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{"id":53,"date":"2016-06-12T20:24:33","date_gmt":"2016-06-12T20:24:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/?p=53"},"modified":"2016-07-28T14:46:06","modified_gmt":"2016-07-28T14:46:06","slug":"was-sind-die-ursachen-fur-kommunikationsprobleme","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/?p=53","title":{"rendered":"Kommunikationsprobleme: Religi\u00f6se Dispute"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Was sind die Ursachen f\u00fcr Kommunikationsprobleme <\/strong><\/h3>\n<h3><strong>bei Diskussionen \u00fcber religi\u00f6se Themen,<\/strong><\/h3>\n<h3><strong>zum Beispiele \u00fcber die Existenz Gottes?<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><span style=\"color: #ff9900;\">(ABGEDRUCKT IM JAHRESBERICHT DES MUSISCHEN GYMNASIUM 2003\/04)<\/span><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong><em>Ein Unterrichtsprojekt aus dem Philosophieunterricht\u00a0<\/em><\/strong><strong style=\"line-height: 1.5;\"><em>in einem Aufsatz zusammengefasst<\/em><\/strong><\/h5>\n<p>Bei Diskussionen \u00fcber religi\u00f6se Themen, zum Beispiel \u00fcber die Existenz Gottes, geht es selten ruhig zu. Das ist besonders dann der Fall, wenn die Teilnehmer aus verschiedenen weltanschaulichen Ecken kommen. Nach dem Austausch ihrer Grundpositionen kann es bald einmal heftig werden. Das hat mit den starken Emotionen zu tun, von denen das Gespr\u00e4ch gef\u00e4rbt und bestimmt ist, geht es doch bei der Gottesfrage um ein existenzielles Thema, das wenige kalt l\u00e4sst. Mancher will sich hier durchsetzen, Recht bekommen und versucht daher seinen Gespr\u00e4chspartner \u00fcber den Tisch zu ziehen. Wenn dies aus begreiflichen Gr\u00fcnden, auf die noch einzugehen sein wird, nicht gelingt, bekommt der Gespr\u00e4chspartner es mit den \u00dcberlegenheitsf\u00fchlen oder gar der Verachtung seines Kontrahenten zu tun. Dieselben Beobachtungen macht man bei der Lekt\u00fcre von Aufs\u00e4tzen zu einschl\u00e4gigen metaphysischen Themen, die man auf Grund der Tatsache, dass die Verfasser auf die Positionen und Argumente von anderen AutorInnen, die sich ebenfalls zu diesem Thema \u00e4u\u00dfern, reagieren und sie mit einbeziehen, auch als eine, eben gr\u00f6\u00dfere und zeitlich versetzte Diskussionsrunde begreifen kann.<\/p>\n<p>Wenn wir im Folgenden mit Begriffen aus der Kommunikationspsychologie, speziell mit denen aus dem Konzept der \u201eVier Seiten einer Nachricht\u201c die Besonderheiten beim Aufeinandertreffen von weltanschaulich verschiedenen Positionen beschreiben und erkl\u00e4ren wollen, d\u00fcrfen wir diesen Analyseraster daher auf beide Kategorien von Diskussionsrunden anwenden. Da die Standpunkte in der wissenschaftlichen Literatur klar ausformuliert und leichter zu dokumentieren sind als das ungeordnete Hin und Her in einer Runde im privaten Kreis oder einer Klassengemeinschaft, werde ich zur Verdeutlichung von Kommunikationsproblemen, die sich im Zusammenhang mit religi\u00f6sen Disputen ergeben k\u00f6nnen, vorerst sechs daf\u00fcr typische Stellungnahmen wiedergeben, die jeweils von hervorragenden Vertretern ihres Faches formuliert worden sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><strong>Ausgew\u00e4hlte Texte<\/strong><\/h5>\n<p><strong>Text 1<\/strong> <em>Ein Theologe im Dialog mit einem Agnostiker<br \/>\n<\/em>Copleston (<em>Jesuit<\/em>): Ich betrachte religi\u00f6se Erfahrung nicht als strengen Beweis f\u00fcr die Existenz Gottes\u00a0[. . .]. Aber ich finde, dass die beste Erkl\u00e4rung daf\u00fcr die Existenz Gottes ist\u00a0[. . .]. Das (religi\u00f6se) Grunderlebnis kann man jedenfalls am leichtesten mit der Hypothese erkl\u00e4ren, dass es daf\u00fcr tats\u00e4chlich eine objektive Ursache gibt. Russell (englischer Philosoph; <em>Agnostiker<\/em>): Ich m\u00f6chte auf ein solches Argument erwidern, dass es eine sehr heikle Sache ist, von unserem eigenen geistigen Zustand auf etwas au\u00dferhalb von uns zu schlie\u00dfen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Text 2<\/strong> K\u00fcng (<em>katholischer Theologe<\/em>): Der Preis, den der Atheismus f\u00fcr sein Nein zahlt, ist offenkundig. Er setzt sich der Gef\u00e4hrdung durch eine letztliche Grundlosigkeit, Haltlosigkeit, Ziellosigkeit aus: der m\u00f6glichen Sinnlosigkeit, Wertlosigkeit, Nichtigkeit der Wirklichkeit \u00fcberhaupt\u00a0[. . .], auch der Gef\u00e4hrdung durch eine letzte Verlassenheit, Bedrohtheit und Verfallenheit aus mit den Folgen des Zweifels, der Angst, ja der Verzweiflung. Dies alles nat\u00fcrlich nur, wenn der Atheismus Ernstfall und nicht intellektuelle Attit\u00fcde, snobistische Koketterie oder gedankenlose Oberfl\u00e4chlichkeit ist\u00a0[. . .]. F\u00fcr den Atheisten bleiben jene letzten und doch zugleich n\u00e4chsten und durch kein Frageverbot zu verdr\u00e4ngenden ewigen Fragen des menschlichen Lebens unbeantwortet\u00a0[. . .], sondern dass Gott vorausgesetzt werden muss, sofern man \u00fcberhaupt sinnvoll sittlich leben will.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Text 3<\/strong> Feuerbach (<em>Atheist 19. Jhd.<\/em>, nach dem sich Atheismus und eine bestimmte Form von Religiosit\u00e4t nicht ausschlie\u00dfen): In der Tat hat sich auch der Theismus, die Theologie, der Gottesglauben bei uns so sehr mit der Religion identifiziert, dass keinen Gott\u00a0[. . .] und keine Religion haben f\u00fcr eins gilt [. . .]