiftenden Zusammenhang gebracht hat. Das k\u00f6nnte dann ein gro\u00dfes, im besten Fall sinnvolles, Ganzes aus miteinander koh\u00e4renten Teilelementen ergeben. Da es die Maturanten aber mit einer fremden Ordnungsphilosophie zu tun haben, wird sich ihnen die Logik des gro\u00dfen Ganzen, sofern \u00fcberhaupt vorhanden, nicht ohne weiteres erschlie\u00dfen. Was wird die Folge sein? Sie werden den Arbeitsauftr\u00e4gen nacheinander nachkommen, und das ohne Bezugnahme auf und Verkn\u00fcpfungen mit dem bereits Erledigten oder noch zu Leistendem, was man ihnen, weil sie in einem fremden Ordnungssystem stehend schreiben m\u00fcssen, auch gar nicht ver\u00fcbeln darf. Vice versa sind die Kollegen und Kolleginnen zu bedauern, die es bei ihrer Korrektur mit solchen schlampig verfassten Aufgabenstellungen zu tun bekommen und sich vor die Frage gestellt sehen, wem sie das angestiftete Unheil zuzurechnen haben. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass der Modus den Sch\u00fclern beim Schreiben die gro\u00dfen Strukturlinien vorzugeben in der Aufsatzerziehung \u00fcber den R\u00fcckkoppelungseffekt von der Matura hinunter zu den Schularbeiten insgesamt dazu f\u00fchren wird, auf den Entwurf eines Ordnungssystems zu einem Themenkomplex durch den Sch\u00fcler selbst immer mehr zu verzichten, so dass seine innerhalb eines Reifungsprozesses ansprechbaren Anlagen verk\u00fcmmern m\u00fcssen. In wessen Interesse steht das?<\/p>\n<\/p>\n<h4>Anmerkung zu den zu behandelnden Textbeilagen<\/h4>\n<\/p>\n<p><strong><em>Maturareife bedeutet jetzt: von anderen entwickelte \u00dcberlegungen identifizieren, paraphrasieren und reorganisiert in die eigene Arbeit einbauen k\u00f6nnen.&nbsp;<\/em><\/strong>Durch die detaillierten Gliederungsvorgaben und die verpflichtende Bearbeitung von Texten, die einen Maximalumfang von 2000 W\u00f6rtern pro Themenpaket haben k\u00f6nnen, bildet sich in einer solchen Maturaarbeit nur mehr wenig die Eigenst\u00e4ndigkeit und Pers\u00f6nlichkeit des Kandidaten ab, aber viel mehr seine F\u00e4higkeit im Hinblick auf vorgegebene Thematiken von anderen entwickelte \u00dcberlegungen zu identifizieren und in anderen Schreibzusammenh\u00e4ngen reorganisiert einzubauen. Das ist mit Ausnahme der literarischen Themenstellungen im Mai 2013 (3. Paket, 1. Aufgabe) und im Mai 2014 (1. Paket 1. Aufgabe), bei denen die Kandidaten allerdings im Hinblick auf kl\u00e4rende Informationen zu den textexternen Elementen allein gelassen worden sind) bei den anderen f\u00fcnf (!) der sechs Aufgabenstellungen beider \u201cProbematuren\u201c der Fall. Sicher sollen Maturanten aus allen Schultypen den Umgang mit Texten jeder Art nachweisen k\u00f6nnen. Nur sollte ihnen daneben auch noch Platz gelassen und Zeit gegeben werden, ihre eigenen \u00dcberlegungen anzustellen. Das BIFIE tut zurzeit so, als w\u00fcrden unsere Maturanten aus ihren jeweiligen Schulen daf\u00fcr \u00fcberhaupt nichts mitbringen, so dass man ihnen mit Gliederungsvorgaben und Inhalten, an denen sie sich dann vielleicht ein bisschen noch entz\u00fcnden d\u00fcrfen, unter die Arme greifen muss.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><sup><sup>[7]<\/sup><\/sup><\/a> Abgesehen davon sollten Beilagentexte, wenn sie vorgelegt werden, auch zur Aufgabenstellung in einem sinnvollen und nicht in einem verwirrenden Zusammenhang stehen, wie das bei der Delegiertenrede in London der Fall gewesen ist.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><sup><sup>[8]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<\/p>\n<h4>Problematik der Textsorten<\/h4>\n<\/p>\n<p>Ab Beginn der Zentralmatura muss jeder Sch\u00fcler zwei von den Textsorten her unterschiedliche Aufgaben schreiben. Das ist f\u00fcr die AHS neu, f\u00fcr die BHS hat dieser Modus Tradition. Die Verdopplung der Schreibaufgaben bewirkt bei gleich bleibender Textmenge (900 plus\/minus 10 Prozent) beispielsweise bei einer Er\u00f6rterung die Reduzierung der daf\u00fcr zu investierenden Zahl der W\u00f6rter um mindestens drei\u00dfig und sogar um f\u00fcnfzig Prozent, je nachdem, wie viel f\u00fcr die zweite Aufgabe verlangt wird. F\u00fcr die Er\u00f6rterung \u2013 bisher die Parade-Textsorte der AHS schlechthin \u2013 bedeutet das ein weniger tief reichendes Eingehen und Erarbeiten einer Problematik, deren Qualit\u00e4t noch nach unten revidiert werden muss, weil man ber\u00fccksichtigen muss, dass die Aufgabenschreiber erstens die Gliederung vorgeben und zweitens in den zu bearbeitenden Textbeilagen auch noch Inhalte zur Verf\u00fcgung stellen, die zur Bew\u00e4ltigung der Aufgabe nur mehr paraphrasiert und reorganisiert \u00fcbernommen werden m\u00fcssen. Das ficht die derzeit ma\u00dfgebenden Bildungspolitiker im BIFIE (und Ministerium?) \u00fcberhaupt nicht an, weil sie von der l\u00e4ngeren Er\u00f6rterung, wie sie bisher an den AHS geschrieben worden ist, wenig bis gar nichts halten. Mit den vielen formalen und inhaltlichen Vorgaben sch\u00fcttet man allerdings die Freir\u00e4ume zu, welche gerade diese Textsorte dem Denken er\u00f6ffnet, das ohne Anleitung zu einem eigenst\u00e4ndigen Urteil kommen m\u00f6chte. Bezeichnenderweise fehlte diese Textsorte bei der Matura im Mai 2013. Bei der Matura 2014 (1. Paket 2. Aufgabe) gab es eine Er\u00f6rterung und die so genannte thematische Klammer \u201cVerantwortung gegen\u00fcber Umwelt und Natur\u201c (die auch der Bearbeitung des Textes von Hausmann zugedacht war!) lie\u00df auch eine differenzierende Behandlung erwarten. Durch den Fokus auf das medial mehrfach gebrochene und relativierte Geschehen bei der Errichtung des Drei-Schluchten-Damms am Jangtse und die Vorgaben der Arbeitsauftr\u00e4ge hat man es in Wahrheit aber mit einer Engf\u00fchrung der Perspektiven zu dieser Thematik zu tun. Bei so gestellten Aufgaben ist eine&nbsp;&nbsp; Er\u00f6rterung nichts anderes als eine Umformulierung der Textbeilage, die ihrerseits nur ein Beispiel f\u00fcr das weit gefasste Thema ist. Die Themenklammer &#8220;Verantwortung gegen\u00fcber Umwelt und Gesellschaft&#8221; ist daher Blendwerk f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Eine Empfehlung sollte so formuliert werden, dass der Schreibakt f\u00fcr denjenigen, der die Empfehlung abgeben, aber auch f\u00fcr denjenigen, der sie erhalten soll, so weit wie m\u00f6glich der Lebenswirklichkeit entspricht. Das aber ist, wenn Achtzehnj\u00e4hrige dem Gemeinderat anhand von zwei Schaubildern die Einf\u00fchrung eines bestimmten Energieversorgungssystems empfehlen, nicht der Fall (Mai 2013, 2. Paket 1. Aufgabe). Eigene Erfahrungen liegen auch nicht vor (Mai 2014, 2. Paket 1. Aufgabe: Twitter-Unterricht) bei der Empfehlung \u00fcber den Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Die Sch\u00fcler m\u00fcssen sich stattdessen der Informationen aus einem Medium bedienen, welches \u00fcber deren Einsatz an deutschen und amerikanischen Schulen berichtet. Welche Erfahrungen auch immer an deutschen und amerikanischen Schulen gemacht und von Experten berichtet werden, ein \u00f6sterreichischer Sch\u00fcler kennt die konkrete Situation an diesen Schulen nicht, so dass seine Empfehlung entlang der Argumentationslinie \u201c\u00dcbertragbarkeit auf \u00d6sterreich\u201c laufen m\u00fcsste. Eine Soll-\/Soll-Nicht-Aufgabe kann nat\u00fcrlich gestellt werden, wenn sie aber speziell die Form einer Empfehlung annimmt, muss die \u201cBefundung\u201c auf Wissen aufbauen und nicht auf medial vermittelte Annahmen, eben so, wie es das Bildungsinstitut als f\u00fcr eine solche Textsorte wesentlich festgelegt hat. Die Aufgabenschreiber m\u00fcssen in Zukunft Situationen ausfindig machen, wo junge Menschen tats\u00e4chlich mehr wissen und\/oder Erfahrungen haben als andere (z. B. Achtzehnj\u00e4hrige im Vergleich mit J\u00fcngeren), sonst liegt keine Empfehlung vor.