. Urspr\u00fcnglich dr\u00fcckte aber die Religion gar nichts aus als das Gef\u00fchl des Menschen von seinem Zusammenhang, seinem Einssein mit der Natur oder Welt [. . .]. Ich selbst, obgleich ich Atheist bin, bekenne mich offen zur Religion in dem angegebenen Sinne, zur Naturreligion\u00a0[. . .]. Ich sch\u00e4me mich nicht meiner Abh\u00e4ngigkeit von der Natur. Ich gestehe offen, dass die Wirkungen der Natur nicht nur meine Oberfl\u00e4che, meine Rinde, meinen Leib, sondern auch meinen Kern, mein Inneres affizieren, dass die Luft, die ich bei heiterem Wetter einatme, nicht nur auf meine Lungen, sondern auch meinen Kopf wohlt\u00e4tig einwirkt, das Licht der Sonne nicht nur meine Augen, sondern auch meinen Geist und mein Herz erleuchtet. Und ich finde diese Abh\u00e4ngigkeit nicht\u00a0[. . .] in Widerspruch mit meinem Wesen, hoffe deswegen auch keine Erl\u00f6sung von diesem Widerspruch. Ebenso wei\u00df ich, dass ich ein endliches, sterbliches Wesen bin, dass ich einst nicht mehr sein werde. Aber ich finde dies sehr nat\u00fcrlich, und deswegen bin ich vollkommen vers\u00f6hnt mit diesem Gedanken.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Text 4<\/strong> Ayer (<em>britischer Sprachanalytike neopositivistischer Pr\u00e4gung<\/em>): Der <em>Theist<\/em>\u00a0[. . .] mag glauben, dass seine Erfahrungen Erkenntnis bergende Erfahrungen sind; solange er aber seine \u201eErkenntnis\u201c nicht in empirisch verifizierbare Propositionen (= S\u00e4tze) fassen kann, k\u00f6nnen wir gewiss sein, dass er sich selbst etwas vormacht. Daraus folgt, dass solche Philosophen, die ihre B\u00fccher mit Behauptungen f\u00fcllen, sie \u201ew\u00fcssten\u201c intuitiv um diese oder jene moralische oder religi\u00f6se \u201eWahrheit\u201c, nur Material f\u00fcr den Psychoanalytiker liefern.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Text 5<\/strong> Brecht (<em>Marxist<\/em>): Einer fragte Herrn K., ob es Gott g\u00e4be. Herr K. sagte: \u201eIch rate dir nachzudenken, ob dein Verhalten je nach der Antwort auf diese Frage sich \u00e4ndern w\u00fcrde. W\u00fcrde es sich nicht \u00e4ndern, dann k\u00f6nnen wir die Frage fallen lassen. W\u00fcrde es sich \u00e4ndern, dann kann ich dir wenigstens noch so weit behilflich sein, dass ich dir sage, du hast dich schon entschieden: Du brauchst einen Gott.\u201c <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Text 6<\/strong> Wittgenstein (<em>\u00f6sterreichischer Sprachphilosoph<\/em>): Wenn man mich fragt, ob ich an das j\u00fcngste Gericht glaube oder nicht, in dem Sinne, in dem religi\u00f6se Menschen daran glauben, dann w\u00fcrde ich nicht sagen\u201c Nein, ich glaube nicht, dass es so etwas geben wird\u201c. Es w\u00fcrde mir ganz verr\u00fcckt vorkommen, das zu sagen\u00a0[. . .]. Ich kann es nicht sagen. Ich kann ihm nicht widersprechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Angenommen jemand ist krank und sagt \u201eDies ist eine Strafe\u201c, und ich sage \u201cWenn ich krank bin, denke ich \u00fcberhaupt nicht an Strafen.\u201c Auf die Frage \u201eGlaubst du denn das Gegenteil?\u201c \u2013 nun, man kann es so nennen, obwohl es etwas ganz und gar anderes ist als das, was wir normalerweise \u201edas Gegenteil glauben\u201c nennen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Ich denke anders, auf eine andere Weise. Ich sage mir selbst andere Sachen als er. Mir schweben andere Bilder vor.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem von Friedmann Schulz von Thun entwickelten Konzept der \u201eVier Seiten einer Nachricht\u201c <a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> geht es beim Kommunizieren nicht einfach nur um den Austausch von Informationen. Ein Mann, der im Auto neben seiner den Wagen steuernden Frau sitzt und zu ihr, als die Ampel auf Gr\u00fcn umschaltet, sagt \u201eDu, da vorne ist gr\u00fcn!\u201c, macht damit nicht nur eine Aussage \u00fcber die Position des Signallichtes (Sachebene). Dass er damit vielleicht auch etwas \u00fcber seine eigene Befindlichkeit aussagt, merkt er, wenn seine Frau ihm antwortet: \u201eKein Anlass zur Eile. Wir kommen noch rechtzeitig hin.\u201c Offenbar hat der Gatte bei seinem Satz auch auf der so genannten Selbstoffenbarungsebene (Eile, Nervosit\u00e4t usw.) \u201egesendet\u201c, was seine Frau aus der Sprechgeschwindigkeit oder seinem Tonfall geschlossen hat. Wenn seine Begleiterin aber \u2013 leicht gereizt &#8211; geantwortet hat \u201eF\u00e4hrst du oder ich?\u201c, hat sie den Satz ihres Mannes weder als eine Aussage auf der Sachebene, auch nicht auf der Selbstoffenbarungsebene wahrgenommen, sondern auf der so genannten Beziehungsebene. In der Art, wie wir miteinander kommunizieren, dr\u00fccken wir n\u00e4mlich immer auch aus, wie wir zueinander stehen, was wir voneinander halten, was wir dem anderen zutrauen usw. Die Frau reagiert so, weil sie in dem Satz ihres Mannes einen Vorwurf geh\u00f6rt hat, den man etwa mit \u201eDu kannst immer noch nicht Auto fahren. Ich muss mich um alles k\u00fcmmern.\u201c wiedergeben kann. Wenn die Gattin schlie\u00dflich antwortet \u201eIch fahr ja schon!\u201c, hat sie in dem scheinbar so harmlosen Satz ihres Mannes einen Appell geh\u00f6rt, doch loszufahren. Wenn wir kommunizieren, verbinden wir mit unseren S\u00e4tzen immer auch &#8211; mehr oder weniger deutlich bekannt gegebene \u2013 Absichten. Die Kommunikationspsychologen sprechen in diesem Fall von der Appellebene, auf der eben auch immer \u201egesendet\u201c (und auch die Nachricht \u201eempfangen\u201c, allerdings nicht immer so verstanden\u201c) wird. Nat\u00fcrlich kann die Lenkerin auch einfach nur sagen: \u201eJa, ich sehe es.