<\/p>\n<p>Einen unprofessionellen Umgang mit der Textsorte Leserbrief haben sich die item writer heuer geleistet (3. Paket 1. Aufgabe). Die Sch\u00fcler m\u00fcssen sich in ihrem Text auf eine in Br\u00fcssel lebende \u00f6sterreichische Gesch\u00e4ftsfrau beziehen, von der sie in einem Zeitungsbericht sehr wenig Zitierbares erfahren, und dabei Untersuchungen anstellen \u00fcber deren m\u00f6gliche Ziele und diese sogar noch bewerten. Auf blo\u00dfen Vermutungen und Begriffen, die von der beurteilten Person nicht selbst stammen (zum Beispiel der Begriff Heimatgef\u00fchl, von den item writern vorgegeben) darf man aber keine Bewertung aufbauen. Den Aufgabenschreibern und Experten (!) muss man den Vorwurf machen, dass sie mit dieser Schreibaufgabe den Anspr\u00fcchen einer seri\u00f6sen Leserbrief-Poetik nicht gen\u00fcgen.<\/p>\n<p>Einen besonders bunten Vogel abgeschossen hat man heuer bei den Angaben zur Textsorte Meinungsrede, bei denen es das Expertenteam im BIFIE schafft, unter dem Dach der thematischen Klammer \u201cR\u00fcckkehr zu traditionellen Werten?\u201c das Rede-Thema \u201cSehnsucht nach der Heimat\u201c von der Situationsangabe weg und vom ersten bis zum vierten Arbeitsauftrag bis zur Unkenntlichkeit zum Verschwinden zu bringen. Die beiden Textbeilagen d\u00fcrfte das Expertenteam bei der \u00dcberpr\u00fcfung ihrer Eignung f\u00fcr die Arbeitsauftr\u00e4ge nur \u00fcberflogen haben, sonst h\u00e4tte ihnen auffallen m\u00fcssen, dass sich diese zwar auf die Art und Weise beziehen, wie Medien mit einem vorgeblichen Trend (R\u00fcckkehr althergebrachter Werte) umgehen, aber nicht auf Vorg\u00e4nge in der gesellschaftlichen Wirklichkeit, so dass die Sch\u00fcler diesbez\u00fcglich h\u00e4ngen gelassen werden.<\/p>\n<p>Die item writer sollten sich bei ihren Aufgabenstellungen, was die Etikettierung der beauftragten Textsorten betrifft, auch an die vom Bildungsinstitut vorgenommenen Standardisierungen halten.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><sup><sup>[9]<\/sup><\/sup><\/a>. Dass bei einem Maturatermin mit sechs Aufgabenstellungen aufs Ganze gesehen keine Textsorte ein zweites Mal vorkommt, was &#8211; zugegeben &#8211; schwierig sein d\u00fcrfte, sollte kein Grund sein, gegen die eigenen Festlegungen gerichtete Umetikettierungen vorzunehmen. Den Pr\u00fcfungsordnungen ist lediglich zu entnehmen, dass die Textsorten innerhalb eines Paketes verschiedene sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das Bildungsinstitut hat die Textsorten hinsichtlich ihrer Gestaltungskriterien zwar pr\u00e4zise definiert, bricht ihre jeweilige Dynamik aber dadurch, dass sie zu einer Textsorte, die am Kopf der Aufgabenstellung benannt wird, alle m\u00f6glichen Arbeitsauftr\u00e4ge formulieren, die man nicht unbedingt mit ihr verbindet. Zum Beispiel soll ein Sch\u00fcler, der eine Rede schreiben soll, erst einmal einen Zeitungskommentar zusammenfassen (Mai 2013 1. Paket 1. Aufgabe), bei einem offenen Brief, der einer Sch\u00fclerzeitung geschrieben wird, weil diese bei den Sch\u00fclern intensiv f\u00fcr die Facebook-Mitgliedschaft geworben hat, soll der Sch\u00fcler auf eine ihm vorgelegte Karikatur eingehen, welche der Sch\u00fclerzeitung nicht zur Verf\u00fcgung steht, und auf Untersuchungsergebnisse, die mit dem Schreibanlass nichts zu tun haben, deren Ber\u00fccksichtigung ihn aber vergessen lassen, dass ein offener Brief laut BIFIE-Definition mit einem Appell enden sollte (Mai 2013 1. Paket 2. Aufgabe). Gegen in kleinerem Umfang zu erledigende Arbeitsauftr\u00e4ge ist nichts einzuwenden, sehr wohl aber gegen solche, welche die Transparenz einer Aufgabenstellung verschlechtern, indem sie von einem wesentlichen Strukturmerkmal der Textsorte ablenken.<\/p>\n<p>Die Aufweichung der Textsorten (nach der Idealtypisierung in der Textsortendefinition) durch die Detailauftr\u00e4ge steht aber auch in einem ganz banalen Kontext. Mit ihnen kann die Beherrschung bestimmter Operatoren, welche dem Bildungsinstitut in seinem System der Operatorenhierarchie wichtig sind und die sich nach M\u00f6glichkeit in jedem Setting wiederfinden sollen, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck \u00fcberpr\u00fcft werden. Da macht es dann auch nichts aus, wenn beispielsweise eine Zusammenfassung des ganzen Artikels verlangt wird, von dem aber nur auf die Thematik bezogene Informationen ben\u00f6tigt w\u00fcrden wie bei der Delegiertenrede London (Mai 2013 1. Paket 1. Aufgabe) oder im Paket 2 \u201cNeue Medien\u201c (Mai 2014), wo rund 80 Prozent der Beilagenzeilen f\u00fcr den Kommentaraspekt \u00fcberfl\u00fcssig sind); ganz abgesehen davon, dass ein Redeeinstieg mit der Wiedergabe von Informationen oder Zusammenfassungen von Zeitungsartikeln nur einschl\u00e4fern kann (2013 und 2014).<\/p>\n<\/p>\n<h4>Ziele und Auswirkungen der Zentralmatura<\/h4>\n<\/p>\n<p>Nach der Analyse der Pr\u00fcfungsanforderungen der Matura Mai 2013 und 2014 l\u00e4sst sich im Hinblick auf die Anspr\u00fcche des Bildungsinstituts an die von ihm entwickelte Zentralmatura folgendes Fazit ziehen:<\/p>\n<ol>\n<li>Die Experten ganz oben im Bildungsinstitut versagen bei der Aufgabe, einen nachvollziehbaren und widerspruchsfreien Zusammenhang herzustellen zwischen der Themenklammer, dem Thema der Aufgabe, der Situationsangabe, der Textsorte und den Arbeitsauftr\u00e4gen. Es gen\u00fcgt halt nicht, f\u00fcr die Implementierungsphase (auch internationalen) Sachverstand zuzukaufen und sich mit ausgezeichneten Aufs\u00e4tzen auf der Homepage auf der H\u00f6he der Didaktik-Theorie zu pr\u00e4sentieren. Den Qualit\u00e4tsanspruch, den man mit diesen Namen erweckt, muss man auch in der Praxis der Aufgabenstellungen von Maturatermin zu Maturatermin einhalten, auch wenn man das ohne Mitwirkung dieser Spitzen-Didaktiker tun muss, die sich vom BIFIE schon wieder verabschiedet haben. Die vom BIFIE vollmundig behauptete \u201ch\u00f6chstm\u00f6gliche Transparenz\u201c der Pr\u00fcfungsanforderungen ist in der Form, wie sich das Aufgabensetting bei beiden Reifepr\u00fcfungen pr\u00e4sentierte, jedenfalls nicht gegeben (im Folgenden ad 1).<\/li>\n<li>Die Vergleichbarkeit der Pr\u00fcfungsanforderungen h\u00f6rt sich gut an, ist aber in Wirklichkeit eine Leerformel. Diese l\u00e4uft auf die Trivialit\u00e4t hinaus, dass alle Sch\u00fcler dieselben Aufgaben gestellt bekommen (im Folgenden ad 2).<\/li>\n<li>Die vollmundig garantierte Vergleichbarkeit der Beurteilungsverfahren stellt sich bei genauerem Hinschauen als die Information dar\u00fcber heraus, dass die Arbeiten alle nach demselben Beurteilungsraster begutachtet werden. Dieser ist zwar besser als der alte, aber nach wie vor keine Garantie f\u00fcr die Objektivit\u00e4t eines Gutachtens (im Folgenden ad 3).<\/li>\n<li>Wenn sich der Schreibunterricht am derzeitigen Setting der Aufgabenstellungen orientiert, wird das an den h\u00f6heren Schulen tats\u00e4chlich langfristige Auswirkungen haben; allerdings nicht auf die Qualit\u00e4tssicherung und Qualit\u00e4tssteigerung, die sich das Bildungsinstitut erwartet (im Folgenden ad 4)<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>Ad 1)<\/strong> Das Bildungsinstitut garantiert \u201c<u>h\u00f6chstm\u00f6gliche Transparenz\u201c<\/u>. Von dieser bleibt, wenn darunter die optimale Verstehbarkeit der Aufgabenstellungen zu verstehen ist und man den vollmundig formulierten Anspruch an den sechs Aufgaben der Matura im Mai 2013 und 2014 \u00fcberpr\u00fcft, nicht mehr viel \u00fcbrig. Die so genannten thematischen Klammern (vom System der HAK-Matura \u00fcbernommen), mit denen angeblich die zwei Aufgaben in einem Themenpaket zusammengehalten werden, sind nichts als schm\u00fcckendes Beiwerk. Dass sie keine Funktion im Hinblick auf die Schreiboperationen haben, also gar nicht beachtet werden brauchen, muss vom Sch\u00fcler, der mit Situationsangaben und Auftr\u00e4gen zugedeckt wird, erst einmal erkannt werden. Weiter halten sich die item writer, wenn sie zu einer Aufgabe eine bestimmte Textsorte vorgeben, nicht an die vom BIFIE vorgelegten (von den Sch\u00fclern aber einstudierten) Textsortendefinitionen. Das ist, wie oben dargestellt worden ist, bei insgesamt 