\u201c Dann h\u00e4tte sie die \u00c4u\u00dferung ihres Begleiters, die je nach Tonfall und sonstigen k\u00f6rpersprachlichen Begleitumst\u00e4nden alles andere als eine blo\u00dfe Information gedacht sein kann, nur mit ihrem Sachohr, also auf der Sachebene wahrgenommen.<\/p>\n<p>Wie man an diesem trivialen Beispiel sieht, ist Kommunizieren mit dem Hin und Her zwischen einem Sender und einem Empf\u00e4nger eine ziemlich komplizierte Angelegenheit, die Anlass f\u00fcr mancherlei Missverst\u00e4ndnisse und St\u00f6rungen gibt. Ihr Auftreten hat mit den oft nicht klar ge\u00e4u\u00dferten, oft mit den unbewussten, aber k\u00f6rpersprachlich doch vorhandenen und mit gesendeten Befindlichkeiten, Einstellungen und Absichten dem anderen gegen\u00fcber zu tun.<\/p>\n<h4><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Das Konzept der \u201eVier Seiten einer Nachricht\u201c l\u00e4sst sich nun folgenderma\u00dfen auf die besondere Kommunikationssituation eines religi\u00f6sen Disputes anwenden.<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Scheinbar diskutieren die Diskutanten in einem aktuellen Gespr\u00e4ch oder Philosophen und Theologen in einer schriftlichen Abhandlung als einer zeitversetzten Gespr\u00e4chsrunde ausschlie\u00dflich auf der Sachebene (Text 1). Die Semantik der eingesetzten Begriffe (vgl. dazu die unterstrichenen Begriffe) l\u00e4sst den Schluss zu, dass sie die L\u00f6sung des in Frage stehenden Problems (Existenz Gottes) f\u00fcr eine Angelegenheit des Argumentierens halten, in der sich schlussendlich die Wahrheit von Behauptungen und die besseren Gr\u00fcnde durchsetzen werden. Das hei\u00dft mit anderen Worten aber auch, dass sich der eine dem anderen gegen\u00fcber durchsetzen will und dies auch grunds\u00e4tzlich f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt. In jeder solchen Diskussion schwingt daher mehr oder weniger (mindestens implizit) ein Appell mit, den man etwa mit der Formel wiedergeben kann \u201eVertritt gef\u00e4lligst meinen besser abgesicherten Standpunkt!\u201c Ber\u00fccksichtigt man nun auch Text Nr. 2 und 4, wird mit aller Deutlichkeit klar, wie sehr besonders auch auf der Beziehungsebene kommuniziert wird. K\u00fcng, der katholische Theologe, und Ayer, der britische Sprachanalytiker, halten mit ihrer Meinung, was sie von ihren (hier nicht physisch anwesenden) Gespr\u00e4chspartnern halten, nicht hinter dem Berg. Ein jeder konfrontiert den anderen mit dem Verdikt einer in gewisser Weise defizienten Lebensf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Zu einem tieferen Verst\u00e4ndnis der psychischen Kr\u00e4fte, die in den Texten 2 und 4 nachgewiesen werden k\u00f6nnen, reicht das Konzept von den \u201eVier Seiten einer Nachricht\u201c freilich nicht aus. Da bei interkonfessionellen Disputen auf eine ganz hervorragende Weise Bed\u00fcrfnisse und Emotionen mitspielen, scheint es angebracht, die Auseinandersetzungen \u00fcber theologisch-philosophische Themen auch einmal unter dem psychologischen Gesichtspunkt des Einstellungsbegriffes zu betrachten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Zur Psychologie der Einstellung<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was verstehen die Psychologen unter einer Einstellung? Eine Einstellung ist eine relativ stabile Disposition eines Menschen, die sich darin \u00e4u\u00dfert, dass er gegen\u00fcber einer Person, Personengruppe oder Situation in best\u00e4ndiger Weise reagiert. Einstellungen setzen sich weiter aus drei Komponenten zusammen: aus \u00dcberzeugungen und Vorstellungen (kognitive Komponente oder mentale Akte), aus damit verbundenen Emotionen und einer gewissen Handlungsbereitschaft. Die mentale und die emotionale Komponente treten, wenn sich Einstellungen bemerkbar machen, gemeinsam auf, die Handlungskomponente kann, muss aber aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht damit verkn\u00fcpft sein. Beispielsweise muss bei einem von seiner Einstellung her als Antisemit gepr\u00e4gten Menschen die Handlungskomponente in einer Situation, in der es einen Handlungsanlass g\u00e4be, nicht auftreten (weder in einem verbalen noch nichtsprachlichen Akt der Diskriminierung; vgl. dazu die entsprechende Rubrik im folgenden Komponentenschema).<\/p>\n<p>Einstellungen setzen sich also aus drei Komponenten zusammen. Auch der Glauben ist &#8211; psychologisch gesehen \u2013 eine aus solchen Komponenten bestehende Einstellung; allerdings eine von besonders existenzieller Bedeutung und daher auch mit Ausstrahlung auf weitere Einstellungen, zum Beispiel zu Minderheiten, Fragen der Familien-, Sozial-, Wirtschafts-, Umweltpolitik usw.). Zur kognitiven Komponente geh\u00f6ren die religi\u00f6sen Vorstellungen und \u00dcberzeugungen; zur emotionalen die mit dem Glauben verbundenen starken Gef\u00fchle in allen m\u00f6glichen Lebenssituationen (wie Zufriedenheit, Geborgenheit, Momente des Gl\u00fccks usw.); schlie\u00dflich die mit dieser Glaubenseinstellung zusammenh\u00e4ngende Handlungen, die nicht ausbleiben d\u00fcrfen, soll der Glauben kein Etikettenschwindel sein.<\/p>\n<p>Die drei angegebenen Komponenten des Ph\u00e4nomens der Einstellung sollen am Beispiel des Atheismus und Theismus veranschaulicht werden.