6 Aufgaben (Mai 2013) gleich dreimal der Fall. Sie geben beispielsweise durch widerspr\u00fcchliche Adressatenbez\u00fcge (offener Brief an eine Sch\u00fclerzeitung Mai 2013 1. Paket 2. Aufgabe) weiteren Anlass zur Verwirrung. Die Transparenz einer Aufgabenstellung wird auch beeintr\u00e4chtigt, wenn einem Maturanten die \u00dcbernahme von Rollen aufgetragen wird, die seinen Erfahrungshorizont \u00fcbersteigen, wie das bei drei Aufgabenstellungen im Mai 2013 der Fall gewesen ist. Die \u201cVerstehbarkeit\u201c der Aufgabenstellung einen Leserbrief zu schreiben, leidet, wenn in dem Kommentar, auf den Bezug genommen werden soll, bereits alles gesagt ist, so dass kein Raum f\u00fcr Eigenst\u00e4ndigkeit bleibt; wie \u00fcberhaupt die zu bearbeitenden Texte um einiges zu lang sind. In Bezug auf die Untereinanderkonstellation der Arbeitsauftr\u00e4ge kann tats\u00e4chlich von \u201ch\u00f6chstm\u00f6glicher Transparenz\u201c gesprochen werden, da diese unzweifelhaft als eine \u201cNacheinander-Erledigung\u201c begriffen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>Ad 2)<\/strong> Kopfzerbrechen bereitet der Anspruch der <u>Vergleichbarkeit der Pr\u00fcfungsanforderungen<\/u>. Wenn von Vergleichbarkeit die Rede ist, muss etwas, was verglichen wird, miteinander in Bezug auf etwas Drittes verglichen werden k\u00f6nnen. Zum Beispiel k\u00f6nnte der Schwierigkeitsgrad der drei Pakete (als solcher) miteinander verglichen werden. Das stelle ich mir im Hinblick darauf, dass da jeweils ziemlich viele Messgr\u00f6\u00dfen ins Spiel k\u00e4men, \u00e4u\u00dferst kompliziert vor. Dass das Bildungsinstitut beim Testg\u00fctecheck vor der Ausgabe dieser Maturaversion daf\u00fcr Messzahlen entwickelt hat, ist unwahrscheinlich. Bestimmt etwas leichter vergleichbar hinsichtlich ihres Schwierigkeitsgrades k\u00f6nnten Aufgaben sein, die in der gleichen Textsortenqualit\u00e4t abzufassen sind. Zwei gleiche Textsorten (in verschiedenen Paketen) hat es aber bei der Matura im Mai 2013 nicht gegeben. Dass alle Sch\u00fcler in \u00d6sterreich mit der Zentralmatura das Schreiben derselben neun Textsorten in ihrem Repertoire haben m\u00fcssen, kann man auch nicht auf die Formel der Vergleichbarkeit der Pr\u00fcfungsanforderungen bringen; es sind schlichtweg nur dieselben. Offensichtlicht handelt es sich beim vollmundig verk\u00fcndeten Anspruch der Vergleichbarkeit der Pr\u00fcfungsanforderungen um nichts anderes als um eine Leerformel, die sich &#8211; zugegeben &#8211; gut anh\u00f6rt. Nach der alten Matura hat es die Vergleichbarkeit (diesmal richtig verstanden!) im \u00dcbrigen immer gegeben. Man braucht sich dazu nur die Jahresberichte der Schulen durchlesen, in denen man die verschiedenen Aufgabenstellungen zur Textsorte Er\u00f6rterung, einer Interpretation (von Gedichten oder Kurzgeschichten) usw. nachlesen kann.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>Ad 3)<\/strong> Mit der neuen Zentralmatura wird auch die <u>\u201cObjektivit\u00e4t, Vergleichbarkeit und somit Fairness der Beurteilungsverfahren<\/u>\u201c garantiert. Dazu haben die Testpsychologen und Evaluationsspezialisten im Bildungsinstitut den bisher gehandhabten Kriterienkatalog an einigen Punkten erweitert, die Unbestimmtheit bisher allgemein gehaltener Kriterienaspekte zu verringern versucht und nach M\u00f6glichkeit pr\u00e4zise Festlegungen vorgenommen (auch durch die Angabe von Zahlen), so dass man in dieser Hinsicht tats\u00e4chlich von einer Verbesserung sprechen kann. Durch die Standardisierung der Textsorten und die Formatierung der Texte durch die als Gliederungsvorgaben wirksamen Arbeitsauftr\u00e4ge wird beispielsweise das Beurteilen der Strukturqualit\u00e4t einer Maturarbeit tats\u00e4chlich etwas leichter fallen. Auch bei der Bewertung der Dimension \u201cAufgabenerf\u00fcllung in Bezug auf Stil und Ausdruck\u201c und \u201cAufgabenerf\u00fcllung hinsichtlich normativer Sprachrichtigkeit\u201c muss man von Verbesserungen gegen\u00fcber dem alten System sprechen, weil man hier Mut bewiesen und mit Festlegungen operiert hat. Angesichts der extrem hohen Zahl unbestimmter Begriffe, die als Folge des um viele Aspekte erweiterten Kriterienkatalogs mit vielen weiteren Subkategorien dazu gekommen sind, die aber erst wieder durch vom Gutachter vorzunehmende Wertungen pr\u00e4zisiert werden m\u00fcssen, muss man die Objektivit\u00e4t des Beurteilungsverfahrens, die das Bildungsinstitut mit diesem neuen Bewertungsraster gew\u00e4hrleistet sieht, grunds\u00e4tzlich f\u00fcr den falschen Anspruch halten. Die Beurteilungsprobleme bei einer Deutscharbeit lassen sich auch bei&nbsp;&nbsp; noch so vielen Festlegungen und Formatierungen nicht mit denen bei einem Mathematik-Test vergleichen. Der f\u00fcr die Zentralmatura entwickelte Beurteilungsraster ist zugegeben eine Verbesserung, eine Garantie f\u00fcr Objektivit\u00e4t der Bewertung ist er nicht (wenn mit Objektivit\u00e4t die Garantie gemeint ist, dass jeder Testleiter auf Grund der Testdaten und deren Auswertung auf dasselbe Ergebnis kommt). Und das muss man auch nicht der \u00d6ffentlichkeit weismachen. Dieser sollte man lieber eingestehen, dass man den Vorschlag des Kompetenzteams, die Maturaarbeiten von zwei Lehrern begutachten zu lassen (Vier-Augen-Prinzip), aus Kostengr\u00fcnden verworfen hat. Die hoch bedeutsam klingende Formulierung der \u201cVergleichbarkeit der Pr\u00fcfungsverfahren\u201c stellt sich bei genauerem Hinschauen also als die triviale Information dar\u00fcber heraus, dass die Deutschlehrer die Maturaarbeiten alle nach demselben Bewertungsraster beurteilen. Die Pr\u00fcfungsverfahren sind Gott sei Dank nicht miteinander vergleichbar. Das k\u00f6nnten sie nur sein, wenn sie verschieden w\u00e4ren. In Wirklichkeit sind sie \u00fcberall dieselben.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Tats\u00e4chlich verglichen werden k\u00f6nnten die Gutachten von zwei oder mehreren Deutschlehrern zur selben Maturaarbeit. Aber auch dann geht es wiederum nicht um die Vergleichbarkeit der Pr\u00fcfungs<u>verfahren<\/u>, sondern um den Nachvollzug, wie der Bewertungsraster angewendet worden ist. Auf diese Weise lie\u00dfe sich einiges herausfinden \u00fcber die Qualit\u00e4t der Aufgabenstellung und die Brauchbarkeit des Beurteilungsrasters.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>Ad 4)<\/strong> Was also wird durch die Zentralmatura langfristig bewirkt?&nbsp;&nbsp; Die \u201cdauerhafte\u201c Qualit\u00e4tssteigerung und -sicherung an \u00d6sterreichs allgemein- und berufsbildenden h\u00f6heren Schulen\u201c, wie es das Bildungsinstitut verspricht? Wenn Sch\u00fcler aber eine lange Oberstufe lang keine von ihnen selbst verantwortete Texte mehr schreiben d\u00fcrfen, die Problematiken nicht mehr selbst erschlie\u00dfen, sondern bereits Vorformuliertes in vorgegebenen Strukturelementen neu arrangieren m\u00fcssen (mit verschwimmenden Grenzen zum copy and paste), dann l\u00e4uft diese Form einer Zentralmatura mit ihren R\u00fcckkoppelungseffekten auf eine lange Schullaufbahn nicht auf die beschworene \u201cerh\u00f6hte Studierf\u00e4higkeit\u201c (so auf der Homepage des BIFIE), sondern in Wahrheit auf Schreib- und Denkformatierung, Abrichtung und Entm\u00fcndigung hinaus. Die Zerlegung von Arbeitsprozessen zwecks Optimierung der Effektivit\u00e4t, Qualit\u00e4tsverbesserung, und Kontrolle des Mitteleinsatzes mag bei der maschinellen Anfertigung von Schaumschl\u00e4gern, mobilen Robotern, von Kuckucksuhren, IKEA-K\u00e4sten, k\u00fcnstlich gel\u00f6cherten Jeans, Pizza-K\u00e4se usw. angebracht sein, auf die Steuerung so komplexer mentaler Prozesse wie das Schreiben von Texten sind die Prinzipien des Taylorismus nicht \u00fcbertragbar. Daher ist die Zentralmatura in dieser Form abzulehnen.