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>a) die kognitive Komponente<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Die kognitive Komponente bezieht sich auf dieser Einstellung entsprechende \u00dcberzeugungen oder mentale Akte, die sich noch ohne Bezugnahme auf einen Gespr\u00e4chspartner vorerst im Kopf formieren und so formuliert werden k\u00f6nnen: &#8220;Gott existiert&#8221; oder &#8220;Ich glaube an die Existenz Gottes&#8221;. Der Atheist hat andere Vorstellungen und \u00dcberzeugungen (&#8220;Gott existiert nicht&#8221; oder &#8220;An seine Existenz glaube ich nicht&#8221; oder besser \u201eIch habe andere Bilder im Kopf\u201c; siehe dazu weiter untern die Ausf\u00fchrungen zu Text 6 bzw. Wittgenstein).<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>b) die emotionale Komponente (im Zusammenhang mit religi\u00f6sen Disputen)<\/p>\n<p>Solche \u00dcberzeugungen und Vorstellungen sind auf beiden Seiten mit bestimmten starken Emotionen verbunden, die von einem Orientierung verschaffenden &#8220;Richtigkeitsgef\u00fchl&#8221; in Verbindung mit einer gewahrten Neutralit\u00e4t gegen\u00fcber anderen Einstellungen bis zu einem \u00dcberlegenheitsempfinden oder gar Verachtungsgef\u00fchl \u00fcber die jeweils andere Position reichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>c) die Handlungskomponente<\/p>\n<p>Einstellungen machen sich nun nicht nur in \u00dcberzeugungen, Vorstellungen und damit verbundenen Gef\u00fchlen bemerkbar, sondern immer wieder in einem nach au\u00dfen tretenden Verhalten<strong>,<\/strong> das mit den zu Grunde liegenden Einstellungen grunds\u00e4tzlich korreliert. Ein Theist wird als gl\u00e4ubiger Christ zum Beispiel die Sonntagsmesse besuchen, die Sakramente empfangen und sich seinem N\u00e4chsten gegen\u00fcber seinen Glaubensgrunds\u00e4tzen entsprechend verhalten. Er kann sich mit einem Nichtgl\u00e4ubigen an einen Tisch setzen und dort Behauptungen \u00fcber die Existenz Gottes aufstellen und \/ oder ihn von der Unhaltbarkeit seiner Position \u00fcberzeugen wollen oder auch, wie das im Zeitalter der Kreuzz\u00fcge geschehen ist, seiner Glaubens\u00fcberzeugung mit der Waffe in der Hand Nachdruck verleihen. Auch der Atheist wird so wie der Theist seiner Einstellung entsprechend handeln. Auch er wird seinen Mitmenschen oder seiner Umwelt gegen\u00fcber ein moralisches Verhalten an Tag legen, was freilich von K\u00fcng bezweifelt wird, der meint, dass einem Atheisten mit seinem fehlenden Glauben an ein h\u00f6chstes Wesen die Basis f\u00fcr ein moralisch verantwortetes Leben fehlt (vgl. dazu Text 2). Das moralische Verhalten des Atheisten wird eines sein, das nicht religi\u00f6s im Sinne eines Gottglaubens gebunden ist. Er wird daher am Sonntag keinen Gottesdienst besuchen wollen. Er kann seine \u00dcberzeugung von der Nichtexistenz Gottes in einer Diskussion in einem Aussagesatz verbalisieren. Es kann sein, dass er einem Theisten gegen\u00fcber sich seinerseits zu missionarischen Handlungen hinrei\u00dfen l\u00e4sst, die von einem \u00dcberlegenheitsgef\u00fchl begleitet sind, die in der Behauptung gipfeln, der Gottglaube w\u00e4re f\u00fcr seinen Gespr\u00e4chspartner so etwas wie eine Kr\u00fccke, die er, der Atheist, nicht n\u00f6tig h\u00e4tte (vgl. dazu Ayer in Text 4). In ein Schema gebracht sieht das etwa so aus:<\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #ff9900;\">Beispiele f\u00fcr die drei Komponenten<\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"height: 136px;\" width=\"624\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"67\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h4><\/h4>\n<\/td>\n<td width=\"157\">\n<h4><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><strong><em>Kognitive Komponente<\/em><\/strong><\/h4>\n<p><strong><em>(mentale Akte) <\/em><\/strong><\/td>\n<td width=\"104\">\n<h4><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><strong><em>Emotionale Komponente<\/em><\/strong><\/h4>\n<\/td>\n<td width=\"153\">\n<h4><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><strong><em>Handlungskomponente<\/em><\/strong><\/h4>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table width=\"481\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"67\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h4>Einstellung<\/h4>\n<\/td>\n<td width=\"157\"><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p>\u00dcberzeugung, Vorstellung von jedem Kommunikationsthema<\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<td width=\"104\">&nbsp;<\/p>\n<p>Richtigkeitsgef\u00fchl in Verbindung mit der Beurteilung des Kommunikationspartners von seiner Wertsch\u00e4tzung \u00fcber Neutralit\u00e4t bis hin zu \u00dcberlegenheit und Verachtung ihm gegen\u00fcber<\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<td width=\"153\">&nbsp;<\/p>\n<p>a) sprachlich: eine nach au\u00dfen wahrnehmbare, der kognitiven Komponente entsprechende \u00c4u\u00dferung in einer Kommunikationssituation b) nichtsprachliche\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0 Handlung<\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"67\">\n<h4>Theismus<\/h4>\n<\/td>\n<td width=\"157\">Gott existiert \/ Ich bin von derExistenz Gottes \u00fcberzeugt \/ Das war ein s\u00fcndhaftes Verhalten von mir, das ich wieder gut machen muss. \/ Andersgl\u00e4ubige stehen genauso nah zu Gott wie ich &#8230; Andersgl\u00e4ubige haben einen falschen Glauben usw.