<\/p>\n<\/p>\n<h4>Juristische Abkl\u00e4rung des Verh\u00e4ltnisses Unterrichtsministerium &#8211; Bildungsinstitut<\/h4>\n<\/p>\n<p>Es muss juristisch abgekl\u00e4rt werden, ob das derzeitige Setting der Aufgabenstellungen durch das Bildungsinstitut, das keine Beh\u00f6rde ist, demnach keine Verordnungsgewalt hat, von den Pr\u00fcfungsordnungen f\u00fcr die AHS- und BHS-Matura gedeckt ist. Meines Erachtens geht das BIFIE mit seinem Setting \u00fcber die vom Unterrichtsministerium erlassenen Bestimmungen hinaus.<\/p>\n<p>Bei zwei Aufgaben der Matura Mai 2013 (1. und 3. Paket) wird die Simulation von Rollen verlangt. Das aber sehen weder die Pr\u00fcfungsordnungen noch die Lehrpl\u00e4ne vor. Den Pr\u00fcfungsordnungen lassen sich (bis auf die literarische Themenstellung) auch keine Bestimmungen entnehmen, wonach der zu schreibende Maturatext schwerpunktm\u00e4\u00dfig zu einer schriftlichen Auseinandersetzung mit Texten wird. Den Pr\u00fcfungsordnungen lassen sich weiter keine Bestimmungen dar\u00fcber entnehmen, dass den Kandidaten die Reihenfolge der Abschnitte vorgeschrieben wird, aus denen sich ein Ganzes ergeben soll. Das Unterrichtsministerium als der vom Gesetz daf\u00fcr zust\u00e4ndige Verordnungsgeber wird pr\u00fcfen m\u00fcssen, was es von dieser Konkretisierung der Pr\u00fcfungsmodalit\u00e4ten durch das BIFIE halten soll, die \u00fcber den Wortlaut der Verordnungen hinausgehen. Dass sich hier ein weites Bet\u00e4tigungsfeld f\u00fcr Rechtsanw\u00e4lte auftut, welche die verweigerte Studienberechtigung bei nicht bestandener Reifepr\u00fcfung beeinspruchen werden, sollte mitbedacht werden.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen wird es Zeit abzukl\u00e4ren, wer in \u00d6sterreich das Sagen hat: das Unterrichtsministerium oder das Bildungsinstitut.<\/p>\n<\/p>\n<hr>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> In diesem Aufsatz werden die Ergebnisse meines Gutachtens zur Zentralmatura Deutsch Mai 2013, das ich im Auftrag der IG geschrieben habe (auf der Homepage der IG nachzulesen) in gek\u00fcrzter Form mit denen zur Matura Mai 2014 verbunden. Die mehrfach ge\u00e4u\u00dferte Fundamentalkritik der IG Autoren an der Zentralmatura, ihre Forderungen im Zusammenhang speziell mit der Aufgabenstellung zur Literatur werden hier als bekannt vorausgesetzt, so dass an dieser Stelle darauf nicht mehr eingegangen wird. Mehrfachbez\u00fcge zu den Themenpaketen und Aufgaben werden sich nicht vermeiden lassen, da das Aufgabensetting aus vielen Dimensionen besteht und zwecks Darstellung der M\u00e4ngel dieselben Aufgaben, aber immer wieder unter einem anderen Aspekt herangezogen werden m\u00fcssen. Die Maturaaufgaben k\u00f6nnen auf der Homepage des BIFIE <a href=\"http:\/\/www.bifie.at\">www.bifie.at<\/a> eingesehen werden<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>Auf die darauf bezogenen Ungeheuerlichkeiten, die in den Medien (Salzburger Nachrichten vom 9. Mai und in der Standard Online-Ausgabe vom 12. Mai ausf\u00fchrlich dargestellt worden sind, braucht an dieser Stelle nur verwiesen werden; erg\u00e4nzt werden muss die Kritik um den Hinweis, dass Maturanten, auch wenn sie nur textimmanent interpretieren m\u00fcssen, wie das die item writer vorsehen, mit immerhin rund einem Drittel des gesamten Textes, das der&nbsp;&nbsp; Entlastung f\u00fcr die Vernichtung des Kriechtiers dient, angesichts der ihnen fremden Begrifflichkeiten nicht zurechtkommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> An der AHS war und ist laut Pr\u00fcfungsordnung bis zum Beginn der Zentralmatura 2015 ein Text zu schreiben, der daf\u00fcr aber dieselbe W\u00f6rterzahl hat wie die beiden Aufgaben der BHS zusammen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Das schwerpunktm\u00e4\u00dfige Eingehen auf Beilagentexte und die Auseinandersetzung mit ihnen (wie es bisher bei allen zehn (!) nichtliterarischen Aufgabenstellungen der Fall gewesen ist, ist von den Pr\u00fcfungsordnungen f\u00fcr die AHS und BHS nicht gedeckt. Ohne eine Beh\u00f6rde zu sein, spielt das BIFIE hier die (allein dem Ministerium zukommende) Rolle eines faktischen Verordnungsgebers (vgl. dazu auch Z. 3).