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<td width=\"104\">Richtigkeitsgef\u00fchl in Verbindung mit der Beurteilung des Kommunikationspartners von seiner Wertsch\u00e4tzung \u00fcber Neutralit\u00e4t bis hin zu \u00dcberlegenheit und Verachtung ihm gegen\u00fcber<\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<td width=\"153\">a) Gott existiert \/ \u00dcberzeugungsversuch einem Andersgl\u00e4ubigen gegen\u00fcber<\/p>\n<p>b) z.B. Kirchgang, Sakramen-tenempfang; Werke der christlichen N\u00e4chstenliebe; Kreuzz\u00fcge &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"67\">\n<h4>Atheismus<\/h4>\n<\/td>\n<td width=\"157\">Gott existiert nicht. \/ Das war moralisch falsch von mir. \/ Das muss ich wieder gut machen. \/ Mein Atheismus ist die einzig vertretbare Position in der Gottesfrage &#8230; Gl\u00e4ubige Menschen sind minderbemittelte Wesen &#8230; Atheismus und Theismus stehen auf derselben Wertstufe.\u00a0\u00a0 usw.<\/td>\n<td width=\"104\">Richtigkeitsgef\u00fchl in Verbindung mit der Beurteilung des Kommunikationspartners von der Wertsch\u00e4tzung \u00fcber Neutralit\u00e4t bis hin zu \u00dcberlegenheit und Verachtung ihm gegen\u00fcber<\/td>\n<td width=\"153\">a) &#8220;Gott existiert nicht&#8221; \/\u00dcberzeugungsversuch einem Gl\u00e4ubigen gegen\u00fcberb) moralisches Verhalten ohne religi\u00f6se R\u00fcckkoppelung<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Funktion einer Einstellung: Orientierung, Stabilit\u00e4t der Wahrnehmung, Konsonanz durch Selektivit\u00e4t und Verzerrung<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber die komplizierten Zusammenh\u00e4nge zwischen den drei Komponenten werden von den Psychologen breite Abhandlungen geschrieben. F\u00fcr unseren Zusammenhang sollen einige wichtige Erkenntnisse aus der psychologischen Fachliteratur hervorgehoben werden.<\/p>\n<p>Mit den einmal gewonnenen Einstellungen verschaffen wir Menschen uns Orientierung in der Welt und halten sie \u00fcber den Mechanismus der Konsonanz stabil. Wir haben die in den meisten F\u00e4llen sehr n\u00fctzliche Gewohnheit alles, was wir wahrnehmen, so zu interpretieren, dass das Wahrgenommene unserer Einstellung entspricht (Konsonanz).<\/p>\n<p>Um uns qu\u00e4lende Dissonanzen zu ersparen, selektieren wir aus der Informationsf\u00fclle die Daten heraus, die unserer Einstellung entsprechen. Wenn eine Reizstruktur einer vorherrschenden Einstellung nahezu, jedoch nicht v\u00f6llig entspricht, kann unsere Wahrnehmung so verzerrt werden, dass sie mit der betreffenden Einstellung \u00fcbereinstimmt Auf diese Weise bleibt die Welt um uns stabil und wir m\u00fcssen uns bzw. unsere Einstellungen nicht \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Einstellungen haben also die Funktion von grundlegenden Orientierungen. Diese bewirken Sicherheit im Umgang mit Menschen, bei der Behandlung von Konflikten und Entscheidungen usw. An den politisch wirksamen Ismen (Konservativismus, Liberalismus, Sozialismus usw. bzw. aus den ihnen folgenden verschieden akzentuierten Zugriffen auf Regelungsmaterien (Familien-, Einkommens, Wirtschaftspolitik usw.) kann man die Mechanismen der Selektivit\u00e4t der Wahrnehmung gut studieren. Begreiflicherweise wollen wir uns die mit einer einmal etablierten Einstellung gewonnene Sicherheit nicht einfach nehmen lassen. Weil also diese Einstellungen mit starken Emotionen verbunden sind, sind sie, wie die Psychologen sagen, &#8220;l\u00f6schungsresistent&#8221; Sie lassen sich n\u00e4mlich nicht einfach durch die Konfrontation mit anderen, (vielleicht richtigen) Informationen aufweichen.<\/p>\n<p>Religi\u00f6se Dispute, die wir nach dem Konzept der \u201eVier Seiten einer Nachricht\u201c als eine Kommunikationsform verstehen m\u00fcssen, bei der es nicht nur um reinen Informationsaustausch geht, lassen sich im Drei-Komponenten-Konzept der Einstellung also auch als ein Beispiel f\u00fcr seine Handlungskomponente verstehen. Sich auf Kreuzz\u00fcge zu begeben, Missionsarbeit zu leisten oder karitative Aktionen zu organisieren w\u00e4ren andere ebenfalls unter dieser Komponente einzuordnende Handlungen.<\/p>\n<p>Die emotionale Komponente macht sich bei religi\u00f6sen Einstellungen in besonderer Weise bemerkbar. Wir haben oben vom Glauben als einer besonders wichtigen Einstellung gesprochen, weil er, wenn er gelebt wird, existenzielle Bedeutung hat. Er ist wirksam im so genannten Kernbereich der Pers\u00f6nlichkeit. In einem langwierigen Sozialisationsprozess erworben deckt er existenzielle Grundbed\u00fcrfnisse ab und genie\u00dft aus diesem Grund auch verfassungsrechtlichen Schutz (Menschen- und Grundrecht auf Glaubensfreiheit), der darin besteht, dass dieser Bereich frei zu halten ist von Eingriffen des Staates, dass also beispielsweise niemand zur Teilnahme an einer religi\u00f6sen Veranstaltung gezwungen werden darf usw. Nach au\u00dfen bietet der Glauben einen umfassenden Orientierungsrahmen, der so etwas wie kognitive Dissonanz, n\u00e4mlich ein Gef\u00fchl des Missklangs, der vom Aufeinandertreffen zweier widerspr\u00fcchlicher Aussagen ausgel\u00f6st werden kann, nur ausnahmsweise aufkommen l\u00e4sst. Das Theodizeeproblem, das hei\u00dft die Rechtfertigung Gottes angesichts des von ihm zugelassenen \u00dcbels in der Welt, ist ein solches Beispiel. Das Problem bzw. die Dissonanz l\u00f6st sich auf durch entsprechende Adaptierungen im Kognitiven; zum Beispiel dadurch, dass der Widerspruch geleugnet wird usw. Auch im Falle anderer argumentativer Notst\u00e4nde in religi\u00f6sen Disputen m\u00f6gen Dissonanzgef\u00fchle auftreten, werden aber ebenfalls kurzfristige Ausnahmen bleiben. Denn die in den Tiefen der Emotionalit\u00e4t wurzelnde Glaubenseinstellung l\u00e4sst sich durch widerspr\u00fcchliche Informationen, also durch ein Gepl\u00e4nkel auf der kognitiven Ebene, nicht ersch\u00fcttern. Gerade auch in Diskussionen mit religi\u00f6s-philosophischer Thematik kann man immer wieder beobachten, dass nicht ins Konzept der eigenen Einstellung passende Argumente des Kommunikationspartners einfach in den Wind geschlagen oder \u00fcberhaupt nicht wahrgenommen werden Gef\u00fchle sind, wie wir aus der Lernpsychologie wissen, eben besonders l\u00f6schungsresistent. Das gilt ganz besonders f\u00fcr den Glauben als eine auf die ganze Lebensf\u00fchrung ausstrahlende Grundeinstellung. Die Wandlung des Christenverfolgers Saulus zum gottgl\u00e4ubigen Christusnachfolger durch das ihn best\u00fcrzende, aber positive Erlebnis in Damaskus w\u00e4re ein Beispiel f\u00fcr die Hypothese der Psychologen, wonach eine Einstellungs\u00e4nderung nicht durch die Konfrontation mit blo\u00dfer Information, sondern nur dann geschehen kann, wenn und nachdem eine Person einer Situation ausgesetzt wird, in der ihr Verhalten (dissonant mit der zu Grunde liegenden Einstellung) unmittelbar ge\u00e4ndert wurde und dabei positive Aspekte des Verhaltens erfahren werden.<\/p>\n<p>Geistes- und philosophiegeschichtlich ist der Disput \u00fcber die Existenz Gottes mit Kant eingestellt worden. Auf der Sachebene, das hei\u00dft in Kants Terminologie auf der Ebene der reinen Vernunft, gibt es, weil der menschliche Verstand im Bereich der Metaphysik zu kurz greift und sich st\u00e4ndig in Ausweglosigkeiten (Aporien) verwickelt, nichts mehr Sinnvolles im Sinne der Wissenschaftlichkeit zu sagen. Warum das so ist, daf\u00fcr gibt die evolution\u00e4re Erkenntnistheorie eine interessante Erkl\u00e4rung. Die bei der Behandlung metaphysischer Probleme eingesetzten Kategorien der reinen Vernunft (Substanz, Kausalit\u00e4t usw.) sind nach dieser Theorie im Lauf der Jahrmillionen w\u00e4hrenden Evolution in einem so genannten Mesokosmos entwickelt worden, das hei\u00dft in einer Welt der mittleren Dimensionen (Entfernungen, Zeit, Gewicht, Temperatur, Geschwindigkeiten und Beschleunigungen, in einer Welt mit bescheidener Komplexit\u00e4t also). Nach dieser Erkl\u00e4rung passen unsere evolution\u00e4r getesteten und bew\u00e4hrten Erkenntnisstrukturen auf die Wahrnehmung und Erfahrung eben in diesem Mesokosmos, taugen aber nicht f\u00fcr die Sph\u00e4re, die wir die transzendente nennen, sondern schlagen dort in die bekannten Aporien um. Sehr sch\u00f6n hat dies Ludwig Feuerbach am Beispiel des so genannten kosmologischen Gottesbeweises demonstriert, wenn er darauf hinweist, dass mit Gott als der ersten Ursache ein willk\u00fcrlicher Schlusspunkt gesetzt wird. Niemand n\u00e4mlich kann uns hindern, unserer Ursachensucht folgend (ein nur im Mesokosmos taugliches Apriori unserer reinen Vernunft) hinter diesen ersten Beweger zur\u00fcckzugehen und diesen in dieselbe Verursachungsreihe hineinzustellen bzw. diese weiterzuf\u00fchren, die wir im Diesseits zielf\u00fchrend begonnen haben<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Denselben L\u00f6sungsvorschlag, n\u00e4mlich die Behandlung des Gottesproblems auszuklammern, weil es nicht als eines anzusehen ist, das auf der Sachebene l\u00f6sbar w\u00e4re, macht Brechts alter Ego, Herr Keuner (Text 5). Er verweigert die Antwort auf die Frage, ob es einen Gott gibt, und verschiebt diese metaphysische Fragestellung auf die Ebene der Psychologie. Dort kann mit dem Hinweis auf die Orientierungs- und Leitfunktion eines Gottglaubens (\u201eDu brauchst einen Gott\u201c) dem Fragenden eine weiterf\u00fchrende Antwort gegeben werden. Hat der Gottglaube die Funktion einer Verhaltens\u00e4nderung nicht, kann die Frage nach der Existenz Gottes als unwichtig ad acta gelegt werden. Brechts Keuner-Geschichte macht uns damit auf das moralische Gebot der Etikettenwahrheit aufmerksam. Jeder Ismus rechtfertige sich durch ein seinem Gesamtkonzept entsprechendes Verhalten. Eine Einstellung ohne entsprechendes Verhalten gleicht der Pr\u00e4sentation einer Flasche scheinbar teuren Weines, auf der zwar das passende Etikett klebt, die aber im \u00dcbrigen leer ist. \u00dcberraschenderweise deckt sich Brechts L\u00f6sung in diesem Punkt mit der des gro\u00dfen Aufkl\u00e4rers Lessing, der in seiner Ringparabel die Frage nach der wahren Religion (und damit dem wahren Gott) ebenfalls bei Seite schiebt und in diesem Zusammenhang den Nachweises ihrer sozialhygienischen Funktion (in Brechts Terminologie: Verhaltens\u00e4nderung) favorisiert und einfordert.