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Er soll sich in seiner Rede unter anderem mit drei Menschenrechtsartikeln der UNO auseinandersetzen und er\u00f6rtern, ob die Publikationspolitik von WikiLeaks davon gedeckt ist. Da die f\u00fcr die Aufgabenformulierung Verantwortlichen im BIFIE nicht mitbekommen haben, dass diese Artikel nirgends auf der Welt gelten, und in ihrer Unbek\u00fcmmertheit im Umgang mit Normen auch nicht verstanden haben, worum es inhaltlich dabei geht, lenken sie die Kandidaten in eine Richtung, die nur Verwirrung stiften kann. Ein \u00f6sterreichischer Sch\u00fcler w\u00fcrde mit seiner nach diesen Gesichtspunkten gehaltenen Rede bei den Jugendlichen aus aller Welt, die von ihrem Heimatland mit besseren Informationen ausgestattet worden sind, f\u00fcr gro\u00dfe Heiterkeit sorgen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Bei der Delegiertenrede in London hat das unter anderem damit zu tun, dass zwar der Workshop ein Thema hat (<em>Das universelle Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung und Pressefreiheit vor dem Hintergrund der neuen Medien, speziell des Internets<\/em>), nicht aber die beauftragte Rede. Diese besteht dann in nichts anderem als in der Montage der bearbeiteten Detailauftr\u00e4ge. In einem ersten Schritt haben die Sch\u00fcler \u201cdie wichtigsten Informationen\u201c der bereits oben angesprochenen Menschenrechtsartikel und einen relativ langen und mit diesen Artikeln inhaltlich nicht in Verbindung stehenden Kommentar eines \u00f6sterreichischen Journalisten zusammenzufassen. Im anschlie\u00dfenden Arbeitsauftrag muss die juristische Deckung der Publikationspolitik von WikiLeaks er\u00f6rtert werden, muss man also wieder an die Menschenrechtsartikel ankn\u00fcpfen. Zwischen diesen und der nun einsetzenden Er\u00f6rterung steht aber die Zusammenfassung des Journalistenkommentars, der sich mit einer ganz anderen Problematik auseinandersetzt. Einen stimmigen Zusammenhang zwischen den nacheinander zu bearbeitenden Arbeitsauftr\u00e4gen als Gliederungsvorgaben gibt es also nicht. Und weil die item writer mit ihrem Unverst\u00e4ndnis \u00fcber die Bedeutung der zu bearbeitenden Menschenrechtsartikel auch die falschen Fragen an die Sch\u00fcler herantragen. &#8211; Eine heillose Verwirrung hinsichtlich der Abfolge und Koh\u00e4renz der Arbeitsauftr\u00e4ge war auch bei der \u201cSehnsuchts-Rede\u201c im Mai 2014 festzustellen. Alle vier Arbeitsauftr\u00e4ge (siehe auch Z. 4) stehen zu dem&nbsp;&nbsp; unter der \u00fcbergreifenden Themenklammer (\u201cR\u00fcckkehr zu alten Werten?\u201c) angef\u00fchrten Rede-Thema \u201cSehnsucht nach der Heimat\u201c in einem Wirr-Verh\u00e4ltnis, so dass sich kein sinnvolles Ganzes ergeben kann. Das aber haben nicht die Sch\u00fcler zu verantworten.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Beispiel Leserbrief zu einem vorgegebenen Kommentar, der inhaltlich bereits alles vorwegnimmt; so im 2. Paket, 2. Aufgabe Mai 2013; gilt in gleicher Weise f\u00fcr die Er\u00f6rterung zum Drei-Schluchten-Damm: 1. Paket 2. Aufgabe Mai 2014<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Mai 2013 1. Paket 1. Aufgabe; genau so aber auch heuer beim 2. Beilagentext zum 2. Paket, 2. Aufgabe: Kommentar zur Frage, ob durch Handy und Co. ein Verlust der Sprachkompetenz droht: Der Text schie\u00dft mit anderen nicht zum Zusammenhang des Kommentaraspekte geh\u00f6renden Informationen weit \u00fcber das Ziel.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Der offene Brief im 1. Paket 2. Aufgabe (Mai 2013) ist ein Leserbrief und kein offener Brief; genau so ein Leserbrief (und kein Kommentar) ist der zu schreibende Text im 3. Paket 2. Aufgabe (Mai 2013).<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zehn Jahre schriftliche Reifepr\u00fcfung Deutsch nach den Formatierungsvorgaben der Zentralmatura Worauf Maturareife heute hinausl\u00e4uft: 40.000 Texte von der Stange (geschrieben im November 2023) . . Kurzfassung des Langtextes . 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