<\/p>\n<p>Dieser Transfer auf die Ebene der Psychologie scheint mir eine Problembehandlung zu sein, die einerseits dem Entwicklungstand in der philosophischen Auseinandersetzung nicht widerspricht und anderseits der besonderen Sprechaktqualit\u00e4t einer \u00c4u\u00dferung wie \u201eGott existiert\u201c gerecht wird. Denn dieser Satz wird nach dem Verst\u00e4ndnis der \u201ephilosophy of ordinary language\u201c, welche die semantische Bedeutung und die pragmatischen Funktionen von Sprechhandlungen (Sprechakten) untersucht, eben nicht als empirisch gehaltvoller Satz verstanden, der wahr oder falsch sein kann, sondern als ein Sprechakt, der als Glaubens\u00e4u\u00dferung aus den Tiefenschichten einer Pers\u00f6nlichkeit kommt, also bekenntnishaften Charakter hat, dem gegen\u00fcber die Frage nach seiner Wahrheit keinen Sinn ergibt. Den sprachphilosophischen Unterbau f\u00fcr die konsequenzenreiche Erkenntnis, dass die sprachlichen \u00c4u\u00dferungen von Theisten, Atheisten oder Agnostikern in gleicher Weise Bekenntnisse sind, hat der \u00f6sterreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein geliefert (Text 6). Als einer der ersten hat er die Logik der religi\u00f6sen Sprache untersucht und dabei herausgearbeitet, dass die \u00c4u\u00dferungen eines gottgl\u00e4ubigen und eines nichtgottgl\u00e4ubigen Menschen \u00fcber die Existenz Gottes nicht nach dem Schema kontradiktorischer \u00c4u\u00dferungen zu begreifen sind, sondern als ganz eigene Sprechakte, in deren Gefolge jeweils bestimmte Bilder und Vorstellungen auftauchen, mit deren Hilfe sich beide im Leben orientieren, die sich aber eben deshalb auch nicht widersprechen k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Bekenntnisse sind nach dieser Lesart also nicht wahr oder falsch, sondern echt oder unecht, freiwillig ge\u00e4u\u00dfert oder unfreiwillig usw. Religi\u00f6ser Glauben wird bisweilen kritisiert, weil seine Behauptungen den Pr\u00fcfungen auf Bedeutungshaftigkeit nicht standhalten (vgl. dazu Text 4) Diese Kritik geht, wenn man dem Konzept von Wittgenstein folgt, an der Sache vorbei. Denn als empirische Aussagen sind sie wohl jedenfalls nicht beabsichtigt.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Nach diesem Verst\u00e4ndnis, das Glaubens\u00e4u\u00dferungen an ihrem bekenntnishaften Charakter festmacht, das diese demnach der Selbstoffenbarungsebene zuordnet, d\u00fcrften solche \u00c4u\u00dferungen (nach dem Konzept der \u201eVier Seiten einer Nachricht\u201c) auch nicht als mehr oder weniger versteckte Appelle verstanden werden, doch bitte das eben ge\u00e4u\u00dferte Bekenntnis zu teilen und zu \u00fcbernehmen, was freilich in religi\u00f6sen Disputen sowohl auf der Sender- als auch auf der Empf\u00e4ngerseite eben doch immer wieder getan wird.<\/p>\n<p>Nach dieser Lebensregel-These<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>, welche den Glauben als ein in den Tiefenschichten der Pers\u00f6nlichkeit wurzelndes Vorstellungs- und \u00dcberzeugungsb\u00fcndel begreift, welches das Leben von Menschen, gleich um welchen Ismus auf dem Gebiete der Metaphysik es sich nun handelt, in vielfacher Weise normiert, k\u00f6nnte auch das leidige Problem auf der Beziehungsebene wegfallen, n\u00e4mlich das der wechselseitig verletzenden Sichtweise der Religion als unn\u00f6tiger Kr\u00fcckstock (Text 4 Ayer: Material f\u00fcr den Psychoanalytiker) und beispielsweise des Atheisten als eines defizienten Menschen (Text 2 K\u00fcng), weil beide, der Gl\u00e4ubige und der Nichtgottgl\u00e4ubige mit ihrer inhaltlich verschiedenen Grundeinstellung von einem gleichwertig ihr Leben leitenden Vorstellungs- und \u00dcberzeugungssystem ausgehen. Die Orientierung an Gottglauben und Religion bei der L\u00f6sung existenzieller Probleme (das Brechtsche \u201eDu brauchst einen Gott\u201c) und der seit der Renaissance einsetzende S\u00e4kularisationsprozess, der seit der Reformation und intensiviert seit der Aufkl\u00e4rung zunehmend auf die Autonomie des Menschen bei der Regelung seiner existenziellen Angelegenheiten setzt, der den Rekurs dabei auf ein h\u00f6chstes Wesen nicht sucht, sondern Systeme der Selbstverantwortung entwickelt, sind zwei Probleml\u00f6sungsans\u00e4tze, deren jeweils mehr oder weniger segensreiche Wirkungen in der Geschichte der Menschheit allerdings nicht erst von einem Richter beurteilt werden kann, der die Kapazit\u00e4t des Richters in Lessings Ringparabel besitzt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kommunikationsprobleme bei religi\u00f6sen Disputen haben nun zusammengefasst damit zu tun, dass es, wie die Analyse nach dem Konzept der \u201eVier Seiten einer Nachricht\u201c zeigt, immer wieder zu \u00dcbergriffen auf der Beziehungs- und \/ oder Appellebene kommt. Oft sind \u00dcberlegenheitsgef\u00fchle der Vertreter einer Religion gegen\u00fcber denen eines anderen \u00dcberzeugungssystems, also beispielsweise des Theismus gegen\u00fcber dem Atheismus und umgekehrt oder bei interkonfessionellen Disputen die Ursache. \u00dcberlegenheitsgef\u00fchle und Verachtung l\u00f6sen wechselseitig \u00c4ngste und Verst\u00f6rungen aus usw. \u00dcbersehen wird von den \u201eStreith\u00e4hnen\u201c dabei, dass, wie uns die Psychologie (Einstellungsbegriff; L\u00f6schungsresistenz von Gef\u00fchlen) versichern, religi\u00f6se Vorstellungen und Emotionen den Kern einer Pers\u00f6nlichkeit ausmachen und sich dieser durch die blo\u00dfe Konfrontation mit neuer Information nicht knacken l\u00e4sst. In den Menschenrechtskodifikationen (in \u00d6sterreich erstmals 1867; fr\u00fcher noch im Toleranzedikt Joseph II) haben die Juristen auf ihre Weise der Erkenntnis der Kommunikationspsychologen und Psychologen vorgearbeitet, wenn sie den Kern einer Pers\u00f6nlichkeit frei halten und sch\u00fctzen wollen von jedem religi\u00f6s-missionarischen \u00dcbergriff des Staates. Darin eingeschlossen ist wohl die Erkenntnis, dass die Befriedigung existenzieller Bed\u00fcrfnisse wie die Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens am besten in die H\u00e4nde des Individuums selbst gelegt wird. Zu dieser Weisheit haben Theisten wie Atheisten oder Teilnehmer an einem interkonfessionellen Disput, die sich wie die Konkurrenten bei einem Fingerhakelbewerb verhalten, die sich also missionarische, ihre eigene Ich-Schw\u00e4che offenbarende \u00dcbergriffe erlauben, noch nicht gefunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> In: Russell, Bertrand: Warum ich kein Christ bin; rororo 6685<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> K\u00fcng, Hans: Christ sein 1978 = dtv 1220, S. 71ff<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\"><\/a><span style=\"color: #ff9900;\">[3]<\/span> Feuerbach, Ludwig: Das Wesen der Religion 1851. S\u00e4mtliche Werke; hrsg. V. W. Bolin u. F. Jodl. 2. Aufl., Bd 8, S. 31 ff<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Ayer, Alfred: Sprache, Wahrheit und Logik 1970, S. 151ff<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Brecht, Bertolt: Geschichten vom Herrn Keuner, suhrkamp TB 16, S. 20<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Wittgenstein, Ludwig: Vorlesungen und Gespr\u00e4che \u00fcber \u00c4sthetik, Psychologie und Religion 1969 = vandenhoeck &amp; ruprecht Tb 267-79, S. 87ff<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\"><\/a><span style=\"color: #ff9900;\">[7]<\/span> Friedmann Schulz von Thun: Miteinander reden. St\u00f6rungen und Kl\u00e4rungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation 1981<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> zur evolution\u00e4ren Erkenntnistheorie vgl.Vollmer, Gerhard: Was k\u00f6nnen wir wissen Band 1: Die Natur der Erkenntnis; 2. Aufl. 1988, S. 128ff; f\u00fcr den Theologen K\u00fcng stellt sich mit seinem festen Gottesbezug (in Feuerbachs Terminologie: dem Abbruch der Kausalkette) das Problem mit dieser Aporie nicht; dem Atheisten nimmt K\u00fcng in seinem Unverst\u00e4ndnis seine abweichendes Position entweder nicht ab, tut sie als blo\u00dfe \u201esnobistische Koketterie\u201c oder gar als \u201egedankenlose Oberfl\u00e4chlichkeit\u201c ab, oder er sieht ihn einer existenziellen Gef\u00e4hrdung ausgesetzt, falls er doch ernst gemeint ist (vgl. Text 2), von der bei Feuerbach (Vgl. Text 3) nat\u00fcrlich nichts zu sp\u00fcren ist. Wir haben es hier bei K\u00fcngs Vorurteil mit demselben, nur reziproken Mechanismus zu tun, der Religionsgegner diese als eine Kr\u00fccke darstellen l\u00e4sst, ohne die der Mensch nicht leben k\u00f6nne.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\"><\/a> <span style=\"color: #ff9900;\">[9]<\/span> \u201eMir schweben andere Bilder vor.\u201c \u2013 So Wittgenstein in Text 6 in Bezug auf die Vorstellung &#8220;Krankheit als Strafe\u201c; in Analogie auch anwendbar auf die Diskussion zwischen einem Theologen und einem Atheisten \u00fcber das J\u00fcngste Gericht<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\"><\/a><span style=\"color: #ff9900;\">[10]<\/span> Eine lesenswerte Einf\u00fchrung zu Wittgensteins \u00dcberlegungen \u00fcber die Logik der religi\u00f6sen Sprache gibt W. Hudson in seinem Aufsatz \u201eEinige Bemerkungen zu Wittgensteins Darstellungen des religi\u00f6sen Glaubens\u201c; in: Sprachlogik des Glaubens. Texte zur religi\u00f6sen Sprache. Hrsg. V. Ingolf U. Dalferth 1974, S. 211ff; f\u00fcr den Fall, dass Aussagen \u2013 beispielsweise \u00fcber das J\u00fcngste Gericht \u2013 nicht als empirisch bedeutsame S\u00e4tze gewertet werden wollen, geht nat\u00fcrlich die Kritik Ayers (siehe Text 4) am Kern der Sache vorbei; Wittgenstein jedenfalls scheint von dieser Annahme auszugehen, wenn er pointiert formuliert: \u201eDie Fehler der Religion sind zu enorm, um einfach schlechte Wissenschaft zu sein.\u201c (zit. nach W. Hudson a.a.O.)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\"><\/a><span style=\"color: #ff9900;\">[11]<\/span> Das Etikett \u201eLebenregel-These\u201c bezieht sich auf folgendes von Hudson aaO. wiedergegebenes Wittgenstein-Zitat: \u201eNehmen wir an, jemand machte das zu seiner Lebensregel: den Glauben an das J\u00fcngste Gericht. Was immer er tut, es schwebt ihm dabei vor [. . .].\u00a0 Er hat [. . .] das, was man einen unersch\u00fctter-\u00a0 lichen Glauben nennt. Und der wird sich nicht beim Argumentieren oder beim Appell an die gew\u00f6hnliche Art von Gr\u00fcnden f\u00fcr den Glauben an die Richtigkeit von Annahmen zeigen, sondern vielmehr dadurch, dass er sein ganzes Leben regelt.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was sind die Ursachen f\u00fcr Kommunikationsprobleme bei Diskussionen \u00fcber religi\u00f6se Themen, zum Beispiele \u00fcber die Existenz Gottes? &nbsp; (ABGEDRUCKT IM JAHRESBERICHT DES MUSISCHEN GYMNASIUM 2003\/04) &nbsp; &nbsp; Ein Unterrichtsprojekt aus dem Philosophieunterricht\u00a0in einem Aufsatz zusammengefasst Bei Diskussionen \u00fcber religi\u00f6se Themen, zum Beispiel \u00fcber die Existenz&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=53"}],"version-history":[{"count":46,"href":"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":273,"href":"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/53\/revisions\/273"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=53"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=53"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.wolfgang-muehlbacher.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=53"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}